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Das Röhren-Lager von Röhrsdorf

700 Stahlkolosse kündigen den Bau einer weiteren Erdgasleitung in Sachsen an. Sie heißt Eugal und führt von der Ostsee bis zur tschechischen Grenze.

© Andreas Weihs

Von Udo Lemke

Der große blaue Autokran hebt die schwarze Stahlröhre von der Ladefläche des Lkws. Zwei Arbeiter ziehen an Seilen, die an jedem Ende des Rohres angebracht sind, damit es nicht zu schwingen anfängt. Dann schwebt das imposante Teil durch die Luft und wird auf einem bereits angefangenen Stapel abgesetzt. Ort des Geschehens ist der Ortsrand von Röhrsdorf unweit von Dresden. Hier entsteht gerade einer der Rohrlagerplätze für die Erdgasleitung Eugal. Mitte der Woche werden die letzten Stahlröhren, die für diesen Platz vorgesehen sind, abgeladen, erklärt George Wüstner, Sprecher des zuständigen Unternehmens Gascade Gastransport GmbH mit Sitz in Kassel.

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Von Mülheim an der Ruhr nach Röhrsdorf bei Dresden: Für den Bau der neuen Erdgasleitung rollen Lkws mit schwerer Ladung zum Zwischenlager. Ende August könnten die Arbeiten dann losgehen. Fotos: Andreas Weihs
Von Mülheim an der Ruhr nach Röhrsdorf bei Dresden: Für den Bau der neuen Erdgasleitung rollen Lkws mit schwerer Ladung zum Zwischenlager. Ende August könnten die Arbeiten dann losgehen. Fotos: Andreas Weihs © Andreas Weihs

„Insgesamt rund 700 Rohre werden hier gelagert“, so der Sprecher. Die nächstgelegenen Rohrdepots befinden sich nördlich bei Großdobritz, der nächste südliche Lagerplatz bei Niederschöna. Insgesamt werden 47 000 Rohre für die gesamte Erdgastrasse von Lubmin bei Greifswald an der Ostsee bis nach Deutschneudorf in Sachsen an der tschechischen Grenze benötigt. Die Eugal-Leitung hat eine Gesamtlänge von rund 480 Kilometern und soll meist parallel zur Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung (Opal) verlegt werden, die Gascade bereits 2011 fertiggestellt hat.

Eugal, das steht für Europäische Gas-Anbindungsleitung. Sie soll russisches Erdgas „flexibel in alle Richtungen Europas transportieren – innerhalb Deutschlands, nach West- und Südosteuropa“, teilt Gascade mit. Angeliefert werden die Rohre – jedes ist 18 Meter lang, hat einen Durchmesser von 1,40 Metern und ist 15 Tonnen schwer – von Lkws mit dreiachsigem Auflieger. Für die Produktion zeichnet die Firma Europipe in Mülheim an der Ruhr verantwortlich. Von dort werden sie mit dem Zug zu Bahnhöfen nach Freiberg und Elsterwerda transportiert und dann per Lkw auf die Lagerplätze verteilt. „Die Rohrauslieferung in Sachsen soll bis Ende August abgeschlossen sein“, heißt es vonseiten Gascades. „Um jedes dieser Rohre zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu haben, ist ein enormer logistischer Aufwand notwendig.“ Deshalb habe man den rechtzeitigen Transport bereits Ende Mai in Sachsen gestartet, so George Wüstner. Dass sich die Depots dort befinden, wo sie jetzt sind, folgt der Annahme, dass die von Gascade geplanten Trassenverläufe seitens der zuständigen Landesdirektion Sachsen bewilligt werden. Das ist allerdings noch nicht ausgemacht. Denn: „Es ist noch nicht absehbar, wann das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen ist“, erklärt Sprecher Gunter Gerick von der zuständigen Landesdirektion Sachsen. Man müsse noch die vorgebrachten Einwände gegen den Trassenverlauf prüfen.

Einer dieser Einwände stammt von der Gemeinde Klipphausen, in deren Ortsteil Röhrsdorf gerade das Rohrlager entsteht. Denn sie sieht die Erweiterung ihres erfolgreichen Gewerbegebietes an der A 4 in Gefahr. Im Januar 2017 lehnte der Gemeinderat den geplanten Trassenverlauf einstimmig ab. Das Problem: Wenn, wie vorgesehen, die Eugal-Leitung direkt neben der schon bestehenden Opal-Leitung verlegt wird, entsteht ein rund 35 Meter breiter Streifen, der nicht überbaut werden darf und damit auch nicht für ein Gewerbegebiet nutzbar ist. Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann hat wenig Hoffnung, dass die Landesdirektion auf die Einwände der Gemeinde eingeht. Die beiden von Gascade vorgelegten Alternativtrassen – sie sind 4,9 Kilometer beziehungsweise 9,3 Kilometer länger – sieht er als „Hobby-Trassen“ an, die nur deshalb auf dem Papier stehen, um der Form zu genügen.

„Wir hoffen, dass das Planfeststellungsverfahren im Laufe des August erfolgreich abgeschlossen wird“, so Gascade-Sprecher George Wüstner. Dann sollen die Bauarbeiten in Sachsen starten. Fertigstellungstermin ist Ende 2019.