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„Das Spiel gegen Dynamo war besonders“

Bayern-Präsident Uli Hoeneß erklärt, warum für ihn Dresden der nächste ostdeutsche Bundesliga-Standort ist.

© imago sportfotodienst

Als die Fotografen ihn vor die Tribüne des Rudolf-Harbig-Stadions stellen wollen, wehrt sich Uli Hoeneß nur kurz: „Ich vor der gelben Wand und das wenige Tage vor dem Dortmund-Spiel – das passt ja“, sagt der Präsident des FC Bayern, der Gast eines Wirtschaftforums in Dresden ist. Am Rande der Veranstaltung spricht der 66-Jährige im SZ-Interview über Münchner Ergebniskrisen, die Nöte des Ostfußballs und die Vorzüge von Dynamo.

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Foto: Robert Michael
Foto: Robert Michael © Robert Michael

Herr Hoeneß, der FC Bayern hat am Mittwoch AEK Athen 2:0 geschlagen. Läuft wenigstens in der Champions League alles nach Plan?

Dort sind wir mit den Ergebnissen und den zehn Punkten nach vier Spielen zufrieden. Aber wir müssen zugeben, dass wir momentan nicht so spielen, wie wir uns das vorstellen. Man merkt, dass die starke Kritik bei den Spielern Eindruck macht, ihnen fehlt ein bisschen das Selbstvertrauen.

Am Samstag kommt es zum Gipfeltreffen in Dortmund. Die Rollenverteilung war in den vergangenen Jahren immer die gleiche. Diesmal auch?

Nein, Dortmund ist der Tabellenführer und spielt ohne wenn und aber eine sehr, sehr gute Saison. Wir haben das nur bis zum sechsten Spieltag geschafft. Deshalb fahren wir als Herausforderer nach Dortmund und nicht als Favorit. Und in dieser Rolle fühlen wir uns sehr wohl.

Warum läuft es seit Wochen so zäh?

Wir versuchen das zu analysieren, es gibt gewisse Ansätze.

Der Schuldige ist meist der Trainer.

Nur für die Medien.

Für Sie nicht?

Nein.

Das heißt, Niko Kovac sitzt weiter fest auf seinem Stuhl?

Absolut. Wir haben ihn nie infrage gestellt, müssen uns aber zunehmend diesen Fragen erwehren, die ich im Moment absolut nicht verstehe.

Gewöhnen Sie sich schon an den Gedanken, dass der FC Bayern am Ende der Saison ohne Titel dastehen könnte?

Nach dem zehnten Spieltag gewöhne ich mich an gar nichts. Wir lassen uns gerne nach dem 34. Spieltag beurteilen.

Alle sprechen vom Zweikampf Dortmund gegen München. Könnte RB Leipzig mittelfristig da eingreifen?

Das ist ein sehr guter Verein geworden, der ein anderes Konzept hat als wir. Es wird sehr darauf ankommen, ob Herr Mateschitz (Red-Bull-Chef/Anm.d. A.) weiterhin Geld zur Verfügung stellt. Sonst wird es schwer. Es hat sich in der vergangenen Saison gezeigt, dass man nur mit jungen Spielern nicht auf drei Hochzeiten tanzen kann. Wenn RB nicht irgendwann bereit ist, große Investitionen zu tätigen, wird es schwer, national und international eine große Rolle zu spielen.

Einem anderen sächsischen Verein half der FC Bayern im Sommer 2015 mit einem Benefizspiel. War der Auftritt in Dresden eine Aufbauhilfe Ost?

Wir machen das jedes Jahr für einen Verein in Not. Das Spiel gegen Dynamo war deshalb so besonders, weil die Fans bereit waren, einen üppigen Eintritt zu zahlen. Sie haben die Notwendigkeit gesehen, den Verein beim Entschulden zu helfen.

Warum war das so wichtig?

