merken

Das neue Selbstvertrauen der Monarchs

Vor 7 100 Besuchern fegen die Footballer den Erzrivalen aus dem DDV-Stadion und fordern den Rekordmeister heraus.

© Ronald Bonß

Von Alexander Hiller

Da werden selbst harte Kerle weich. Adrian Joseph Wentlandt, amerikanischer Football-Profi in Diensten des sächsischen Erstligisten Dresden Monarchs, flüsterte nach dem Abpfiff fortwährend vor sich hin, führte den Zeigefinger zu den Lippen und schickte einen weiten Blick in Richtung Dresdner Abendhimmel.

Anzeige
Zeig dein Können und sei dabei!
Zeig dein Können und sei dabei!

Sport-Asse, Anfänger, Neugierige: der Moritzburger Schlosstriathlon bietet Strecken für Jedermann. Und Sponsor LandMAXX verlost Startplätze.

Ja, American Football kann auch hierzulande religiöse Züge annehmen. Sowohl bei den Protagonisten als auch bei ihren Anhängern. Wentlandt und sein Team erlebten einen berauschenden Abend vor 7 100 Zuschauern im modernen DDV-Stadion. Der alte Rivale, die Kiel Baltic Hurricanes, knicken nach einem ausgeglichenen ersten Viertel vor der Geschwindigkeit, der Durchschlagskraft, der Zielstrebigkeit und der zunehmenden Selbstverständlichkeit der Hausherren immer mehr ein. Mit 56:21 (28:14) – in etwa vergleichbar mit einem 8:3 beim Fußball – feiern die Dresden Monarchs am Sparkassen-Gameday den vierten Erfolg im vierten Spiel der neuen Saison in der German Football League.

Nervenflattern schnell gestoppt

„Unsere Coaches und unsere Mannschaft haben sich sehr gut auf den Gegner eingestellt und Kiel zu immer mehr Fehlern gezwungen. Offense und Defense waren überragend“, sagte Monarchs-Präsident Sören Glöckner. Allerdings mussten die Hausherren vor der stimmungsvollen Kulisse zunächst einmal ein paar Schusselfehler abschalten. „Ja“, räumt Trainer Ulrich Däuber ein, „ein, zwei jüngere Spieler hatten mit ihren Nerven zu kämpfen – das war so. Das hat zu Fehlern geführt. Und Kiel ist stark genug, die dann auch zu nutzen“, erklärt der 47-Jährige den Stotterstart seiner Mannschaft.

Doch nach dem Rückstand von 7:14 deuteten die Monarchs ihre derzeitige starke Verfassung an und leiteten mit flexiblen Angriffen und einem unstoppbaren Mitchell Paige (vier Touchdowns) schnell die sportliche Wende ein. „Wir konnten unser Level abrufen, Kiel sind dagegen die Kräfte ausgegangen. Die haben Personalmangel, deshalb haben wir die Chance diesmal gut genutzt“, sagte Offense-Liner Aaron Wahl. „Kiel ist seit Jahren ein Garant für guten Football. Die zu Hause in so einem Stadion zu schlagen: einfach bombig“, erklärte der deutsche Nationalspieler. „Wir sind hintenraus stärker geworden, haben weniger Fehler gemacht“, bestätigte auch Trainer Ulrich Däuber. Dennoch lobte auch er die nach wie vor vorhandene Spielstärke der Hanseaten, die jedoch derzeit nur Tabellensechster in der Nord-Staffel der zweigeteilten Bundesliga sind. „Von denen würden auch viele bei uns spielen“.

Dass der Tabellenzweite den Zuschauerrekord aus dem Jahr 2002 im alten Rudolf-Harbig-Stadion einmal mehr knapp verpasste, fällt an diesem sportlichen Feiertag kaum ins Gewicht. „Wir sind sehr, sehr zufrieden – das ist eine stabile Zuschauerzahl mit über 7 000 Zuschauern, da sind wir sehr stolz drauf“, sagt Sören Glöckner. Vor 16 Jahren strömten 8 360 Zuschauer ins baufällige Harbig-Rund und bejubelten den Aufstieg ins Oberhaus – mit einem 62:0 über Kiel. Seither haben die Sachsen einige Anläufe genommen – 2011 sogar gleich drei – diese Bestmarke im neuen Zuhause des Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden zu brechen, bislang vergebens.

„Der Kraftakt ist nicht nur finanzieller Art“, sagt der Monarchs-Präsident. Für einen solchen außergewöhnlichen Spieltag im DDV-Stadion bewegen sich die Kosten im höheren fünfstelligen Bereich. „Alles, was wir innerhalb von drei Tagen hier aufgebaut haben, wird von einer Crew von Ehrenamtlichen bewältigt. Das kann man auf Dauer niemandem zumuten“, schließt Sören Glöckner damit mehr als einen Auftritt pro Saison in der DDV-Arena aus.

Wenngleich Ulrich Däuber mit seiner Mannschaft lieber heute als morgen wiederkäme: „Wenn wir könnten und immer die Kulisse hätten, würde ich gern öfter hier spielen. Aber ich glaube, wir können auch im Steyer-Stadion 3 000 bis 3 500 Besucher anziehen“, betont der Trainer. Mit solchen Auftritten wie am Sonnabend betrieben die Dresdner Footballer zumindest viel Werbung in eigener Sache.

Und rüsteten so ganz nebenbei ihr Selbstbewusstsein noch ein bisschen nach. Immerhin hatten sie noch im Vorjahr an selber Stelle gegen Kiel mit 42:49 verloren. Der diesjährige Erfolg – selbst unter Berücksichtigung eines gewissen Substanzverlustes bei den Norddeutschen – war für die Psyche der Monarchs-Truppe eine zusätzliche Seelenmassage. „Wir wollen den zweiten Platz ...“, sagt Ulrich Däuber und hält plötzlich inne, um sich zu verbessern: „ ... den ersten Platz zusammen mit Braunschweig sichern. So muss das sein, da sehe ich uns auch“, sagt der Trainer des Tabellenzweiten, der dem punktgleichen elffachen deutschen Meister und fünffachen Eurobowl-Sieger Braunschweig nun weiter im Nacken sitzt. „Wir müssen uns vor niemandem verstecken“, sagt Däuber.