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Das Schlecker-Haus wird schön

Am Freitag feierten Bauherr und Bauleute Richtfest. Die vorher hässliche letzte Lücke in der Sanierung von Ost wird jetzt zügig geschlossen.

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© aT2 Architektur Tragwerk

Von Peter Redlich

Radebeul. Bauherr Gerhard Rentsch musste sich mit einem Beil in der Hand mächtig ins Zeug legen, um den obligatorischen letzten Nagel ins Gebälk zu schlagen. Am Freitagnachmittag war Richtfest am Schlecker-Haus, wie hier in Radebeul-Ost alle noch immer das Gebäude an der Ecke Hauptstraße, Sidonienstraße nennen. Die Filiale der Pleite gegangenen Drogeriekette war eben viele Jahre im Erdgeschoss des Hauses.

Zimmermann und Bauherr: Am Freitag war Richtfest am ehemaligen Schleckerhaus.
Zimmermann und Bauherr: Am Freitag war Richtfest am ehemaligen Schleckerhaus. © Anne Hübschmann

Von blauer Schlecker-Schrift ist hier nichts mehr zu sehen. Das letzte hässliche Gebäude im ringsum sanierten Umfeld wird jetzt richtig schön. Vieles, wovon der Bauherr noch vor Monaten lediglich sprach, ist jetzt deutlich zu erkennen. Etwa das neue Treppenhaus, welches die Lücke zwischen dem historischen Gebäude und der Nachbarreihe nun schließt.

Mitten im Treppenhaus wird der Fahrstuhl eingebaut. Bauherr Rentsch: „Wir wollen alles barrierefrei herrichten. Nicht nur aus dem Fahrstuhl in die Wohnung, auch dort – etwa in den Bädern.“

Die Pläne für das neu konzipierte Gebäude entstanden im Radebeuler Architekturbüro aT2 Architektur Tragwerk. Auch mit der Baubetreuung sind die Radebeuler Frank Mehnert und Dirk Georgi mit ihrem Büro beauftragt.

Die Pläne, eben mit dem Schließen der Lücke zwischen den beiden bisherigen Brandmauern und einem völlig neuen Konzept im Inneren des bestehenden Hauses sind jetzt – was das Mauerwerk und die Dachkonstruktion betrifft – umgesetzt. Der Anbau im Hof hat ein Betongerüst und wird ansonsten im modernen Kontrast aus Stahl und Glas verkleidet. Damit konnte das bisher innenliegende Treppenhaus im Altbau ausgeräumt werden. Im Hauptgebäude samt Lückenschluss wird Platz für Wohnungen. Sieben bis neun sollen entstehen – zu Größen um die 70 Quadratmeter. Im Erdgeschoss haben Bauherr und Architekten zwei Läden vorgesehen. Im ersten Obergeschoss könnte eine Praxis einziehen. In den Geschossen darüber soll gewohnt werden.

Fußbodenheizung, Parkett, Internetanschluss werden zu jeder Wohnung gehören. Die neuen Fenster sind schon drin. Die Sandsteingewände drumherum wurden erneuert. Gerhard Rentsch sagt, dass er bereits mit Interessenten im Gespräch sei, aber noch keine Verträge abgeschlossen sind.

Der Arzt wolle das Gebäude in jedem Fall behalten, auch wenn er zwischen seinem Wohnsitz in der Schweiz und Radebeul mitunter pendeln müsse. Der Bauaufwand sei allerdings enorm. Deshalb werde er mit Kaltmieten von um die zehn Euro je Quadratmeter kalkulieren. Acht Stellplätze werden im Hof angelegt. Die Zufahrt soll mit dem Tor an der Sidonienstraße sein.

Im Bauausschuss des Stadtrates hatten die Bürgervertreter in den letzten Jahren mehrfach über das Schlecker-Haus gesprochen. Auch, weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht und die Fassade besondere Beachtung bei der Rekonstruktion finden sollte. Unbedingt erhalten bleiben solle der Eckrisalit, also der Gebäudevorsprung Richtung Kreuzung. Ebenso die traditionelle Schieferdeckung des Dachs. Holz- statt Kunststofffenster müssen eingebaut werden. Im Erdgeschoss sind Metallfenster geplant. Angekündigt wurde seitens der Stadt auch, dass es für den Bau Geld aus dem Förderprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ geben soll. Der Stadtentwicklungsausschuss hatte einem Vertrag zwischen Stadt und Eigentümer zugestimmt, der einen Zuschuss von 73 000 Euro vorsieht. Ein reichliches Viertel der Gesamtbausumme von reichlich einer Million Euro ist förderfähig.

Nächstes Frühjahr bezugsfertig

Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) hatte mehrfach betont, dass bereits eine gültige Baugenehmigung aus dem Jahr 2014 vorliegt. Vor allem auch deshalb, weil viele Bürger immer wieder nachfragten, was aus dem zuletzt ruinösen Gebäude werden soll.

Jetzt ist alles anders. Monatlich sehen die Passanten Veränderungen. In den nächsten Wochen wird der Putz innen und außen drankommen. Die Fassadenfarbe steht inzwischen fest (siehe kleines Foto). Sie wurde mit der Denkmalbehörde abgestimmt, heißt es von den Architekten.

Bauherr Rentsch lobte beim Richtfest die konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadt und kündigte an, dass das Haus Ecke Hauptstraße, Sidonienstraße im späten Frühjahr 2017 bezugsfertig sein soll.