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Das unüberwindbare Hindernis

Mitten im Stadtzentrum hat der Radeberger René Topolla mit seinem Rollstuhl ein Problem.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

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Radeberg. Dass ausgerechnet die neu ausgebaute Kreuzung zwischen Ober- und Pulsnitzer Straße mitten in Radeberg für ihn mal fast unüberwindbar werden würde, hätte René Topolla sich nicht träumen lassen. Denn eigentlich, so dachte der Radeberger, würde mit dem Straßenbau hier ja alles besser werden. Besser, als an der „alten“ Seite der Pulsnitzer Straße …

René Topolla ist nach einem Unfall seit einigen Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. Und er scheitert nun regelmäßig an der Kante zwischen Straße und Fußweg, wenn er an der Fußgängerampel die Oberstraße überquert. „Die Kante ist einfach zu hoch“, ärgert er sich. Ohne Hilfe muss er hier immer wieder kapitulieren. Und er weiß, „dass das auch vielen älteren Leuten mit ihren Rollatoren so geht“. Er habe immer wieder alte Menschen voller Panik auf der Straße stehen sehen, „die laut nach Hilfe riefen, weil sie Angst vor den herannahenden Autos hatten“. Auch deshalb hatte sich René Topolla vor einiger Zeit in der Einwohnerfragestunde im Stadtrat zu Wort gemeldet und das Problem aus Sicht eines massiv Betroffenen noch einmal ausführlich geschildert.

Das Thema war dort allerdings längst nicht mehr unbekannt. Schon im Vorfeld hatte zum Beispiel CDU-Stadtrat Holger Wedemeyer auf das Problem hingewiesen. Der Radeberger ist beruflich in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen eingebunden; und hat so tagtäglich mit dem Bordsteinkanten-Dilemma zu tun. Aber OB Gerhard Lemm (SPD) musste in der Debatte bedauernd die Schultern heben: „Die Vorgaben für den Bau kamen aus dem zuständigen Landesamt für Straßenbau, uns waren und sind die Hände gebunden.“ Auch im Vorfeld habe Radeberg deshalb keinen Einfluss nehmen können.

Umweg in Kauf nehmen

Trotzdem hatte Bauamtschefin Uta Schellhorn noch einmal bei den Verantwortlichen nachgefragt – und die Auskunft war, dass die Kantenhöhe zum einen für die Leitung des Regenwassers in die Gullys notwendig sei, wofür mindestens zwei Zentimeter Höhe gebraucht werden. Zum anderen sei das Ganze auch mit dem Behindertenbeauftragten des Landkreises abgesprochen worden. „Und der hat erklärt, dass die Höhe für Rollstühle machbar ist, Kanten von bis zu drei Zentimetern sind laut seiner Aussage möglich.“ Zudem müsse sogar eine kleine Kante bleiben, „um blinden Menschen die Chance zu geben, das Ende des Fußwegs zu erkennen“, zitierte sie den Behindertenbeauftragten. Ein klein wenig sei die Kante dann auch noch einmal abgesenkt worden, aber für die Betroffenen eben kaum spürbar. Aussagen, die René Topolla durchaus verwundern, wie er sagt. „Denn auf der Straßenseite am Edeka-Markt ist die Kante fast vollständig abgesenkt, auf der Seite des Lidl-Marktes hingegen unüberwindbar hoch …“ Offenbar gelten da also unterschiedliche Ansichten für die unterschiedlichen Straßenseiten, merkt der Radeberger sarkastisch an. Das Regenwasserproblem wollte auch CDU-Rat Matthias Hänsel schon in der Diskussion im Stadtrat nicht so stehen lassen. „Es ist doch egal, ob es eine gerade Kante ist oder der Fußweg schräg ansteigt, irgendwann bildet das Ganze ja in jedem Fall eine Grenze für das Wasser und leitet es Richtung Gully!“ Und Holger Wedemeyer nahm zudem noch einmal Kontakt zum Behindertenbeauftragten auf. Bisher erfolglos, wie er bedauert. „Aber wir lassen nicht locker!“ verspricht er. Es könne ja schließlich nicht sein, dass nur wenige Meter daneben die Ausfahrten der Parkplätze der beiden Supermärkte für die Autos so abgeschrägt wurden, dass hier Rollstühle problemlos auf und von der Straße fahren können. „Was für Autos geht, muss ja wohl auch für Rollstühle und Rollatoren gehen!“

Im Moment nimmt René Topolla dann lieber einen Umweg in Kauf; oder riskiert eine Fahrt zwischen den beiden Parkplatz-Zufahrten …