merken

Das Rad des Lebens

Es ist höchste Zeit, auf den Kornhausboden der Burg Mildenstein zu steigen. Dort kann sich jeder selbst begegnen.

© Dietmar Thomas

Von Heike Heisig

Leisnig. Werden und Vergehen – das hat für die Christen zu Ostern eine besondere Bedeutung. Beides gehört zum Lebenskreislauf. Der steht jetzt auf Burg Mildenstein in der Sonderausstellung „Jegliches hat seine Zeit ...“ im Mittelpunkt. Die ist am Donnerstagabend auf recht außergewöhnliche Art und Weise eröffnet worden. Im Rittersaal unterm Kornhausboden bringt Theaterkünstler Jan Deicke das Rad des Lebens zunächst mit Liedern und Geschichten in Schwung. Dabei ist an den Gesichtern einiger Gäste abzulesen, dass deren Zeit für Märchen längst vorbei ist. Sie drängt es in die Ausstellung.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Diese reißt alle Stationen des Lebens an: Geburt und Taufe, Schulanfang, Jugendweihe und Konfirmation über die Hochzeit und das Kinderkriegen bis hin zu hohen Ehejubiläen und schließlich den Tod. Immer wieder wird auf Rituale eingegangen, die Sicherheit und Vertrauen in Situationen der Veränderung geben, wie Museologin Wiebke Glöckner in ihrer Einführung erklärt. Manches ist wie die Zuckertüte schon über Jahrzehnte eine schöne Tradition, anderes wie vielleicht das Patenband eher in Vergessenheit geraten. Doch irgendwo wird wohl jeder Besucher etwas finden, das er selbst kennt oder schon einmal gesehen hat: Ranzen, Schiefertafeln, ein Tauf- oder ein Hochzeitskleid. Dass Letzteres nicht immer weiß war, erfahren die Besucher ebenso wie sich Traditionen verändert haben. „Früher stand die Hochzeit für einen neuen Lebensabschnitt, die Gründung von eigenem Hausstand und Familie“, sagt Wiebke Glöckner. Indes ändere sich mit der Ehe für Paare heutzutage nur noch wenig. Die Hochzeit sei häufig „nur“ noch eine romantische Vergewisserung der Liebe. Ein ähnlicher Wandel sei bei der Trauerkultur zu beobachten.

Bei der Ausstellung erfahren die Besucher nicht nur durch Exponate und Schaufeln etwas. Interaktiv können sie sich „erdrücken“, welche Hochzeitsrituale, wofür gut sein sollen. Ein Schreibpult lädt zum Schönschreiben ein. Und am Ende werden die Gäste gefragt: Gibt es den Himmel tatsächlich, und wie stellen sie sich den Himmel vor? Die Antworten können an ein Birkenbäumchen geheftet werden, einige davon machen Mut: „Es wird ruhig, befreit und schön ...“, heißt es auf einem Zettel.

Klara (6) findet das Bäumchen gut. Schnell flitzt sie zu einem ihrer Lieblingsexponate: der Zuckertüte eines Schulfreundes, auf der alle Spieler des FC Erzgebirge Aue unterschrieben haben. „Meine Mutti hat die Ausstellung mitgestaltet“, erzählt sie. Als das Mädchen aufgefordert wird, zu würfeln, zögert es nicht. Anstelle von Zahlen sind Schlagwörter des Lebens zu lesen. Bei Klara steht das Wort Liebe obendrauf. „Da findet man den Partner für Leben“, sagt sie nach kurzem Überlegen.