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Das Seepferdchen reicht nicht

Experten bemängeln, dass immer weniger sächsische Kinder schwimmen können. Die Gründe findet, wer über den Beckenrand blickt.

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© C. Hübschmann

Von Marco Henkel

Immer weniger sächsische Kinder können nach Einschätzung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) schwimmen – obwohl es an den Schulen einen Schwimmunterricht gibt, meldete vor Kurzem die Nachrichtenagentur dpa und berief sich dabei auf Michael Birkner, Chef der DRK-Wasserwacht. Für Birkner hänge das vor allem mit zunehmender Unsportlichkeit zusammen. Viele Kinder seien zu dick, sagte er. Beim Schwimmabzeichen „Seepferdchen“ müssten sich Kinder nur 25 Meter weit über Wasser halten. „Das bedeutet nicht, dass derjenige auch schwimmen kann“, erklärte Birkner und kritisierte die sinkende Schwimmfähigkeit in der Bevölkerung.

Schwimmunterricht für alle

Seit dem Schuljahr 2007/08 wird der Schwimmunterricht in Sachsen flächendeckend in der zweiten Klasse, statt wie zuvor in der dritten Klasse, mit je einer Wochenstunde erteilt. „Im Rahmen des Sportunterrichtes kommt der Schwimmausbildung eine besondere Bedeutung zu. Schwimmen ist ein unverzichtbares Erfahrungsfeld im Entwicklungsprozess eines jeden Menschen“, betont Katrin Reis, Sprecherin der Sächsischen Bildungsagentur. „Zum einen soll Wassersicherheit gegenüber der Gefahr des Ertrinkens erlangt werden, zum anderen ist schwimmen gesundheitsfördernd und für die Freizeit wichtig.“ Deswegen übernimmt der Schulträger auch alle Kosten, die durch den Schwimmunterricht entstehen, wie den Transport der Kinder zum Schwimmbad, die Bezahlung der Schwimmbahnen und Eintrittsgelder. Sachsen ist das einzige Bundesland, in dem regelmäßiger Schwimmunterricht in der Grundschule vorgeschrieben ist.

Laut Katrin Reis würden die Schüler mit sehr unterschiedlichem Können in den Schwimmunterricht kommen, weswegen die Kinder in Anfänger und Fortgeschrittene eingeteilt werden. Ziel des Unterrichts ist es, dass alle Schüler eine Schwimmtechnik gut beherrschen. Nach Angaben der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) schließen rund 90 Prozent den Unterricht mit einem Seepferdchen ab. Viele Kinder könnten schon recht gut schwimmen, wenn sie in der Schule mit dem Schwimmunterricht anfangen, so Katrin Reis. Diese Kinder hätten das Schwimmen beispielsweise in privaten Schwimmkursen oder bei Angeboten während der Kindergartenzeit erlernt.

Kinder verlernen Schwimmen wieder

Karl-Heinz Gräfe ist Objektleiter im Meißner Freizeitbad Wellenspiel. Dort gibt er seit vielen Jahren Schwimmunterricht. Er kann die Einschätzungen von Katrin Reis bestätigen: „Ich beobachte, dass heute mehr Zweitklässler als Anfänger in den Schwimmunterricht kommen als früher.“ Das Wellenspiel und auch die DLRG in Meißen bieten Schwimmkurse für Kinder ab fünf Jahren an. Der Bedarf sei groß.

„Manche Eltern mogeln sogar und schicken uns schon Vierjährige. Die tun sich oft noch etwas schwer“, so Gräfe.

Doch auch wenn das Seepferdchen geschafft ist, heißt das nicht, dass ein Kind das Schwimmen perfekt beherrscht. Der Satz „Das ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht“ scheint beim Schwimmen nicht zu gelten. „Viele Kinder, die in der Vorschule oder im Kindergarten schwimmen gelernt haben, verlernen es wieder, weil die Eltern danach nicht mehr mit ihnen üben“, stellt Gräfe fest. Ein Seepferdchen bedeute nur, dass das Kind mit Wasser vertraut ist, aber nicht, dass es schwimmen kann, sagt auch der Sprecher der DLRG in Sachsen Christian Althaler.

Nicht nur bei den Kindern stellen Experten übrigens Defizite beim Schwimmen fest. „Das sind nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene“, so DLRG-Sprecher Althaler. Gerade unter den über 50-Jährigen gebe es immer mehr Nichtschwimmer. (mit dpa)