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Bautzen

Das Loch im Eisernen Vorhang

László Nagy, Mitorganisator des paneuropäischen Picknicks von 1989, schaute sich 30 Jahre danach in Bautzen um und hatte interessante Begegnungen.

László Nagy, Mitorganisator des paneuropäischen Picknicks von 1989 trug sich in Anwesenheit von Oberbürgermeister Alexander Ahrens ins Goldene Buch der Stadt Bautzen ein.
László Nagy, Mitorganisator des paneuropäischen Picknicks von 1989 trug sich in Anwesenheit von Oberbürgermeister Alexander Ahrens ins Goldene Buch der Stadt Bautzen ein. © Carmen Schumann

Bautzen. Natürlich hat er sich das Denkmal seines Landsmanns, König Matthias Corvinus an der Bautzener Ortenburg angesehen. Doch László Nagy aus den ungarischen Sopron, Mitorganisator des paneuropäischen Picknicks vom August 1989, ließ sich auch von Stadtführer Hans-Jörg Albert erklären, dass die wunderschöne Bautzener Altstadt um ein Haar nicht mehr existierte, wäre nicht die Wende dazwischen gekommen. Dass es zur Umwälzung in ganz Osteuropa kam, daran hatten die Ungarn einen großen Anteil.

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Deshalb lud Tobias Schilling vom Landratsamt, der die Veranstaltungsreihe „Aufbruch 89“ organisierte, László Nagy nach Bautzen ein. Am Donnerstag trug er sich ins Goldene Buch der Stadt Bautzen ein. Bereits am Dienstag hatte der Gast an einer Podiumsdiskussion mit Zeitzeugen der Friedlichen Revolution im Bautzener Kirchgemeindehaus teilgenommen. Dabei ließ er einiges gucken, was im Vorfeld der Grenzöffnung zwischen Ungarn und Österreich geschehen war. Der eigentliche Auslöser sei gewesen, dass in der ungarischen Regierung ein Generationswechsel stattgefunden hatte. Der neue Regierungschef, Miklós Németh, war eigentlich Ökonom und sah nicht ein, weiterhin die immensen Kosten der Grenzsicherungsanlagen zu tragen. Außerdem gewährte er den Ungarn bereits 1988 Reisefreiheit. Die neue ungarische Regierung hatte gegenüber dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow ausgetestet, wie weit man gehen konnte und war auf keinen Widerstand gestoßen.

Erfreut vom Interesse der jungen Generation

Über diese Hintergründe hatte László Nagy nicht nur bei der Podiumsdiskussion berichtet, sondern auch im Rahmen von zwei Vorträgen vor Schülern des Schiller-Gymnasiums. Er sei begeistert, wie aufmerksam die Gymnasiasten gelauscht hatten und wie viele Fragen sie stellten. Dazu bemerkte er, dass vor allem die junge Generation und die Generation 50plus an den Vorgängen vor 30 Jahren interessiert ist.

Wie László Nagy berichtete, hat ihn besonders eine geschichtliche Parallele fasziniert, die mit einem gebürtigen Bautzener zusammenhängt: Oberstleutnant Harald Jäger, der die Grenze an der Bornholmer Straße an jenem 9. November 1989 öffnete, hatte ebenso wie sein ungarischer Kollege Bela Arpad dafür gesorgt, dass es nicht zu blutigen Zwischenfällen kam. László Nagy initiierte deshalb einen Filmdreh mit den beiden Grenzöffnern.