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Das perfekte Implantat

Zahntechnikermeister Michael Menzel aus Görlitz bringt ein Produkt auf den Markt, für das er bereits einen Preis erhielt.

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© nikolaischmidt.de

Von Nadine Franke

Füllungen oder Kronen – in der Zahnmedizin wird für den Patienten alles individuell angefertigt. Nur nicht Implantate. Sie kommen standardisiert in den Mund. Das will Michael Menzel ändern. „Jeder Patient hat eine individuelle Anatomie, das sollte ein Implantat abdecken.“

Dafür hat der Görlitzer Zahntechnikermeister getüftelt und zwar mit Erfolg. Für gewöhnlich werden die zweiteilige Implantate verwendet, doch Menzel hat mit seinem Entwicklerkollegen Henning Rörub ein einteiliges Implantat entwickelt, das in Zahnfleisch und Knochen eingesetzt wird. Die genaue Anpassung auf den Patienten gelingt durch eine dreidimensionale Analyse des Kiefers und Kopfes. Der Zahntechnikermeister entwickelt schon seit 17 Jahren solche zahnmedizinischen Neuheiten. Im Jahr 2009 gründete er die eigene Firma Indi Implant Systems GmbH in Görlitz.

Mittlerweile ist das Produkt fertiggestellt, jetzt wird daran gearbeitet, es weltweit in der alltäglichen Zahnmedizin zu etablieren. Der erste Schritt war dabei 2008 die Anmeldung des Patents, um die eigene Erfindung zu schützen. „Das war gar nicht so einfach“, sagt Menzel, „Das erste Patent gab es in Deutschland. Aber erst vor Kurzem wurde uns ein Patent in Indien erteilt.“ Mittlerweile hat sich Menzel seine Entwicklung in über 50 Ländern weltweit patentieren lassen.

Von den Ländern, in denen der Patentantrag gestellt wurde, fehlt nur noch Brasilien. Dort muss das Patent noch erteilt werden. Doch der Zahntechnikermeister ist guter Dinge, dass auch das nicht mehr lange dauern wird.

Denn mittlerweile ist sein fünfköpfiges Team dabei, den erstellten Businessplan umzusetzen. Darin wurde festgelegt, wie sich das Produkt in den nächsten vier Jahren entwickeln soll. „Es muss ein Netzwerk aufgebaut werden, um einen weltweiten Vertrieb zu ermöglichen“, sagt Menzel.

Schon seit Jahren arbeitet er mit der Görlitzer Diplomstomatologin Sabine Thiele zusammen. Gemeinsam haben sie die Implantate an hundert Pilotpatienten getestet und weiterentwickelt. Das Produkt spricht in den Augen der Medizinerin für sich, denn es ermöglicht eine präzisere Arbeit, bei der keine Abweichungen mehr möglich sind. „Das Implantat richtet sich nach dem Patienten und nicht mehr andersrum“, erklärt sie. Sie bietet die Behandlung mit den standardisierten Implantaten gar nicht mehr an. Von ihren Patienten erhielt sie bislang positive Reaktionen, wie Sabine Thiele sagt.

Nächstes Ziel ist , die Reichweite zu vergrößern. „Auf Dresden und Cottbus zunächst“, sagt Michael Menzel. Erst soll im Lausitzer Dreieck fußgefasst werden. Danach wird der Vertrieb stufenweise ausgeweitet, zuerst auf den deutschsprachigen Raum, danach auch international. „Dafür müssen wir ein Netzwerk aufbauen und Partner gewinnen.“

Sein Konzept für dieses Vorhaben klingt vielversprechend und schafft neue Arbeitsplätze. So schienen es zumindest die Juroren des Lausitzer Existenzgründerwettbewerbs (Lex) im November in Cottbus einzuschätzen. Menzel wurde dort der zweite Platz mit einer Urkunde und 2 500 Euro verliehen. Der Preis wird von der Wirtschaftsinitiative Lausitz seit 13 Jahren verliehen. Für 2017 ist der 23. März der Starttermin für die Anmeldung.

Michael Menzel konnte gemeinsam mit Martin Wagner, der für seine Sächsische Spirituosenmanufaktur bei Kirschau den ersten Platz und 4 000 Euro erhielt, und Benjamin Andriske, dem der dritte Platz und 1 500 Euro verliehen wurden, überzeugen.

Seit Michael Menzel den Preis erhielt, widmet er sich motiviert der Umsetzung seiner Vorhaben. „Die Auszeichnung war ein großer Ansporn. Jetzt müssen die Implantate aber noch auf dem Markt angenommen werden.“ Dabei ist das Problem nicht der Kostenpunkt, denn dieser unterscheidet sich von den herkömmlichen Implantaten nicht. „Die Implantologen müssen sich erst einmal herantrauen“, erklärt Menzel. Denn mit der 3-D-Technik für die Modellerstellung und den chirurgischen Eingriff arbeitet noch nicht jeder. Für viele wäre es eine neue Technik. Da muss Menzel noch Überzeugungsarbeit leisten.