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Das Universum zu Gast

Riesa meldet sich zurück an der Spitze, Gröditz strebt dorthin. Zwei Hallen stehen im Mittelpunkt eines weltberühmten Rückblicks.

Von Kevin Schwarzbach

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Über Thüringen liegt der Adventszauber und lädt ein, die Vorweihnachtszeit ohne Hektik im Herzen Deutschlands zu genießen.

Wochenlang musste man sich der Konkurrenz geschlagen geben, Tag für Tag kamen die Schlagzeilen aus einer anderen Stadt, Stunde für Stunde schien das Leben dort mehr zu pulsieren, liebe Leserinnen und Leser. Manch einer war sicher schon genervt von dem unerwarteten Widersacher, bei dem nicht einmal sicher ist, ob er überhaupt den Status als Grundzentrum bekommen wird. Das ist doch kein Gegner auf Augenhöhe, raunte es durch die Köpfe. Manchmal ganz unbewusst. Was will dieser Typ hier in den letzten Wochen immer mit Strehla? Oh, nein, nein, nein, nein, nein. Bevor wir hier jetzt Duelle heraufbeschwören: Zurück zu den Fakten.

Riesa ist wieder da! Was sich vor zwei Wochen mit dem Wirbel um die Hundewiese langsam angedeutet hatte, ist nun in vollem Maße eingetroffen: Die Elbestadt produziert wieder riesige Schlagzeilen. Die Kellys rocken die Sachsenarena, der OB offenbart seine Wünsche an den Ministerpräsidenten, der traditionsreiche Sachsenhof schließt, an manchen Schulen hat sich das Problem mit dem Stundenausfall drastisch verschärft, und die Sachsenarena knackt den nächsten Rekord.

Wenn das mal kein beeindruckendes Statement für ein lebendiges Stadtleben ist. Verzweiflung über die Schließungen vor Ort, Hoffnung in die große Politik, Freude über rekordverdächtige Kulissen. Könnte es einen spannenderen Wohnort geben? Vor allem die Erfolge der Sachsenarena bescheren uns immer wieder Aufsehen. Fast 198 000 Menschen kamen im vergangenen Jahr in Riesas heilige Halle. Udo Lindenberg, Andrea Berg und Ina Müller waren dabei die bestbesuchten Nummern. (An dieser Stelle muss ich meinen Freunden und Bekannten immer erklären, dass all diese Stars tatsächlich nach Riesa kommen und nicht etwa billige Doubles.) Ebenso bedeutend für den Rekord der Sachsenarena ist das Darts Open, ein dreitägiges Turnier, das im September mehr als 10 000 Besucher nach Riesa lockte.

Zeit für ein Geständnis, liebe Leserinnen und Leser. Ich bin ein großer Dartsfan, manche würden womöglich Freak sagen. In der Wohnung hängt eine Scheibe, im Regal liegen Sätze von Pfeilen, im Schieber ruht weitere Ausstattung, auf meinem Laptop flimmert fast jeder Darts durchs Bild, der von den Stars geworfen wird. Und dann erkenne ich eines Tages auf meinem Laptop die Gemäuer der Sachsenarena, während die Spieler sich gerade auf der Bühne messen. Dazu Nachrichten von Freunden, die soeben die weltbesten Dartsspieler an den Bars im Riesenhügel entdeckt haben, wie sie sich ein Bierchen gönnen und plaudern. Ein magischer Moment. Oh, Riesa, du Perle. Lassen wir doch endlich die Diskussion um die Sportstadt hinter uns, die ist doch ohnehin festgefahren. Beschränken wir uns darauf, was du wirklich bist: Riesa, du Arenastadt. Dieses Jahr wieder 18 000 Menschen mehr als im Jahr zuvor. Mit diesem Trend könnten wir in drei Jahren die Viertelmillion knacken, weitere 14 Jahre später dann schon die halbe Mille. Die Distanz bis zur Million müssen Sie jetzt selber ausrechnen.

Und diesen grandiosen Titel wird uns keiner streitig machen. Auch wenn man in Gröditz von einer bekannten Arena ganz anderer Größe träumt. Angesichts des Entwurfs für die neue Sporthalle am Eichenhain, die von viel Glas und LED-Beleuchtung geprägt sein soll, stellte Bürgermeister Jochen Reinecke (parteilos) vergangene Woche künftige Farbspiele wie an der Münchner Allianz-Arena in Aussicht. Mit einem Augenzwinkern, versteht sich. Doch liest man die Details des Konzepts, sind die Schwärmereien nahezu realistisch. Eine Verglasung des oberen Hallenbereichs, dazu Milchglas, das das Licht gleichmäßig in der Halle verteilt, und eine Hallenbeleuchtung, die abends durch das Glas in die Umgebung hineinwirken soll. Uiuiuiui. Und dann noch mit bis zu 90 Prozent Fördermitteln finanziert, so die optimistische Schätzung des Stadtchefs. Da kann man schon hibbelig werden.

Um den Titel als Arenastadt wird Gröditz aber nicht mitspielen. Die Sporthalle soll erst im dritten Quartal 2019 fertig sein und „nur“ 500 Plätze zur Verfügung haben. Für eine Arenastadt leider zu wenig, auch wenn der Papst oder die Queen dort auftreten sollten, aber für eine Sporthallenstadt mehr als ausreichend. Eine ganze Region wird neidisch sein. Diese Woche kann wohl kaum weltberühmter werden.