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„Das Risiko hat sich gelohnt“

Gerhard Ehninger hat das Montags-Konzert auf dem Neumarkt organisiert und ist zufrieden. Der Erfolg hat aber einiges gekostet.

© momentphoto.de/bonss

Gerhard Ehninger ist eigentlich Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I im Uniklinikum. In den vergangenen drei Wochen ist er zum Konzertorganisator geworden. Am Montag feierte er mit Zehntausenden Dresdnern beim Konzert „Offen und bunt – Dresden für alle“.

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Herr Ehninger, mit dem Konzert wollten Sie andere Bilder von Dresden in die Welt schicken. Hat sich der Wunsch erfüllt?

Absolut. Bereits während des Konzertes haben wir Nachrichten von Kollegen aus Deutschland, Frankreich, England und den USA bekommen, die begeistert waren. Die Bilder haben überzeugt. Viele Menschen außerhalb Dresdens haben den Livestream gesehen und kommentiert. Das Konzert wird als überzeugend, authentisch und mit der nötigen Herzlichkeit eingeschätzt. Das haben wir auch von den Künstlern erfahren. Die haben sich bedankt und waren glücklich, dass sie sich beteiligen konnten. Die Solidarität war beeindruckend. Das hat auch die Skeptiker überzeugt.

Was war für Sie der schönste Augenblick des Abends?

Dass wir so tolle Leute auf dem Neumarkt gesehen haben, die fröhlich und offen zusammengekommen sind und die im strömenden Regen ausgehalten haben. Die 25 000 waren beim Schlussbild begeistert. Genau das wollten wir erreichen. Wir wollten das Konzert nicht gegen etwas, sondern für etwas. Wir wollten für Dresden etwas erreichen.

Haben Sie vor oder nach dem Konzert auch negative Reaktionen erhalten?

Ich habe mich auf sehr unterschiedliche Reaktionen vorbereitet, deswegen hatte ich auch die deutsche Fahne dabei, seit 1848 ein Symbol für Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit. Denen, die die Fahne schwenken, wollte ich sagen, missbraucht die Flagge nicht. Wir haben uns vorher natürlich auch angesehen, was bei Facebook passiert. Ein Mitarbeiter hat sich mit den Kommentaren zum Konzert beschäftigt. Der sagte dann, dass er eine Schmutzzulage fordern würde, wenn er nicht ehrenamtlich wäre. Es gibt dort viele Hasstiraden, auch wegen der Finanzierung. Da frage ich mich, was soll das?

Immerhin musste der Verein „Dresden – Place to be“ für das Konzert einen Kredit über 150 000 Euro aufnehmen, für den mehrere Mitglieder persönlich haften, darunter auch Sie selbst. Ist Ihnen das schwergefallen?

Das ist richtig. Für den Kredit bürgen verschiedene Mitglieder des Vereines. Wir haben uns das Risiko geteilt. Schwergefallen ist uns das nicht. Wenn man für Dresden und Sachsen etwas tun will, dann muss man so etwas wagen. Das Konzert war für die Seele der Dresdner gut und für die Menschen, die hier leben. Viele Leute sind enttäuscht von den Bildern der vergangenen Wochen. Ich kenne Leute, die schon die Koffer packen und weggehen wollen. Für die haben sich der viele Aufwand und das Risiko gelohnt.

Trotzdem hoffen Sie und die Vereinsmitglieder auf Spenden für das Konzert. Wie viel ist denn schon zusammengekommen?

Alles in allem hat uns das Konzert wohl 200 000 Euro gekostet. Am Ende ist es doch mehr geworden. Die Künstler bekommen keine Gage, wir übernehmen die Kosten für die Reise, Unterkunft und Verpflegung. Die endgültige Abrechnung haben wir noch nicht. Das Spendenaufkommen ist aktuell bei 25 000 Euro. Ich bitte alle, die gestern vom Konzert angeregt worden sind, die zufrieden waren und glücklich geworden sind, dass sie sich wenn möglich mit einer Spende beteiligen.

Unabhängig von den Spenden klingt ihre Bilanz vom Konzert positiv. Haben Sie jetzt Hoffnung, dass sich die Stimmung in Dresden dreht? Dass die Dresdner künftig genauso bunte, offene Bilder und Signale senden, wie die vom Konzert?

Ob man mit einem solchen Konzert in die Herzen und Köpfe der Menschen kommt, ist eine schwere Frage. Sicher sind wir angeregt durch das Konzert, die Bilder und von den Menschen, die dort ein Statement abgegeben haben. Da waren beeindruckende und berührende Beiträge dabei. Wenn die nicht ins Herz und in den Kopf gehen, dann wäre das sehr hartleibig. Trotzdem muss es weitergehen. Wir Organisatoren stimmen uns jetzt im großen Bündnis ab, wie das gehen soll. Wir müssen Kommunikation, Austausch und Kunst verbinden, Brücken bauen und diese auch begehen. Dass das in Dresden manchmal schwer ist, weiß ich. Auf jeden Fall treffen wir uns am kommenden Montag auf dem Postplatz zum Neujahrsputz.

Das Gespräch führte Annechristin Bonß.

Informationen zum Verein und zum Spendenaufruf unter www.dresden-place-to-be.de

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