merken

Das Weiße Roß trägt Trauer

Weil der Umbau zur Kulturstätte vorerst gescheitert ist, hat Inhaber Klemens Kosok die Optik dramatisch verändert.

© Thomas Möckel

Von Thomas Möckel

Pirna. Die Fenster im Erdgeschoss sind mit Brettern, Paletten und Pappe vernagelt, vor den Haupteingang ist eine schwere dunkelgraue Platte geschraubt, am schmiedeeisernen Namensschild baumelt ein schwarzes Band. Was aussieht wie ein längst verlassener Saloon in einem schlechten Western-Film, war einmal eine der traditionsreichsten Gaststätten und wohl das älteste Lokal in Pirna. Inhaber Klemens Kosok schloss das Haus im Mai dieses Jahres, nun kommt so richtig Endzeitstimmung auf: Das Weiße Roß trägt Trauer.

Anzeige
Sachsen entdecken und erleben
Sachsen entdecken und erleben

Lernen Sie unbekannte Orte der Region kennen - wir geben Ihnen Insidertipps um die Schönheit und Einzigartigkeit Sachsens neu zu entdecken.

Mit der dramatisch veränderten Optik der Gaststätten-Vorderfront an der B 172 trägt Klemens Kosok, der das Haus 38 Jahre lang führte, ein ganz bestimmtes Projekt auf seine Weise zu Grabe. Viel Hoffnung, dass es noch etwas wird, hat er nicht.

Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) wollte das Haus mit dem großen Saal im hinteren Anbau gern zu einer zentralen Kulturstätte für Pirna umbauen lassen, weil so etwas in der Stadt fehlt. Ein Grundsatzbeschluss im August-Stadtrat sollte klären, ob die Abgeordneten ein solches Vorhaben mittragen. Doch die Räte mochten erst gar nicht darüber entscheiden und kippten das Thema noch vor einer Diskussion von der Tagesordnung. Damit verstrich eine wichtige Frist.

Pirna hätte bis Mitte September einen Antrag auf Fördermittel stellen müssen, um die für das Stadtumbaugebiet „Königsteiner Straße/Clara-Zetkin-Straße“ – dessen Bestandteil das Weiße Roß ist – aufgestockten Mittel abzurufen. Doch eine verspätete Anmeldung ist nicht möglich, eine Sanierung zumindest über dieses Förderprogramm ist damit gestorben.

Der Stadtrat will zwar am 17. Oktober möglicherweise eine Machbarkeitsstudie zu einer zentralen Pirnaer Kulturstätte beschließen, aber ob das Weiße Roß dabei noch eine Chance bekommt, ist fraglich – weil in der Studie mehrere Objekte auf Kulturtauglichkeit untersucht werden sollen.

Kosok glaubt angesichts dieser Entwicklung nicht mehr an eine frohe Zukunft seines Hauses. „Bei der zu bildenden Arbeitsgruppe zum dem Thema werden wohl kaum die Befürworter fürs Weiße Roß die Oberhand bekommen“, mutmaßt er. Offenbar gebe es im Stadtrat eine Gruppe, die das Projekt lieber scheitern als gedeihen sehen wolle. Jahrelang, so Kosok, ringe Pirna um eine gescheite Veranstaltungsstätte, nun liege mit dem Weißen Roß auch ein konkreter Vorschlag auf dem Tisch – der aber leider kein Gehör finde. Kosok vermutet zudem, dass es einigen Räten wohl auch darum geht, Hanke einen möglichen Erfolg zu versagen.

Aus diesen Gründen, resümiert Kosok, behielten wohl leider jene Skeptiker recht, die bei den vorangegangenen Saalbesichtigungen häufig die Befürchtung äußerten: „Das bekommt Pirna nicht hin.“