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DDR mal drei

Über den untergegangenen SED-Staat gibt es Ausstellungen in Radebeul, Pirna und Raden. Was unterscheidet sie?

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© Anne Hübschmann

Von Ulrike Keller

Die DDR ist Geschichte, das Leben im SED-Staat längst reif fürs Museum. In der Region gibt es gleich drei Ausstellungen, die sich dieser Zeit widmen: in Radebeul, der Gemeinde Röderaue sowie in Pirna. Findet der Besucher darin viele Wiederholungen? Welche Raritäten sind zu entdecken? Wie nähern sich die Häuser dem Aspekt des Unrechtsstaats?

Conny Kaden vom DDR-Museum Pirna mit seinem neuesten Exponat: einem Dienst-Skoda der tschechischen Polizei.
Conny Kaden vom DDR-Museum Pirna mit seinem neuesten Exponat: einem Dienst-Skoda der tschechischen Polizei. © Norbert Millauer
Dietmar Scheffler in Raden mit einem Ehrenbanner der Interflug und einem Ehrengeschenk Honeckers für dessen Jagdgäste.
Dietmar Scheffler in Raden mit einem Ehrenbanner der Interflug und einem Ehrengeschenk Honeckers für dessen Jagdgäste. © Sebastian Schultz

Was ist die Idee? Raden zeigt Orden, in Radebeul und Pirna gibt es Ost-Alltag

Sowohl das DDR-Museum Zeitreise in Radebeul als auch das DDR-Museum Pirna zielen darauf ab, das alltägliche Leben der Menschen in der DDR abzubilden. Und zwar anhand originalgetreuer Möbel, Fahrzeuge, Geräte und Utensilien. Dabei konzentrieren sich die Schauen in Pirna und Raden auf die Zeitspanne 1949 bis 1990. Das Radebeuler Haus setzt hingegen schon 1945 an, um zu erklären, weshalb es zwei deutsche Staaten gab. Raden legt den Schwerpunkt auf Orden und Medaillen.

Wem gehört es? Nur der Museumschef in Pirna ist Eigentümer der Immobilie

Bei allen drei Ausstellungen handelt es sich um Privatsammlungen. Im Falle des insolventen Radebeuler DDR-Museums ist die künftige Rechtsform abhängig von einem möglichen Investor, der es auch in eine gemeinnützige Stiftung umwandeln könnte. Die Räumlichkeiten in Raden an der Großenhainer Straße stellt die Gemeinde Röderaue zur Verfügung. Öffentlich zugänglich ist die Sammlung von Dietmar Scheffler seit 1999. Das DDR-Museum Pirna führt Conny Kaden. Ihm gehört die historische Kaserne an der Rottwerndorfer Straße, die seit Sommer 2005 die Schau beherbergt. Bis auf wenige Leihgaben wie einzelne Motorräder sind die Ausstellungsstücke sein Eigentum. Im Herbst 2005 öffnete Hans Joachim Stephan das Radebeuler DDR-Museum Zeitreise in angemieteten Räumen des sozialistischen Industriebaus an der Wasastraße. Damals bestand die Ausstellung nur aus der Fahrzeugabteilung. Bis heute machen den Großteil der 40 Prozent Leihgaben im Museum Fahrzeuge aus.

Was kostet es? Je größer die Schau, desto höher die Eintrittspreise

Das größte der drei Häuser ist das DDR-Museum Zeitreise in Radebeul. Für den Besuch der Ausstellung auf rund 3 500 Quadratmetern und vier Etagen werden 9 Euro Eintritt fällig, ermäßigt 8 Euro. Das DDR-Museum Pirna erstreckt sich über eine Innen-Ausstellungsfläche von 2 000 Quadratmetern auf zwei Etagen. Der Eintritt dafür kostet 7 Euro, ermäßigt 6. Die Fotogebühr beträgt 1 Euro, in Radebeul liegt sie bei 2 Euro. In Raden wird für den Zutritt zu den zwei Räumen und das Fotografieren nichts verlangt.

