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Das verrückteste Wochenende des Jahres

Am Sonnabend buhlen Dutzende Veranstalter um Besucher. Mit guter Planung schafft man 17 Events an einem Tag.

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Von Gunnar Klehm

Sächsische Schweiz. Ich packe meinen Rucksack und nehme mit: Ohrstöpsel, Sonnenhut, Fernglas, Digitalkamera und eine kaputte Taschenlampe. Fast zwei Dutzend Veranstaltungen stehen am Sonnabend in der Sächsischen Schweiz auf dem Veranstaltungsplan, die es zum Großteil nur an diesem Tag und so nicht wieder zu erleben gibt. Mit perfekter Planung könnte man bei 17 Events kurz dabei sein – theoretisch.

Startpunkt meiner Erlebnis-Tour ist um 8.30 Uhr beim Zweckverband Abfallwirtschaft in Kleincotta. Beim Tag der offenen Tür der Umladestation ist auch das Repair-Café Dresden vor Ort. Unter Anleitung werde ich versuchen, schnell meine Taschenlampe zu reparieren, die ich heute noch gut gebrauchen könnte. Dann geht es zum Flugplatz Pirna-Pratzschwitz. Laut Routenplaner ist das in 20 Minuten zu schaffen.

Um 9 Uhr beginnen dort Modellflugtage. Viele Flugzeuge sind um diese Uhrzeit wahrscheinlich noch nicht in der Luft. Mit meinem Fernglas dürften aber einige zu erspähen sein. Termin abgehakt. 27 Minuten brauche ich danach bis Königstein. Muss reichen, um die ersten Meter der 9.30 Uhr beginnenden deutsch-tschechischen Freundschaftswanderung ab Fähranleger mitzulaufen. Dann schnell hoch auf die Festung und Stöpsel in die Ohren schieben.

Punkt 10 Uhr rumst die erste Kanone beim jährlichen Geschützdonner über dem Elbtal. Hier habe ich noch ein paar Minuten Zeit, um etwas zu essen und zu trinken. Danach geht’s nach Ostrau. Beim Ortsfest nehme ich am Bogenschießen teil. Die Boccia-Meisterschaft ist zwar auch interessant, mir fehlt aber Zeit, weil ich noch vor 12 Uhr das Haus des Gastes in Hinterhermsdorf erreichen muss, um meinen Plan zu erfüllen. Vom dortigen Parkplatz brauche ich etwa eine Viertelstunde bis rauf auf den Weifbergturm zum Turmfest.

Schießerei auf der Bühne

Danach geht es zur Feuerwehrhauptwache nach Sebnitz zum Feuerwehrfest. Hier kann ich direkt am Festgelände parken. Das schafft Gelegenheit für einen Imbiss, denn bis zum nächsten Event, dem Rodeo im Western Village Sebnitz, sind es mit dem Auto nur vier Minuten Fahrzeit. Bis zum ersten Abwurf dauert es dort auch nicht lange, dann düse ich nach Stolpen. Dort gebe ich mir eine halbe Stunde Zeit, um über den Naturmarkt zu schlendern. Das wird einer der wenigen Momente ohne Hektik an diesem Tag für mich sein.

Am Nachmittag ist es ausgeschlossen, alle Angebote zu nutzen. Um 15 Uhr beginnen zeitgleich die Führung zum Thema Pomeranzen im Barockgarten Großsedlitz, die Moskwitsch-Parade vor der Burg in Dohna und die letzte Vorstellung in diesem Jahr von „Winnetou“ auf der Felsenbühne in Kurort Rathen. Ich entscheide mich für Letzteres. Jedenfalls ein bisschen. Von Stolpen begebe ich mich zur Wehlstein-Aussicht an der Bastei. Von dort kann ich die Bühne zwar nicht einsehen, höre aber die erste Schießerei und ein paar Takte Musik.

Zu meinem Glück machen die Moskwitsch-Fahrer später auch am DDR-Museum in Pirna halt. Das passt mir besser ins Konzept. Die Pomeranzen wachsen nächstes Jahr auch noch. Hoffentlich ist die Resonanz auf die Führung auch ohne mich gut genug.

Gegen 15.30 Uhr schlage ich dann beim Steenbrecherfest am Schloss in Lohmen auf. Fix husche ich über den Barfuß-Sinnespfad und beobachte die erste Schauübung der Feuerwehr. Dann geht es zum Stadtteilfest auf den Sonnenstein in Pirna. Ein Stück frisch gebackenen Kuchen auf die Hand und der Nachmittag ist gerettet. In elf Minuten müsste ich es von dort über die Serpentinen zum DDR-Museum an der Rottwerndorfer Straße schaffen, wo die Moskwitsch-Parade gegen 16.30 Uhr stoppt. Wahrscheinlich nehme ich aber die längere Strecke über Krietzschwitz. Nachmittags staut es sich immer auf den Serpentinen.

Zu spät kommen wäre peinlich

In Pirna erlebe ich dann Theater mit Augen und Ohren. „Der Retter von Pirna“ wird als Freilichtveranstaltung auf dem Marktplatz aufgeführt. Wegen der schwierigen Parksituation in der Innenstadt schaffe ich es zwar nicht pünktlich zum Beginn 17 Uhr, setze mich dann aber trotzdem ein paar Minuten gut behütet in die Sonne und lasse mich kostenlos unterhalten. Den direkten Vergleich mit den Theater spielenden Laien in der Aufführung von „James Blond – das Matzel stirbt nie“ gönne ich mir danach beim Abstecher nach Schöna. Gegen 18 Uhr müsste sich die umherziehende Truppe gerade unterhalb der Kaiserkrone befinden. Ich muss also wieder einen kleinen Fußweg mit einplanen.

Spätestens 19 Uhr sollte ich zurück in Pirna sein. Dann beginnt in der Stadtkirche ein schönes Konzert mit Werken aus dem Frühbarock. Dort geräuschvoll und zu spät reinzuschneien, wäre ziemlich peinlich.

Als Ausklang dieses Tages wähle ich den Marktplatz von Stadt Wehlen. Mit Sonnenuntergang, der am Sonnabend für 19.28 Uhr angekündigt ist, beginnt die „Nacht der 1 000 Lichter“. Vor der Kulisse der besonders beleuchteten Gebäude und Hunderter Kerzen singen mehrere Chöre und es wird an den Tischen auf dem Markt Wein ausgeschenkt. Ich zwar sicher erst nach 21 Uhr dort, mit meiner reparierten Taschenlampe kann ich mich dann aber aktiv an den Lichtspielen beteiligen. Ein besinnlicher Ausklang für den verrücktesten Festtag des Jahres.

Wie verbringe ich aber nur den Sonntag danach? Da werde ich mir ganz entspannt die rund 50 Objekte angucken, die, verteilt über die gesamte Sächsische Schweiz, zum Tag des offenen Denkmals mit besonderen Veranstaltungen und Führungen locken. Das müsste doch irgendwie zu schaffen sein …