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Das Virus ist längst nicht auf dem Rückzug

Mit Wissen durch die Corona-Krise: So arbeitet ein Testzentrum in diesen Zeiten. Eine Kolumne aus dem Corona-Labor in Dresden.

Prof. Alexander Dalpke ist Direktor der gemeinsamen Institute für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene sowie Virologie der TU Dresden.
Prof. Alexander Dalpke ist Direktor der gemeinsamen Institute für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene sowie Virologie der TU Dresden. © Jürgen Lösel

Von Alexander Dalpke

Schutzanzüge, Luftschleusen und stets die allergrößte Vorsicht am Arbeitsplatz im Labor. Hier geht es um Viren und Bakterien. In diesem Sicherheitslabor der Dresdner Universität werden derzeit die Corona-Tests ausgewertet. Dessen Direktor und zugleich der Institutsleiter schreibt hier und ab jetzt regelmäßig in diesen Zeiten der Corona-Krise für Sächsische.de

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Unser Labor hat sich verändert. Genau wie bei vielen Menschen, die derzeit im Home Office arbeiten, ist damit auch mein Arbeitsplatz ein anderer geworden. Zwar haben wir hier schon immer auch mit infektiösen Stoffen und Proben zu tun und die Sicherheitsbestimmungen für den Infektionsschutz sind entsprechend hoch. Trotzdem hat die Corona-Pandemie auch unsere Routinen tiefgreifend verändert. 

Bereits im Januar haben wir begonnen, die Arbeit neu zu strukturieren, um viel mehr Proben auswerten zu können. Bisher waren fünf bis sechs Mitarbeiter im Labor für die Diagnostik tätig. Diese Zahl hat sich mittlerweile verdoppelt. Schichten sind länger geworden, mehr Mitarbeiter als sonst arbeiten auch am Wochenende. Das ist notwendig, um die große Anzahl der Corona-Tests zu bearbeiten und schnell Ergebnisse zu liefern. So können wir jetzt die Nachfrage gut decken. Die Kapazitäten reichen aus.

Doch was macht diese Arbeit mit uns? Der ständigen Berichterstattung auf allen Kanälen können auch wir uns nicht entziehen. Angst, dass ich mich bei der Arbeit im Labor anstecken könnte, habe ich aber nicht. Wir sind im Umgang mit infektiösen Proben trainiert. Das gehört zum Berufsalltag, den wir routiniert und professionell erledigen. 

Wir alle sind gesund und auch gut ausgestattet, um die Arbeit sicher zu erledigen. Handschuhe und Laborkittel tragen wir ohnehin, nun sind Schutzbrille und FFP-Maske hinzugekommen. Die Proben selbst öffnen wir nur in einer mikrobiologischen Sicherheitswerkbank. Das heißt, sie werden unter einer Art Abzug mit Hochleistungsfilter bearbeitet.

Trotzdem ist die Situation für viele der Mitarbeiter belastend. Der enorme Mehraufwand und die sich ständig ändernde Lage machen die Arbeit schwer. Täglich sind die Dinge im Fluss, wir müssen dafür sorgen, dass alle Testmaterialien ausreichend vorhanden sind, und müssen neu planen. Probleme mit der Logistik bestimmen plötzlich den Arbeitsalltag mit. Auch privat: Jeder der Mitarbeiter hat seine eigenen Probleme, viele kämpfen damit, dass die Kinder zu Hause betreut werden müssen und dass hinter jedem positiven Testergebnis ein menschliches Schicksal steht.

Mit Anspannung beobachten wir deshalb die Fallzahlen. Wir merken, dass die Ausgangsbeschränkungen wirken. Seit anderthalb Wochen bleiben die Fallzahlen stabil oder gehen zurück. Trotzdem müssen wir alle vorsichtig sein: Das Virus ist deshalb längst nicht auf dem Rückzug oder gar weg. 

Wir können nicht sicher vorhersagen, wie sich die Situation entwickelt, wenn jetzt Lockerungen eintreten. Auch Massentests können die Pandemie nicht stoppen. Denn auch wer negativ getestet wird, kann das Virus in einem frühen Stadium in sich tragen.

Ich wünsche mir, dass die Politik nun gute Entscheidungen trifft und bei Lockerungen mit Augenmaß vorgeht. Noch hält sich die Bevölkerung gut an die Vorgaben, doch die Akzeptanz schwindet. Und für die Wirtschaft ist eine gewisse Lockerung ebenfalls notwendig. Ich hoffe auf Entscheidungen, die vertretbar sind und dennoch Schutz vor allem für die Risikogruppen garantieren.

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Prof. Alexander Dalpke ist Direktor der gemeinsamen Institute für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene sowie Virologie der TU Dresden. In seiner Kolumne für Sächsische.de beantwortet er die drängendsten Fragen, schreibt als Wissenschaftler, wie er die Dinge sieht und gibt Orientierung in diesen schweren Zeiten.

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