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Das kann gefährlich werden. Ein Kommentar von Finanzbeobachter Rolf Obertreis.

Börsenbeobachter Rolf Obertreis. ©  dpa, Montage: SZ

Wenn der Handelsstreit zwischen China und USA und Europa und USA nicht bald behoben wird, fallen mehr als die Kurse. 

USA und China  es ist und bleibt erst das beherrschende Thema an der Börse. Dabei sind es vor allem die schlechten Nachrichten. Die Stimmung unter den Händlern und Anlegern ist mittlerweile gerade in Deutschland so am Boden, dass Signale für eine Entspannung der Streitereien allenfalls für ein kurzes Aufatmen sorgen, den Trend aber nicht stoppen. So wie am Wochenbeginn als die Gespräche zwischen US-Präsident Trump und dem chinesischen Staatschef Jinping und der vorläufigen Aufschiebung von weiteren Zollschritten zeitweilig für deutlich steigende Kurse sorgten. Aber der Effekt verpufft sofort wieder, wenn Trump twittert oder die USA wieder Attacken auf Peking fahren. Am Mittwoch war es die Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Telefon-Konzerns Huawei in Kanada - auf Drängen Washingtons. Es ist nicht nur nach Ansicht von Börsianern ein weiteres Indiz für die tiefe Verstimmung zwischen Washington und Peking. Da nutzten auch die zeitgleich verkündeten Zugeständnisse der Chinesen nichts, Handelserleichterungen gegenüber den USA sofort umzusetzen. Solange es keine klaren, weitreichenden Vereinbarungen zwischen den USA und China, aber auch zwischen den USA und Europa zur Beilegung des von Trumps angezettelten und unvermindert – nach dem Motto „Amerika first“ - hart geführten Handelsstreits gibt, wird sich die Lage an der Börse nicht beruhigen. Der Deutsche Aktienindex steht mittlerweile deutlich unter der Marke von 11.000 Zählern und damit so tief wie seit zwei Jahren nicht mehr. Die Ungewissheit über den Brexit, die Lage in Italien, mittlerweile auch die Konflikte in Frankreich belasten den Handel zusätzlich. All könnte nicht nur auf die Stimmung durchschlagen, sondern mittelfristig auch auf die Konjunktur. Letztlich sorgen sich auch die Börsianer über die zunehmend nationalistischen Strömungen in vielen Ländern, weil sie auch zu einer Bedrohung des freien globalen Handels und damit der wirtschaftlichen Entwicklung führen könnten. Gibt es Einschränkungen für den Welthandel, wird das gerade ein Exportland wie Deutschland besonders treffen. Firmen werden vorsichtiger, investieren weniger mit mittelfristig negativen Folgen für den Arbeitsmarkt und irgendwann dann auch für den Konsum. Es geht längst nicht nur um die täglichen schlechten Nachrichten, es geht um eine langfristig bedenkliche Entwicklung. An der Börse schaut man in die Zukunft. Und da sind die Sorgenfalten derzeit sehr groß. Dass sie wirklich wieder kleiner werden und sich die Mienen der Händler aufhellen könnten, ist in diesen Tagen nicht zu sehen.