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„Das Wilsdruffer Gymnasium wird gebraucht“

Alle warten auf den Gerichtsentscheid. Im Kultusministerium ist man sich sicher, alles richtig gemacht zu haben.

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© Visualisierung: Iproplan

Von Annett Heyse

Wilsdruff/Klipphausen. Es war 2013, als erstmals die Idee aufkam, in Wilsdruff ein Gymnasium zu bauen. Am Weißeritzgymnasium in Freital wurde es eng: Schon 2012 gab es mehr Anmeldungen von Fünfklässlern als Plätze. Einige Schüler wurden daraufhin in Dippoldiswalde und Nossen eingeschult. Der Kreistag des Landkreises Schweiz-Osterzgebirge beschloss 2014 eine Schulneugründung – in Wilsdruff. Doch nur 20 Kilometer weiter, im Landratsamt von Meißen, gab es Kritik.

Frank Pfeil ist als Staatssekretär der zweite Mann im Kultusministerium. Seine Leute haben das Vorhaben akribisch geprüft.
Frank Pfeil ist als Staatssekretär der zweite Mann im Kultusministerium. Seine Leute haben das Vorhaben akribisch geprüft. © Andreas Weihs

Der Kreis Meißen unterhält in Nossen ein großes Gymnasium, viele Schüler aus dem Raum Wilsdruff/Klipphausen lernen dort. Dort könnten die Schülerzahlen sinken, heißt es aus dem Meißner Landratsamt. Als das Sächsische Kultusministerium im August 2014 dennoch den Schulstandort genehmigte, klagte Meißen. Der Rechtsstreit ist bis heute nicht beigelegt. Kultusstaatssekretär Frank Pfeil, der zweite Mann im Ministerium, war jetzt in Wilsdruff und sprach mit Bürgermeister Ralf Rother (CDU). Anschließend stellte er sich den Fragen der Sächsischen Zeitung.

Herr Pfeil, wird das Gymnasium in Wilsdruff denn nun gebraucht oder nicht?

Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat die Schülerzahlen und die Entwicklung genau im Blick. Und die lassen nur einen Schluss zu: Es besteht Bedarf für ein weiteres Gymnasium im Raum Freital-Wilsdruff. Wo die Schule gebaut wird, ist dann die Entscheidung des Landkreises. In diesem Fall hat man sich für Wilsdruff entschieden.

Warum ist Wilsdruff tatsächlich der richtige Standort für die Schule?

Bevor so eine Entscheidung fällt, wird alles abgeklopft: Bevölkerungsstatistik, Bevölkerungsprognosen, Schülerentwicklung, Schülerströme, Fahrwege, Finanzierung. Das ist ein langer Prozess, den der Landkreis in Gang gesetzt hat. Am Ende steht eine Entscheidung. Wir als Kultusministerium mischen uns dabei übrigens nicht ein, der Landkreis agiert unabhängig vom Ministerium. Eine Schulgründung unterliegt dem Recht auf kommunale Selbstverwaltung.

Aber Ihre Fachleute im Ministerium prüfen dann noch mal, oder?

Genau. Nachdem der Landkreis den Schulnetzplan mit dem Gymnasium in Wilsdruff beschlossen hatte, wurde alles nochmals durchgerechnet und abgewogen. Wir haben uns dafür Zeit gelassen und wirklich alles geprüft, da ja die Bedenken von Meißen schon frühzeitig im Raum standen. Letztlich spricht nichts gegen ein Gymnasium in Wilsdruff. Es ist aus Sicht unserer Fachleute legitim und rechtens, die Schule dort zu bauen.

Das sieht man aber im Meißner Landratsamt etwas anders.

Das ist wie bei einem Streit unter Geschwistern, um es mal salopp zu sagen. Meißen sieht die Gefahr, in seinen Belangen beeinträchtigt zu werden. In dem Fall können sie klagen, das ist gutes, demokratisches Recht. Das Gericht wird jetzt die Fakten überprüfen und dann entscheiden, wer recht hat. Das braucht Zeit, solche Streitigkeiten sind bei unterschiedlichen Auffassungen in der Sache nicht immer vermeidbar, deshalb müssen wir uns jetzt alle gedulden.

Aus Sicht vieler Wilsdruffer dauert der Streit schon viel zu lange. Warum kann im Kultusministerium niemand ein Machtwort sprechen, damit endlich gebaut werden kann?

„Machtwort“ – das gab es früher mal. Heute wird so etwas demokratisch diskutiert und im Zweifelsfall über ein Gericht entschieden. Ich denke, unsere Position als Kultusministerium ist klar: Das Gymnasium wird gebraucht. Deshalb haben wir den Standort Wilsdruff auch genehmigt. Und ich glaube nicht, dass wir falsch liegen.

Was passiert, wenn ein Gericht die Genehmigung kassiert? Dann könnte die Suche nach einem Standort weitergehen. Und wo sollen die Kinder lernen?

Der Landkreis als Schulträger wird dafür sorgen, dass jedes Kind, das an ein Gymnasium möchte und die entsprechende Bildungsempfehlung hat, auch einen Platz erhält. Wir haben als Ministerium ebenfalls einen Blick darauf und unterstützen den Landkreis, wenn es Probleme gibt. Übrigens sind in Wilsdruff alle Planungen weitergelaufen – ungeachtet der juristischen Auseinandersetzungen. Ich gehe davon aus, dass das neue Gymnasium zum rechten Zeitpunkt eröffnet wird.