Dynamos Sportdirektor Ralf Minge hatte mich vor diesem Spiel gefragt, was eigentlich das Erfolgsgeheimnis des FC Bayern ist. Meine Antwort war: Das Erste, was ich als Manager versucht habe, war, den Verein schuldenfrei zu machen. Man redet besser mit der Festgeldabteilung einer Bank als mit der Kreditabteilung.

2015 war Dynamo ein verschuldeter Drittligist, heute ist es ein finanziell gesunder und sportlich ambitionierter Zweitligist. Macht es sie stolz, bei dieser Entwicklung mitgeholfen zu haben?

Besonders stolz macht es mich, weil die Verantwortlichen hier in Dresden dankbar sind. Ähnliches haben wir in St. Pauli erlebt, wo wir früher nicht besonders beliebt waren und wo es dann diese legendären Retter-T-Shirts gab.

Zuletzt musste der Chemnitzer FC Insolvenz anmelden, Rot-Weiß Erfurt ist pleite. Braucht der Fußball-Osten Nachhilfe beim Management?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Das Prinzip der freien Marktwirtschaft, nicht mehr auszugeben, als man einnimmt, musste man erst lernen. Deshalb bin ich überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es auch hier prima funktioniert.

Wie lange braucht der Fußball-Osten noch, Leipzig ausgenommen, bis er auf Augenhöhe spielt?

Ich werde immer gefragt, ob ich als Manager des VfL Bochum einfach das Konzept des FC Bayern übernehmen würde. Das geht natürlich nicht. Man muss erst eine Analyse machen: Was können wir uns leisten, welche Möglichkeiten haben wir? Dann ein Konzept entwickeln und dieses konsequent umsetzen. Vor allem darf man bei Rückschlägen nicht gleich umfallen.

Wem trauen Sie am ehesten den Sprung in die Bundesliga zu?

Hier in Dresden gibt es gute Voraussetzungen: eine Infrastruktur mit dem Stadion und demnächst dem Trainingszentrum, eine gute Nachwuchsarbeit und Fans, die hundertprozentig hinter ihrem Verein stehen. Die Medien und der Oberbürgermeister müssen da natürlich auch mitspielen.

Stichwort Medien: Auf die waren Sie zuletzt nicht so gut zu sprechen. Was hat sich seit der Pressekonferenz im Umgang mit den Journalisten geändert?

Erst einmal haben wir nicht D I E Medien gemeint, es gibt viele gute und korrekt arbeitende Journalisten. Aber es gibt auch manche, die es mit der Wahrheit nicht so ernst nehmen. Sie versuchen Politik zu machen oder veröffentlichen unvollständige Informationen, nur um die Ersten zu sein. Bei der Pressekonferenz haben wir bei den Formulierungen das eine oder andere falsch gemacht, die Stoßrichtung war aber richtig. Das würden wir auch wieder so machen. Inzwischen habe ich gehört, dass sich auch Rudi Völler und Christian Heidel (Manager in Leverkusen und Schalke/Anm.d.A.) gegen unsachgemäße Berichterstattung gewehrt haben. Ich glaube, wir haben da wieder einen Trend entwickelt.

In den Medien war der FC Bayern zuletzt auch, weil er mit anderen europäischen Topvereinen eine Super League gründen möchte.

Das war der Wahnsinn. Der Spiegel macht mit einer Geschichte unter der Schlagzeile „Der Verrat“ auf, die überhaupt nicht stimmt. Es gab keinen Plan aus der Bundesliga auszutreten und an einer Super League teilzunehmen. Es wurde vor zwei, drei Jahren innerhalb der internationalen Gremien mal darüber diskutiert und auch bei uns im Aufsichtsrat. Dort wurde es einstimmig abgelehnt, damit war die Sache vom Tisch. Und jetzt bringt der Spiegel auf der Titelseite solch eine Falschmeldung.

Gehen Sie gegen den Spiegel vor?

Ja, sicher.

Sie schließen aus, dass der FC Bayern in den nächsten Jahren Mitglied einer Super League wird?

Ja, das schließen wir aus. Da gibt es einen klaren Beschluss, und da wird auch nicht dran gerüttelt.

Das Gespräch führte Daniel Klein