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„Das sind Nazi-Methoden“

Die Antifa will in dem Thüringer Dorf demonstrieren, in dem der AfD-Politiker Björn Höcke lebt. Da ist selbst der linke Ministerpräsident dagegen.

© dpa

Von Eike Kellermann

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AfD-Chef Björn Höcke machte die geplante Antifa-Demonstration in seinem Wohnort Bornhagen selbst öffentlich. Beim AfD-Landesparteitag vor einer Woche beklagte er, dass damit seine Privatsphäre „angegriffen und zersetzt“ werde. Der 44-jährige Politiker, der durch aggressive Auftritte und Lob für Pegida als Rechtsaußen gilt, fühlt sich zwar gern als Opfer, etwa der Medien. Aber in diesem Fall zu Recht. Das meint auch ein prominenter Politiker der Linkspartei.

Nachdem die für den Himmelfahrtstag angemeldete Antifa-Demo bekannt geworden war, twitterte nämlich der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow: „Das gehört sich nicht! Das sind Nazi-Methoden. Warum begeben sich diese Leute auf das Niveau von Rassisten?“ Von der heftigen Kritik anderer Twitterer ließ sich Ramelow nicht beirren und schob nach: „Vor Privathäusern von Politikern zu demonstrieren geht gar nicht. Egal von wem + gegen wen! Zweck heiligt nicht die Mittel!“

Ein klares Bekenntnis des Ministerpräsidenten, der aus eigener Erfahrung Bedrohungen kennt. So wurde seine Ehefrau, kurz bevor er im Dezember 2014 zum Regierungschef gewählt wurde, am Telefon regelrecht terrorisiert. Möglicherweise dachte der Thüringer Ministerpräsident auch an den Bürgermeister von Tröglitz (Sachsen-Anhalt), der sein Amt aufgab, als Rechtsextreme vor seinem Haus demonstrieren wollten. Der Bürgermeister hatte sich für die Unterbringung von Flüchtlingen eingesetzt.

Der Demo-Aufruf Nun hat die AfD im Allgemeinen und Höcke im Besonderen zwar meist andere Ziele. Das macht sie aber nicht zu Freiwild. So ungefähr sehen sie jedoch die der Linksextremisten etwa der „Antideutschen Aktion Berlin“, die am 5. Mai in Bornhagen, einer 300-Seelen-Gemeinde im ehemaligen DDR-Grenzgebiet, Radau machen wollen, . Ihr Demo-Aufruf lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. „Bornhagen ist ein Nest im thüringischen Eichsfeld“, heißt es darin. Dort wohne Björn Höcke, „die wohl unangenehmste Gestalt“ der AfD-Führungsriege. Bornhagen stehe beispielhaft „für die Dutzenden Käffer, in denen die Alternative Futterneid, Enthemmung und Wutbürgertum heißt“. Schließlich die Aufforderung: „Vermiesen wir dem Thüringer AfD-Häuptling und seinem Wahlvolk durch unsere bloße Anwesenheit ihr Himmelfahrtsvergnügen und sagen: Go straight to Hell!“

Dieses „Fahr-zur-Hölle“ sorgt bei Bornhagens Bürgermeister für Entsetzen. „Das finden wir echt eine Schweinerei“, sagt Mario-Paul Apel (parteilos) über die Antifa-Aktion. „Nicht mal von den Kommunisten haben wir uns zu DDR-Zeiten vorschreiben lassen, was wir an Himmelfahrt machen.“ Wie jedes Jahr will die Gemeinde an ihrem Wahrzeichen, der Burg Hanstein, ein Volksfest veranstalten. Dazu sollen auch die Flüchtlinge eingeladen werden, die in der alten Grenzkaserne leben. Um die 100 sind es, viele für den kleinen Ort, vor allem Familien mit Kindern. mit Kindern. „Wir kommen gut miteinander aus“, sagt der Bürgermeister. Bisher habe es nie Probleme gegeben.

Umso mehr empört ihn, auf einer Antifa-Internetseite ein Bild zu sehen, auf dem Höckes Wohnhaus mit einem Kreis markiert ist. Der vor ein paar Jahren zugezogene AfD-Politiker hat selbst vier Kinder. Dass die Demonstranten in die Nähe seines Hauses kommen, gilt jedoch als ausgeschlossen. Das zuständige Landratsamt hat zwar noch nicht über die Auflagen für die Antifa-Leute entschieden. Bürgermeister Apel hofft aber, dass die „nur am Sportplatz ihre Runden drehen dürfen“. Der liegt am Ortsrand, weit weg vom Himmelfahrtsfest und dem Wohnhaus von Björn Höcke. (dpa)