Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

DDR mal drei

Über den untergegangenen SED-Staat gibt es Ausstellungen in Radebeul, Pirna und Raden. Was unterscheidet sie?

Teilen
Folgen
NEU!
© Norbert Millauer

Von Ulrike Keller

Pirna. Die DDR ist Geschichte, das Leben im SED-Staat längst reif fürs Museum. In der Region gibt es gleich drei Ausstellungen, die sich dieser Zeit widmen: in Radebeul, in der Gemeinde Röderaue sowie in Pirna. Findet der Besucher darin viele Wiederholungen? Welche Raritäten sind zu entdecken? Wie nähern sich die Häuser dem Aspekt des Unrechtsstaats?

Hans Joachim Stephan vom Radebeuler DDR-Museum präsentiert eine stattliche Anzahl an Kinderwagen aus der DDR.
Hans Joachim Stephan vom Radebeuler DDR-Museum präsentiert eine stattliche Anzahl an Kinderwagen aus der DDR. © hübschmann
Dietmar Scheffler in Raden mit einem Ehrenbanner der Interflug und einem Ehrengeschenk Honeckers für dessen Jagdgäste.
Dietmar Scheffler in Raden mit einem Ehrenbanner der Interflug und einem Ehrengeschenk Honeckers für dessen Jagdgäste. © S. Schultz

Zur Homepage vom DDR-Museum

Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Ausstellungen

Was ist die Idee?

Sowohl das DDR-Museum Zeitreise in Radebeul als auch das DDR-Museum Pirna zielen darauf ab, das alltägliche Leben der Menschen in der DDR abzubilden. Und zwar anhand originalgetreuer Möbel, Fahrzeuge, Geräte und Utensilien. Dabei konzentriert sich die Schauen in Pirna auf die Zeitspanne 1949 bis 1990. Das Radebeuler Haus setzt hingegen schon 1945 an, um zu erklären, weshalb es zwei deutsche Staaten gab. Raden legt den Schwerpunkt auf Orden und Medaillen ab 1949.

Wem gehört es?

Bei allen drei Ausstellungen handelt es sich um Privatsammlungen. Die Räumlichkeiten in Raden an der Großenhainer Straße stellt die Gemeinde Röderaue zur Verfügung. Öffentlich zugänglich ist die Sammlung von Dietmar Scheffler seit 1999. Das DDR-Museum Pirna führt Conny Kaden. Ihm gehört die historische Kaserne an der Rottwerndorfer Straße, die seit Sommer 2005 die Schau beherbergt. Bis auf wenige Leihgaben wie einzelne Motorräder sind die Ausstellungsstücke sein Eigentum. Im Herbst 2005 öffnete Hans Joachim Stephan das Radebeuler DDR-Museum Zeitreise in angemieteten Räumen an der Wasastraße. Bis heute machen den Großteil der 40 Prozent Leihgaben im Museum Fahrzeuge aus. Im Falle des insolventen Radebeuler DDR-Museums ist die künftige Rechtsform abhängig von einem möglichen Investor.

Was kostet es?

Das größte der drei Häuser ist das DDR-Museum Zeitreise in Radebeul. Für den Besuch der Ausstellung auf rund 3500 Quadratmetern und vier Etagen werden 9 Euro Eintritt fällig, ermäßigt 8 Euro. Das DDR-Museum Pirna erstreckt sich über eine Innen-Ausstellungsfläche von 2000 Quadratmetern auf zwei Etagen. Der Eintritt dafür kostet 7Euro, ermäßigt 6. Die Fotogebühr beträgt 1 Euro, in Radebeul liegt sie bei 2 Euro. In Raden wird für den Zutritt zu den zwei Räumen und das Fotografieren nichts verlangt.

Was lockt die Besucher?

Die Häuser ergänzen sich gut. So hat Radebeul unter anderem eine immense Fahrzeugabteilung und seefahrtsgeschichtliche Darstellung zu bieten, während Pirna beispielsweise der Landwirtschaft und Raumfahrt in der DDR viel Platz einräumt. Die Radener Schau besetzt mit gut 2500 Orden und Auszeichnungen eine Nische.

Zu den Alleinstellungsmerkmalen in Radebeul gehören die deutschlandweit größte Ost-Kinderwagensammlung sowie die Bugspitze des Olympia-Ruder-Goldvierers in Mexiko 1968. Auch der Mangelwirtschaft entsprungene Geräte der Marke Eigenbau haben Seltenheitswert.

In Pirna staunt der Besucher etwa über eine Vitrine mit typischen Intershop-Artikeln. Auch ein in der DDR erhältlicher Geschirrspüler kann begutachtet werden. Und das neueste Exponat des Hauses: ein Original-Skoda 120 der tschechischen Polizei, Baujahr 1983. Es ist eines von zahlreichen Exponaten aus dem Nachbarland, die das Museum wegen der Grenznähe zeigt.

Wie wird es präsentiert?

Im Radebeuler DDR-Museum finden sich wesentliche Hintergründe zu den Exponaten auf Informationstafeln, wobei an einigen Präsentationen bereits der Zahn der Zeit genagt hat. Nähere Erläuterungen liefern auch Hörstationen und kleine Monitore. Manch einer kann sich durch die Fülle leicht erschlagen fühlen.

In Pirna führen kleinere Ausstellungsfläche und die Konzentration auf repräsentative und seltene Exponate dazu, dass die Schau sehr übersichtlich wirkt. Erläuterungen werden in schriftlicher Form an den Wänden vermittelt.

Die Radener Sammlung ist hauptsächlich hinter Glas untergebracht. Die Beschriftung beschränkt sich auf das Nötigste. Interessierten Besuchern gibt Dietmar Scheffler jedoch gern eine kleine Führung.

Wie steht es um Systemkritik?

In allen drei Ausstellungen wird der Aspekt des Unrechtsstaates nur am Rande behandelt. Das Museum in Pirna etwa zeigt in einer Dresden-Vitrine Stasi-Abzeichen.

„Wir sprechen es an einigen Stellen an, wo der Staat in das normale Leben hineingeschaut hat, etwa bei der Post“, sagt Hans Joachim Stephan vom Museum in Radebeul. Teil der Radener Sammlung ist wiederum ein Abhörtelefon und ein Tonbandgerät, mit dem Verhöre mitgeschnitten wurden. Die Ausstellungschefs erklären unisono: Wer Näheres wissen wolle, würde von ihnen zu spezialisierten Stellen geschickt: wie der Behörde des Stasi-Unterlagen-Beauftragten in Dresden oder der Gedenkstätte Bautzen.

Wann ist geöffnet? In Raden nur auf Anfrage von Besuchern

Anders als in Radebeul und Pirna existieren in Raden keine festen Öffnungstage. Dietmar Scheffler schließt auf Anfrage auf. Anmeldung unter 0174 3470962.

1 / 7