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Das letzte Motorbootrennen in Sachsen – und in Kriebstein?

Die schmalen Flitzer bringen wieder Tempo ins Zschopautal. Aber ein Zwischenfall überschattet die Rennläufe.

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© Dietmar Thomas

Von Marcus Möller

Kriebstein. So wie schnell fliegende Wasservögel knapp über dem Wasser entlangzischen, so scheinen auch die Motorboote an der Talsperre Kriebstein über das Wasser zu fliegen. Nur gibt es wahrscheinlich wenige Vögel, die ein Tempo von durchschnittlich 160 Kilometer pro Stunde erreichen können. Die Motorboote auf dem Stausee erinnern eher an Sportwagen auf Beton – das Wasser wird zur Schnellstraße. Denn es geht um nichts Geringeres als den Europameistertitel.

Peter Heibuch aus Neu Zittau weiß, wie es sich anfühlt, auf dem Siegertreppchen zu stehen. Dreimal Europameister und fünfmal deutscher Meister in der Formel R  1000: Die Bilanz, die der 61-Jährige nach gut 25 Jahren Motorbootrennen vorweisen kann, ist beeindruckend. 2015 wurde er zuletzt deutscher Meister sowie Vizeeuropameister. In den Neunzigern lernte er durch einen Freund den Motorbootrennsport kennen. „Da dachte ich mir: Was der kann, kann ich auch“, sagt Peter Heibuch. Und wie seine Titel beweisen, kann er es in der Tat. Dieses Jahr aber scheint der Europameistertitel verspielt: „Im ersten Rennen hatten wir einen Motorschaden und ein Teil des Antriebs brach auch noch.“ Der Routinier wird das Feld im Laufe der Serie also von hinten aufholen müssen.

Die Motorboot-Europameisterschaft besteht aus einer Serie von fünf Wettkampftagen auf fünf Strecken. Eine ist in Kriebstein, das sich damit in Standorte in ganz Europa einreiht: Das nächste Rennen findet im litauischen Zarasai statt, danach geht es nach Jedovnice in Tschechien.

Das Rennen

56 Rennpiloten aus 14 Ländern traten auf der Talsperre Kriebstein gegeneinander an.

Rund 3700 Gäste, knapp dreimal mehr als 2015, kamen zu den Rennen.

Gewonnen haben:

- Weltmeisterschaft Klasse O-250: Massimo Rossi (Team Deutschland),

- Europameisterschaft R-1000: Ulf Stute (Deutschland),

- ADAC Motorboot Masters: Maximilian Stilz (Deutschland),

- ADAC Motorboot Cup: Denise Weschenfelder (Deutschland)

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Ein Zwischenfall überschattete am Sonntag die Rennläufe in Kriebstein. Beim Europameisterschaftslauf der Formel R-1000 hatte sich das Rennboot der Estländerin Ieva Millere überschlagen. Es musste aus acht Metern Tiefe geborgen werden. Die Fahrerin, die aus ihrem Boot geschleudert worden war, blieb unverletzt.

Abgesehen von dem Unfall, ist es ein Rennsportevent, auf das die Region stolz sein kann, findet Thomas Caro vom Zweckverband Kriebsteintalsperre: „Das Rennen hier an der Talsperre ist das letzte verbliebende Motorbootrennen Sachsens. Es bereichert die Sportlandschaft.“ Jedoch ist noch nicht sicher, ob es auch im nächsten Jahr stattfindet: „Finanziell ist die Veranstaltung nicht einfach zu stemmen. Wir werden nach dem Rennwochenende das Ganze auswerten und hoffen auf schwarze Zahlen.“

Peter Heibuch fände eine Auflösung des Rennstandorts Kriebstein bedauerlich: „Das ist hier so eine schöne Strecke.“ Generell sei mehr Interesse junger Leute am Motorbootsport wünschenswert. Neben dem Adrenalin während des Rennens sei das Spannende vor allem die Tüftelei und Begeisterung für die Technik. „Ein paar Boote sind noch frei“, sagt Peter Heibuch. (mit FP)