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Das verborgene Brücken-Kunstwerk

© Christian Juppe

Das Neustädter Ende der Augustusbrücke in Dresden ist marode. Bauleute haben dort eine besondere Aufgabe zu meistern.

Von Peter Hilbert

Die Stadt bereitet die Sanierung von Dresdens traditionsreichster Brücke vor. Schon jetzt sind Bauleute am Neustädter Ende aktiv. Möglich ist das, da dort zur Beseitigung von Schäden eine Million Euro Fluthilfemittel zur Verfügung stehen, erklärt Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz. Bei den Arbeiten an der Brückenrampe ist besonderer Aufwand nötig.

Foto: Christian Juppe / / Sächsische Zeitung © Christian Juppe

Der Auftakt: Treppenstufen werden sorgsam aufgestapelt

Komplett erneuert wird die Treppe am Augustusgarten. Seit November sind die Sandsteine abgebaut und aufgestapelt worden. „Sie sollen weitgehend wiederverwendet werden“, sagt Koettnitz. Nur kaputte Steine müssen durch neue ersetzt werden. Zuerst errichten die Bauleute ein stabiles Fundament, auf das dann die Treppe kommt.

Der Fußweg: Über 100 Jahre alte Platten müssen genau nummeriert werden

Gesperrt ist seit wenigen Tagen der elbaufwärts liegende Fußweg am Neustädter Brückenende. Ein Bagger hebt Stück für Stück die über 100 Jahre alten Granitplatten, die genau nummeriert sind, auf einen Lkw. „Es muss alles so sorgsam aufgenommen werden, weil auch diese Platten wieder eingebaut werden“, erläutert Koettnitz.

Das Problem liegt aber unter ihnen. Dort haben die lange Zeit, aber auch die Elbefluten den Bauwerken so zugesetzt, dass sie dringend saniert werden müssen. Dabei handelt es sich einerseits um eine Tragplatte unterm Fußweg, aber auch eine Stützwand, an deren Vorderseite ein Kunstwerk unter einer Bogengalerie angebracht ist. Derzeit ist es allerdings mit der gesamten Fläche von den Bauzäunen abgeriegelt.

Das Kunstwerk: Wegen Sgraffito ist behutsames Vorgehen nötig

Das Kunstwerk hat der Maler Hans Nadler, Vater des späteren gleichnamigen Landeskonservators, 1935 geschaffen, erläutert der Dresdner Hobbyhistoriker Frank Wache. Dabei handelt es sich um ein über zehn Meter langes Keramik-Sgraffito. Bei dieser Technik wird der dunkle Untergrund der Keramik vorm Brennen im Ofen stellenweise freigekratzt. Darauf ist die Geschichte der Elbe-Schifffahrt dargestellt. So sind Fähren, die alte Augustusbrücke und die letzte Schiffsmühle im Pieschener Winkel zu sehen. Außerdem sind Wappen sächsischer Elbestädte dargestellt, darunter die von Meißen, Dresden und Pirna. Das Kunstwerk ist ein Teil der in den 1930er-Jahren von Stadtbaurat Paul Wolf vollzogenen Umgestaltung des Königsufers.

Dieser Wandfries soll stehen bleiben und von Spezialisten restauriert werden. Nur Steine der Stützwand dahinter werden teilweise abgetragen, um sie komplett sanieren zu können. Damit die Bauleute dort überhaupt arbeiten können, müssen der darüberliegende Brücken-Fußweg abgebaut und das gesamte Erdreich hinter der Wand ausgebaggert werden. Gesichert wird die Grube mit einem speziellen Verbau aus Stahlträgern und Holzbohlen.

„Gerammt werden darf aber nicht, um das Kunstwerk nicht zu zerstören“, sagt Koettnitz. Deshalb müssen tiefe Löcher gebohrt werden, um die Stahlträger einzubringen. Die Baumaschinisten müssen noch darauf achten, im Untergrund nicht die denkmalgeschützten Pfeilerreste der barocken Augustusbrücke zu beschädigen. Die Säulen des Arkadenganges bleiben stehen. Die Gesimssteine darüber werden aber abgebaut, damit die Geländer erneuert werden können. Ende Juli soll der Bereich an der Brückenrampe saniert sein.

Die Brücken-Sanierung: Nächstes Jahr rollen die Bagger an

Das Straßenbauamt bereitet derzeit die Planungen für die Brückensanierung vor. Die ist dringend nötig, um die Fördermittel beantragen zu können. Das muss bis 30. Juni geschehen sein. 16,4 Millionen Euro Fluthilfemittel stehen für das Großprojekt bereit. Nur fünf Millionen muss die Stadt selbst beisteuern. Koettnitz hofft, dass der Bau im Sommer nächsten Jahres beginnen und 2018 abgeschlossen werden kann.

Die Sperrung: Nur noch Bahnen und Radler rollen künftig über die Brücke

Für Autos ist die Augustusbrücke künftig tabu. Das hat der Stadtrat bereits beschlossen. Damit folgte er einem Antrag der Grünen, die nach dem Prager Vorbild eine Karlsbrücke für Dresden wollen. So dürfen nur noch Fußgänger, Radfahrer, Taxis und Straßenbahnen die 355 Meter lange Innenstadtbrücke nutzen.