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Das Olympia-Puzzle

Die DFB-Auswahl muss in Rio auf einige Prominenz verzichten. Namhaft wird sie dennoch.

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© dpa

Von Erik Roos

Natürlich hat Horst Hrubesch Bescheid gewusst. Dass Leroy Sané, Julian Weigl und Joshua Kimmich zur EM fahren, hat ihm Joachim Löw längst mitgeteilt. Altstars soll es keine geben. Für Hrubesch macht das die Sache langsam kompliziert. Wenn der Trainer der deutschen U 21-Auswahl in wenigen Wochen seinen Kader für die Olympischen Spiele bekannt gibt, kann von einer Bestbesetzung keine Rede sein. Mit mehreren Vereinen wird der DFB-Trainer wohl auch noch verhandeln müssen, um sich am Ende auf 18 Namen festlegen zu können. Das hat er nun davon.

Ein wenig ist Hrubesch zum Opfer des eigenen Erfolges geworden. Sané, Weigl und Kimmich glänzten zuletzt unter seiner Regie in der U 21, nun griff Joachim Löw zu. Ganz so wie zuvor bei Emre Can, Julian Draxler und Antonio Rüdiger, die ebenfalls nach dem 1. Januar 1993 geboren sind und beim olympischen Turnier spielberechtigt wären. Doch die EM geht vor.

„Die Absprache mit Joachim Löw ist ganz klar, die EM hat Priorität. Es gibt da überhaupt keine Probleme“, betont Hrubesch. Schwieriger gestaltet sich der Dialog mit den Vereinen. Immerhin gibt es von Hertha BSC positive Zeichen. Denn obwohl die Berliner zeitgleich in der Qualifikation zur Europa League antreten, ist Coach Pal Dardai offenbar dazu bereit, Niklas Stark und Mitchell Weiser für Rio freizugeben. „Es gibt nur einmal im Leben die Chance auf Olympia, das will ich unseren Spielern nicht nehmen“, wurde Dardai in der Bild-Zeitung zitiert. Für das Entgegenkommen fordert der 40-Jährige für seine Schützlinge allerdings Spielpraxis in Rio. Dagegen hat Mönchengladbach angesichts der anstehenden Play-offs zur Champions League bereits entschieden: Mittelfeld-Juwel Mo Dahoud erhält keine Freigabe.

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Vereinbart haben der Deutsche Fußball-Bund und die Vereine, dass maximal zwei Spieler pro Klub abgestellt werden. Betroffen ist unter anderem der 1. FC Köln, der drei Kandidaten hat: Timo Horn, Dominique Heintz und Leonardo Bittencourt. Von Schalke 04 stehen mit Johannes Geis, Max Meyer und Leon Goretzka ebenfalls drei auf der Liste der möglichen Rio-Reiser.

Zudem darf Hrubesch drei ältere Spieler mitnehmen, Überraschungen wie Miroslav Klose oder gar Philipp Lahm soll es jedoch nicht geben. Vielmehr werden jene drei Plätze an Spieler vergeben, die vor einem Jahr bei der U 21-EM das Rio-Ticket holten, nun aber zu alt sind. Einen Platz im nur 18-köpfigen Kader sicher haben dürften neben Torhüter Horn auch der Strehlaer Maximilian Arnold, Niklas Süle sowie im Angriff Davie Selke von RB Leipzig und Timo Werner. Und dann ist da noch Julian Brandt. Als einziger des Youngster-Quartetts in Löws vorläufigem EM-Kader schaffte es der Torjäger nicht nach Frankreich. Olympia wäre für ihn aber mehr als nur ein Trostpreis: „Ich habe Bock auf Rio, so wie der Rest der Mannschaft auch“, erklärte Brandt schon vor Löws Entscheidung. (sid)