Was lockt? Radebeul hat viele Autos, Pirna Raumfahrt, Raden Ehrenbanner

Die Häuser ergänzen sich gut. So hat Radebeul unter anderem eine immense Fahrzeugabteilung und seefahrtsgeschichtliche Darstellung zu bieten, während Pirna beispielsweise der Landwirtschaft und Raumfahrt in der DDR viel Platz einräumt. Auch die Radener Schau besetzt mit gut 2 500 Orden und Auszeichnungen eine Nische.

Stolz ist Dietmar Scheffler auf das Ehrenbanner, das die Interflug 1969 vom Staat erhielt. Als weitere Rarität nennt er die Saufeder, ein Ehrengeschenk, das Honecker seinen Jagdgästen überreichte.

Zu den Alleinstellungsmerkmalen in Radebeul gehören die deutschlandweit größte Ost-Kinderwagenausstellung sowie die Bugspitze des Olympia-Ruder-Goldvierers in Mexiko 1968. Auch der Mangelwirtschaft entsprungene Geräte der Marke Eigenbau haben Seltenheitswert.

In Pirna staunt der Besucher etwa über eine Vitrine mit typischen Intershop-Artikeln. Auch ein in der DDR erhältlicher Geschirrspüler kann begutachtet werden. Und das neueste Exponat des Hauses: ein Original-Skoda 120 der tschechischen Polizei, Baujahr 1983. Es ist eines von zahlreichen Exponaten aus dem Nachbarland, die das Museum wegen der Grenznähe zeigt.

Wie wird es präsentiert? In Radebeul gibt es Fülle, in Pirna mehr Klarheit

Im Radebeuler DDR-Museum finden sich wesentliche Hintergründe zu den Exponaten auf Informationstafeln, wobei an einigen Präsentationen bereits der Zahn der Zeit genagt hat. Nähere Erläuterungen liefern auch Hörstationen und kleine Monitore. An den Wänden der Etagen vermerkt ein Zeitstrahl wichtige historische Daten der DDR-Zeit. Im Treppenhaus hängt eine Sonderausstellung. Manch einer kann sich durch die Fülle leicht erschlagen fühlen.

In Pirna wird auf Zeitstrahl und Sonderausstellung verzichtet. Die kleinere Ausstellungsfläche und die Konzentration auf repräsentative und seltene Exponate führen dazu, dass die Schau sehr übersichtlich wirkt. Erläuterungen werden in schriftlicher Form an den Wänden vermittelt.

Die Radener Sammlung ist hauptsächlich hinter Glas untergebracht. Die Beschriftung beschränkt sich auf das Nötigste. Interessierten Besuchern gibt Dietmar Scheffler jedoch gern eine kleine Führung.

Wie steht es um Systemkritik? Sie spielt nur eine untergeordnete Rolle

In allen drei Ausstellungen wird der Aspekt des Unrechtsstaates nur am Rande behandelt. Das Museum in Pirna etwa zeigt in einer Dresden-Vitrine Stasi-Abzeichen. „Wir sprechen es an einigen Stellen an, wo der Staat in das normale Leben hineingeschaut hat, etwa bei der Post“, sagt Hans Joachim Stephan vom Museum in Radebeul. Teil der Radener Sammlung ist wiederum ein Abhörtelefon und ein Tonbandgerät, mit dem Verhöre mitgeschnitten wurden. Die Ausstellungschefs erklären unisono: Wer Näheres wissen wolle, würde von ihnen zu spezialisierten Stellen geschickt: wie der Behörde des Stasi-Unterlagen-Beauftragten in Dresden oder der Gedenkstätte Bautzen.

Wann ist geöffnet? In Raden nur auf Anfrage von Besuchern

Anders als in Radebeul und Pirna existieren in Raden keine festen Öffnungstage. Dietmar Scheffler schließt auf Anfrage auf. Anmeldung unter der Telefonnummer 0174 3470962.