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Das neue Geopark-Zentrum wächst

Der künftige Geopark Sachsens Mitte soll die Region um den Tharandter Wald vereinen. In Dorfhain entsteht das Herzstück.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Verena Schulenburg

Dorfhain. Dorfhain ist auf dem Weg zum Zentrum, einem Zentrum für die Region. In dem kleinen Ort am Tharandter Wald sollen sich die Interessen von insgesamt zehn Städten und Gemeinden bündeln, die künftig den neuen „Geopark Sachsens Mitte“ bilden. Genau hier, keine zehn Kilometer vom geografischen Mittelpunkt Sachsens entfernt. Ziel ist es, mit der Zertifizierung zum Titel nationaler Geopark die bisher etwas undefinierte Region zwischen dem Osterzgebirge, den Ausläufern des Elblandes und der Bergbaustadt Freiberg zu einer Marke zu verhelfen, um damit Tourismus und Wirtschaft zu stärken. Namentlich geht es um Dorfhain, Tharandt, Wilsdruff, Freital, Klingenberg, Halsbrücke, Bobritzsch-Hilbersdorf. Sie haben ihre Teilnahme zugesagt. Von Rabenau, Dippoldiswalde und Hartmannsdorf-Reichenau wird noch ein letztes Okay erwartet.

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Auf 20000 Quadratmeter Fläche erstrecken sich die aktuellen Pläne für das Besucherzentrum an der Talstraße in Dorfhain.
Auf 20000 Quadratmeter Fläche erstrecken sich die aktuellen Pläne für das Besucherzentrum an der Talstraße in Dorfhain. © Koerner, Heidemarie
So soll der Innenhof des neuen Besucherzentrums in Dorfhain aussehen. Sowohl Eingangsbereich als auch die Fassade des Quergebäudes werden sich noch verändern. Ziel ist es, mit der Zertifizierung zum nationalen Geopark im Jahr 2020 hier künftig alljährlich
So soll der Innenhof des neuen Besucherzentrums in Dorfhain aussehen. Sowohl Eingangsbereich als auch die Fassade des Quergebäudes werden sich noch verändern. Ziel ist es, mit der Zertifizierung zum nationalen Geopark im Jahr 2020 hier künftig alljährlich © .Visualisierung: Georado

In Dorfhain schlägt das Herz des neuen Geoparks. Hier entsteht nach aktuellem Stand auf rund 20 000 Quadratmetern Fläche ein Besucherzentrum als Anlaufpunkt und Veranstaltungsmittelpunkt rund um den nationalen Geopark. Dieses befindet sich auf der Talstraße in Dorfhain, auf dem Gelände der Georado-Stiftung, unter deren Dach der Verein Geopark Erlebnis Tharandter Wald seit seiner Gründung im Juli 2015 die Zertifizierung der umliegenden Region zum nationalen Geopark anstrebt. Das gesamte Gebäudeensemble war einst ein Fabrikstandort für Elektrotechnik, hier arbeitete die Firma VEB Elektronische Bauelemente Dorfhain. Die SZ erklärt, wie das künftige Zentrum aussehen soll.

Detail 1: „Miteinander“ sein in Bistro und Veranstaltungsraum
Ein großer Raum steht für Vorträge, Seminare und andere Veranstaltungen zur Verfügung. Daneben befindet sich ein Bistro, das bereits eröffnet hat. Der zuvor leerstehende Raum wurde kürzlich im Fabrikstil hergerichtet, mit Bar, Sitzbänken und Lounge. Auf der Rückseite des Gebäudes, an der Wilden Weißeritz, ist eine Terrasse in Planung. Das Bistro heißt „Miteinander“. Das hat einen besonderen Hintergrund. Ein stählerner Schriftzug „Miteinander“, etwa 1,5 Tonnen schwer und mit zwei Meter hohen Buchstaben, stand bis April 2016 am Heidenauer Nord-Bahnhof. Er wurde dort einst als Reaktion auf die rechten Krawalle vor der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im ehemaligen Praktiker-Baumarkt aufgestellt. Dann kam er nach Dorfhain. Bald soll die etwa 15 Meter lange Buchstabenfront „Miteinander“ wieder an der Terrasse des Bistros einen Platz erhalten und für ein Miteinander im Sinne des Geoparks werben.

