merken

Das Wettrüsten um den Aufstieg

Es kann nur einen geben, aber viele Vereine wollen in die 3. Liga. Was das heißt, zeigt das Beispiel von Torwart Marek Große.

© Torsten Zettl

Von Jürgen Schwarz

Nein, Einheit Kamenz spielt nicht in der Fußball-Regionalliga, sondern ist aus der Oberliga abgestiegen. Dennoch sind die Lessingstädter vom Transfer-Wahnsinn in der vierten Liga betroffen. Torhüter Marek Große, in Dresden bei Dynamo groß geworden und später in Bautzen und Garching in der Regionalliga zwischen den Pfosten stehend, hatte in Kamenz bereits einen Vertrag für die neue Saison unterschrieben. Doch dann flatterte dem 24-Jährigen ein lukratives Angebot von Viktoria Berlin auf den Tisch. „Wir haben den Aufhebungsvertrag sofort unterzeichnet. Bei so einem tollen Angebot war das für uns eine Selbstverständlichkeit“, sagt Frank Terks, Geschäftsführer des SV Einheit. Dabei wurde Große von den Südberlinern nur als Nummer zwei hinter dem früheren Aue-Keeper Stephan Flauder verpflichtet.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Viktoria hatte vor wenigen Wochen mit einer Pressemitteilung aufhorchen lassen. Die Advantage Sports Union Ltd. (ASU) aus Hongkong soll der neue Partner werden. Angeblich geht es um Investitionen im zweistelligen Millionen-Bereich. Kurzerhand wurde die Fußball-Abteilung mit der Zustimmung von knapp 98 Prozent der Mitglieder ausgegliedert. Aus dem alten Kader verblieben nur sechs Spieler. Ob das völlig neu zusammengestellte Team schon in der nächsten Saison in der Spitze mitspielen kann, bleibt abzuwarten.

Den Sprung in die 3. Liga bereits 2019 schaffen wollen allerdings mehrere Nordost-Teams. Bei Titelfavorit Wacker Nordhausen und beim BFC Dynamo, Zweiter und Vierter der Vorsaison, wird das Saisonziel ganz deutlich definiert. Welche Rolle die Drittliga-Absteiger Chemnitzer FC und Rot-Weiß Erfurt einnehmen, lässt sich schwer einschätzen. Nach dem sportlichen Niedergang und der wirtschaftlichen Pleite folgte bei beiden Klubs ein radikaler personeller Umbruch. Beim CFC sind außer Daniel Frahn und Dennis Grote ausschließlich neue Spieler dabei. „Die neue Mannschaft muss sich finden. Wir sind noch nicht eingespielt“, erklärt Niklas Hoheneder, der von Holstein Kiel zu den Sachsen kam.

Nicht nur Sven Köhler, Trainer beim VfB Auerbach, hat dabei längst eine Zweiklassen-Gesellschaft ausgemacht. „Einige Vereine arbeiten unter Profibedingungen und wollen möglichst schnell in die 3. Liga. Und für die kleineren Klubs geht es lediglich darum, nicht abzusteigen.“ Einer, der wie kein anderer die rasante Entwicklung in der Regionalliga Nordost beurteilen kann, ist Ingo Kahlisch (61), seit sage und schreibe 29 Jahren Trainer bei Optik Rathenow. „Wir sind eine Hobby-Mannschaft, meine Spieler sind berufstätig oder studieren.“ Seit 2014 stieg er mit Optik zweimal ab und zweimal auf. Der Marktwert der beiden Aufsteiger aus Rathenow und Bischofswerda liegt laut der Internet-Plattform transfermarkt.de bei jeweils unter 400 000 Euro. Im Vergleich: Wacker Nordhausen kratzt an der Drei-Millionen-Marke.

Kahlisch räumt Chemnitz und Erfurt die größten Titelchancen ein. Im Gegensatz zu den Vorjahren steigt der Meister 2019 direkt auf. Und das hat offensichtlich zu einer noch höheren Risikobereitschaft geführt. Rund 190 Zugänge wurden bei den 18 Regionalliga-Teams bisher registriert. Auch beim 1. FC Lok Leipzig wurde für die Spieler nun der Profistatus eingeführt. Der namhafteste Neuzugang ist ein Rückkehrer: Nicky Adler spielte einst in der Jugend des VfB, mit 33 Jahren, und nach sieben Stationen stürmt er wieder für Leipzig. Dennoch tritt Trainer Heiko Scholz auf die Euphorie-Bremse: „Wir stehen jetzt vor unserem ersten richtigen Profijahr. Es wäre vermessen, schon vom Aufstieg zu reden. Andere Klubs haben da vier, fünf Jahre Vorsprung.“ Lok gibt sich deshalb noch ein Jahr länger – offiziell zumindest.