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Das Parkhotel hat neue Mieter

Im Erdgeschoss setzt Eigentümer Jens Hewald verstärkt auf das Thema Hochzeit. Und es gibt noch mehr Neuigkeiten.

Von Daniel Krüger

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Legendär ist es, das 1905 erbaute Dresdner Parkhotel. Noch immer kann hier die Atmosphäre vergangener Zeiten geatmet werden. Zeiten, in denen Stars und Sternchen verruchte Partys feierten, und Zeiten, in denen Kakadu Bar, Blauer Salon und Ballsaal selbst Sterne am eher grauen, wolkenverhangenen Himmel der DDR-Musikszene waren. Obwohl: Gut gefeiert wird hier noch immer. Quasi jedes Wochenende wird in den ehrwürdigen Räumlichkeiten etwas geboten. Hier steigen Mottopartys, Fakultäten der TU mieten sich ein, Paare heiraten.

Eigentümer Jens Hewald im alten Hotelzimmer des Obergeschosses im Südflügel. Foto: Rene Meinig
Eigentümer Jens Hewald im alten Hotelzimmer des Obergeschosses im Südflügel. Foto: Rene Meinig

Besonders die Hochzeiten erfreuen sich steigender Beliebtheit, stellt Jens Hewald, der stadtbekannte Berliner Eigentümer des Parkhotels fest. Wurden 2017 noch fünf Hochzeitsfeiern im Ballsaal ausgetragen, feierten dieses Jahr schon acht Paare hier. Da passt es gut, dass jetzt zum Jahresende zwei neue Läden im Erdgeschoss eröffnen, denen das Thema nicht fremd ist. An der Ecke zum Westflügel, wo Wolle Förster Ende Mai dieses Jahres seine Sushi und Wein-Filiale schloss, produzieren Maria Schöller von Fräulein Lecker und Ivonne Günther von I love Cake demnächst allerlei süßes Gebäck – und Hochzeitstorten. Nach der Tortenauswahl kann dann nebenan in der neuen Boutique Blush und Bleu ein Brautkleid ausgesucht werden. Am 1. Dezember feiern beide Geschäfte große Eröffnung. Auch Elisabeth Glaß ist dabei. Ihr Friseurladen ist seit mittlerweile 15 Jahren eine Konstante im Parkhotel.

Dass die Mieter gut zusammenarbeiten, liegt Hewald besonders am Herzen. „Ich wollte hier keinen Einzelhandel, obwohl viele Ketten angefragt haben.“ Dem 46-jährigen Unternehmer ist es wichtig, dass das Gesamtkonzept schlüssig ist. Die ursprüngliche Idee eines großen Restaurants nach historischem Vorbild ist damit vom Tisch. Stattdessen sucht Hewald weiter nach Interessenten für ein Café neben der Brautmodenboutique. Von hier aus soll dann eine Treppe auf die Dachterrasse führen. Dort wurden die Säulen neu verputzt, auch ein Geländer folgt bald. Überall wuseln zurzeit Arbeiter im Obergeschoss des Parkhotels herum. Hewald, der mit seiner Frau an zwei Tagen pro Woche von Berlin nach Dresden kommt, hatte hier mit allerlei Problemen zu kämpfen. Weil die Dachterrasse viermal überbaut gewesen war, mussten Arbeiter erst Testbohrungen vornehmen. Dabei regnete es plötzlich im Brautmodenladen herein, ein Wasserdurchbruch. Auch der Dachstuhl bereitet Hewald Sorgen: „Die Statik war an vielen Stellen nicht mehr gegeben. Deshalb mussten wir alles provisorisch mit Stahlträgern stützen.“

Obwohl schon damals absehbar war, dass die Sanierung aufwendig und teuer wird, hat sich Hewald 2016 bewusst auf das Projekt eingelassen. „Mein ehemaliger Investor bei Zanox hat nach dem Verkauf eine völlig baufällige Ruine in Jena wiederhergerichtet. Das hat mich inspiriert.“ Außerdem habe er eine Vorliebe für historische Gebäude. Dass sich bei dem lässig wirkenden 46-Jährigen, der auch in IT-Startups investiert, Gründergeist und Erhaltungswille treffen, zeigt sich in allen Entscheidungen. So kann sich Hewald auch gut vorstellen, das gewünschte Café mit einem Mietbüro für Freiberufler zu verbinden. „Das ist einfach ein schönes Arbeitsambiente“, betont er. Die alten Türen der Hotelzimmer sollen dabei unbedingt bleiben. Das mache schließlich den Charme aus.

Während des laufenden Betriebs über mehrere Jahre zu sanieren, sei aber schon eine Herausforderung, gibt Hewald zu. „Da muss auch schon mal der Friseursalon einen Tag dichtmachen, weil oben gebohrt wird.“ Das Wichtigste: Kontakt halten. Mit den Maurern am Handy, dem Heizungsbauer, den Hewald zufällig im Ballsaal trifft, und natürlich seinem wichtigsten Mann, Bauleiter Roman Kube. Der steht in traditioneller Zimmermannsmontur entschlossen vor dem Baugerüst: „Wir kommen voran. Man sieht's von außen nicht gleich, aber es passiert was.“ Fünf bis sechs Monate sind für den Umbau des Südflügels des Parkhotels noch geplant. Dann folgt der Ostflügel.