Detail 2: Platz für Touristeninfo, Kunst und eine regionale Produktwelt
Im Quergebäude wird Platz für Ausstellungen sein. Daran wird 2019 ein etwa hundert Quadratmeter großer Anbau errichtet, ein Multifunktionsatelier, erklärt Jens Jähnig, Vorsitzender der Georado-Stiftung. Das Haus soll für Künstler geöffnet werden, für Maler, Töpfer, Bildhauer oder andere. Außerdem sollen Besucher hier in Form einer Touristeninfo die Möglichkeit erhalten, sich über die Angebote der Region einen Überblick zu verschaffen. „Wir überlegen, eine Art regionale Produktwelt einzurichten“, erklärt Jähnig. In einem solchen Laden könnte Kulinarisches und Handwerkliches aus der Region verkauft werden.

Detail 3: Im Innenhof wird ein namhafter Künstler tätig
Werte vermitteln, Wissen schaffen und Wandel vollziehen – das sind die Leitbilder des Geoparks Sachsens Mitte. Diese sollen sich auch im Innenhof wiederfinden. Für die Fassadengestaltung des Quergebäudes wurde bereits der Leipziger Künstler Michael Fischer-Art angefragt, ob er hier seine Ideen umsetzt. Wenn alles klappt, soll bereits im Herbst dieses Jahres die Fassade bemalt werden, nicht nur von Fischer-Art selbst, sondern mit Unterstützung weiterer Künstler. Das Thema Heimat wird sich auch hier in Farbe wiederfinden.

Zentral auf dem Hof soll perspektivisch ein Pylon, eine Art Säule, errichtet werden. Daran werden die Wappen aller Kommunen angebracht, die zum Territorium des Geoparks gehören. Umgesetzt wird dies mit der Zertifizierung zum nationalen Geopark, die bis 2020 von der zuständigen Kommission aus Potsdam erfolgen soll.

Detail 4: Parkplatz mit Präsentationsfläche und Wanderweg
Auf der gegenüberliegenden Seite der Talstraße wird 2019 ein Parkplatz errichtet, der Platz für rund 60 Fahrzeuge bietet. Aufgrund der Hanglage des derzeitigen etwa 6 000 Quadratmeter großen Wiesengrundstückes ist das Parken auf zwei Terrassen geplant. Außerdem soll eine etwa 200 Meter lange Stützwand als Präsentationsfläche dienen. Über das angrenzende kleine Waldstück am Hang wird der derzeit zugewachsene Pfad zu einem Rundwanderweg ausgebaut. Auf Podesten entlang des Weges sollen Skulpturen in verschiedensten Farben stehen und auf das Thema Werte und Heimat aufmerksam machen. Geplant ist darüber hinaus ein etwa 40 Kilometer langer Wanderweg durch die Region.

Detail 5: Eine geotechnische Erlebniswelt zum Entdecken
Zur Georado-Stiftung gehört auch ein Freigelände, auf dem Geotechnik gezeigt und erlebbar wird. Das Thema Bildung und Wissensaustausch spielt dabei eine zentrale Rolle. Hier befinden sich auch ein Kletterturm zu Übungszwecken und der jüngst angelegte Weg der Gesteine, der vorigen Herbst feierlich eröffnet wurde. Entlang dieses Weges sind alle Gesteine Sachsens dargestellt und erklärt. Es sind zugleich jene Gesteine, die allesamt auf engstem Raum im Tharandter Wald vorkommen und damit das Alleinstellungsmerkmal des Geoparks Sachsens Mitte ausmachen.