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Das Treffen der Chaos-Klubs

Vor dem Spiel in Dresden feuert 1860 München noch mal den Trainer. Für Dynamo kommt das womöglich zu früh.

© Robert Michael

Von Sven Geisler

In der Tabelle der 2. Fußball-Bundesliga trennen die Vereine sieben Plätze und zehn Punkte. Trotzdem sind sich der TSV 1860 München und Dynamo Dresden sehr nahe, und zwar nicht nur darin, vor lauter Traditionsbewusstsein den Sinn für die Realität zu verlieren. Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander. Die Münchner tönen seit dem Abstieg 2002 vor jeder Saison vom Aufstieg, die Dresdner wollten nach dem knappen Klassenerhalt im Vorjahr diesmal mit dem Abstieg nichts zu tun haben.

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29 Spieltage und einige personelle Turbulenzen später stecken die „Löwen“ im Mittelmaß und die Schwarz-Gelben im Keller fest. Am nächsten Montag treffen die Chaos-Klubs aufeinander. Die Parallelen sind frappierend: nach dem sechsten Spieltag ein neuer Trainer, Geschäftsführer und Sportdirektor beurlaubt. Die „Sechziger“ legen aber sogar noch einen drauf mit der zweiten Trainerentlassung in dieser Saison. Sie feuern Chefcoach Friedhelm Funkel. Dabei war der Nachfolger von Alexander Schmidt im September 2013 als „großes Geschenk“ willkommen geheißen worden. Der das sagte, Präsident Gerhard Mayrhofer, spricht nun von einer Chance, die Schlüsselposition neu zu besetzen.

Für Dynamo kommt die Entscheidung womöglich ein bisschen zu früh, denn Funkel hat gegen Dresden schon zweimal seinen Job verloren. In der Saison 2011/12 flog er erst beim VfL Bochum nach der 1:2-Niederlage, dann im April bei Alemannia Aachen nach einem 0:2. Bei den „Löwen“ brachte nun das desaströse 0:3 zu Hause gegen den Karlsruher SC das vorzeitige Aus – für den Sommer war die Trennung sowieso beschlossen. Der bisherige Assistent Markus von Ahlen übernimmt vorerst, und der 43-Jährige fordert ausgerechnet jetzt: „Wir müssen uns zusammenraufen.“

Das scheint in Dresden nicht das Problem zu sein, was vor allem ein Verdienst von Olaf Janßen ist. Der Trainer steht auch deshalb nach dem 13. sieglosen Spiel in Folge nicht zur Diskussion, weil er eine Mannschaft geformt hat, die zumindest willens ist, gegen den Abstieg zu kämpfen. Für die Münchner geht’s um die Ehre – und um den nächsten Neuanfang. Allerdings ist noch nicht klar, wie viel Geld der in Abu Dhabi lebende jordanische Investor Hasan Ismaik dafür lockermacht. Die Vereinspolitik bestimmt er jedenfalls kräftig mit.

Er stichelte beispielsweise so lange öffentlich gegen Robert Schäfer, bis der Geschäftsführer mit seinem Rücktritt im September 2013 der Abberufung zuvorkam. Gut möglich, dass der 38-Jährige bald einen neuen Job anfängt: als kaufmännischer Geschäftsführer bei Dynamo. Der Aufsichtsrat hat vorige Woche entschieden, mit Schäfer Vertragsverhandlungen zu führen. Dabei dürfte es auch darum gehen, inwieweit er finanzielle Einbußen durch die Abfindung abfedern kann, die ihm der TSV 1860 zahlt. Bei den Münchnern steht Schäfer noch bis November unter Vertrag.

Präsident Mayrhofer dürfte froh sein, den einst leitenden Angestellten von der Gehaltsliste zu bekommen. Allerdings ändert das nichts an der diffizilen Situation, dass der deutsche Meister von 1966 zu Beginn der Planungsphase für die neue Saison ohne Trainer und Manager dasteht. Auch Florian Hinterberger, der für Schäfer übernommen hatte, musste vor ein paar Wochen gehen. An großen Namen mangelt es unter den potenziellen Nachfolgern nicht. Ein Kandidat wird gleich für beide Positionen gehandelt: Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. (mit sid)