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„Das wird für sehr viel Ärger in den Lehrerzimmen sorgen“

Ursula-Marlen Kruse, GEW-Vorsitzende in Sachsen, kritisiert das „Maßnahmenpaket“ der Landesregierung gegen Lehrermangel.

© dpa

Frau Kruse, betrachten Sie mit dem „Maßnahmenpaket“ der Landesregierung das Problem Lehrermangel als gelöst?

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Nein, ganz sicher nicht. Das wird dadurch nicht gelöst werden können. Der Freistaat schließt damit lediglich eine Lücke zu den anderen Ländern, die längst ihre jungen Lehrer verbeamten. Die Frage, ob sich dadurch nicht sogar das Problem vergrößern wird, weil die Motivation der älteren Kolleginnen und Kollegen sinken wird, die kann man erst später beantworten.

Das Thema Verbeamtung war zuletzt wie ein Fetisch von der Politik vor sich hergetragen worden. Jetzt kommt sie...

Und das wird für sehr viel Ärger in den Lehrerzimmern sorgen. Vor allem deshalb, weil kein Ausgleich für die nicht-verbeamteten Kolleginnen und Kollegen vorgesehen ist. Das ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht für diejenigen, die 25 Jahre lang das System getragen haben – die werden wenig Wertschätzung empfinden. Bei ihnen ist doch in der Vergangenheit so viel eingespart worden, dass sie die geplanten Erhöhungen jetzt quasi mitbezahlen. Aber auch diejenigen, die jetzt 42 Jahre alt sind und damals beim Berufseinstieg nur unter größten Mühen ins System gekommen sind, für die gibt es keine angemessene Lösung. Wodurch sollten sie sich eigentlich noch motiviert fühlen?

Ist das Ganze ein falsches Signal in die Lehrer-Kollegien hinein?

Im Grundschulbereich findet tatsächlich eine Aufwertung statt. Das war uns seit langem sehr wichtig. Insgesamt werden sich aber die Kollegen, die nicht verbeamtet werden können – und zwar von dem 42-Jährigen bis zu denjenigen, die kurz vor der Rente stehen – wenig wertgeschätzt fühlen. Und da wird es an der einen oder anderen Stelle zu großen Unruhen in den Lehrerzimmern kommen. All die Maßnahmen, die jetzt umgesetzt werden sollen, werden die Gerechtigkeitslücke nicht schließen, sondern lediglich für einige wenige abmildern. Und dass man heute vor die Presse gegangen ist, ohne für den Großteil der Lehrer eine Lösung präsentieren zu können, halte ich für ziemlich skandalös.

Was vermissen Sie bei dieser Lösung?

Ich vermisse vor allem den Versuch, das Ganze im Konsens mit der Lehrerschaft zu gestalten. Der Ministerpräsident hatte Ende Januar zu meiner Verwunderung angekündigt, dass bereits Verhandlungen mit den Interessenvertretungen laufen würden. Doch dazu ist es zu keinem Zeitpunkt gekommen.

Ich höre bei Ihnen viel Verärgerung heraus...

Ich bin davon ausgegangen, dass man verstanden hatte, dass die Probleme entstanden sind, weil man in der Vergangenheit gedacht hatte, alle rechtzeitigen Warnungen und Vorschläge ignorieren zu können. Und ich bin darüber verärgert, dass an dieser falschen Vorgehensweise festgehalten und nichts daraus gelernt wurde.

Also: Kein Frieden an Sachsens Schulen?

Nein, mit dieser Lösung nicht. Nur an der einen oder anderen Stelle werden manche Lehrer damit zufriedener sein, aber der Lehrerberuf ist in Sachsen nicht aufgewertet worden.

Das Gespräch führte Annette Binninger.