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Leipzig

Leipziger Lichtfest mit nur 250 Gästen

Seit 2009 erinnern sich in Leipzig am 9. Oktober jährlich Zehntausende an den Herbst 1989. Doch wegen Corona ist dieses Mal alles anders.

Menschenmassen beim Leipziger Lichtfest: Solche Bilder wird es im Corona-Jahr 2020 nicht geben.
Menschenmassen beim Leipziger Lichtfest: Solche Bilder wird es im Corona-Jahr 2020 nicht geben. © LTM/Grundmann

Von Johannes Süßmann

Leipzig. "Eigentlich beißt sich das", sagt Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD): "Wir feiern den 9. Oktober, wo Menschen mit ihrer Masse ein System wegfegten - und jetzt begrenzen wir das." Doch Pandemie-bedingt gehe es in diesem Jahr schlicht nicht anders: Das Erinnern an die entscheidende Montagsdemonstration gegen das SED-Regime der DDR vom 9. Oktober 1989 in Leipzig kann in diesem Jahr nicht mit Zehntausenden Menschen auf dem zentralen Augustusplatz gefeiert werden - sondern nur mit 250 geladenen Gästen auf dem Nikolaikirchhof.

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Doch trotz der Begrenzung bleiben alle in den vergangenen Jahren etablierten Elemente des Gedenkens erhalten. Das Predigt zum Friedensgebet in der evangelischen Nikolaikirche - von hier aus starteten schon vor dem 9. Oktober die Montagsdemonstrationen auf dem Leipziger Ring - hält der Theologe und Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Roland Löffler. Für die diesjährige Rede zur Demokratie wurde der polnische Journalist und Politikwissenschaftler Basil Kerski eingeladen, der Direktor des Europäischen Solidarnosc-Zentrums in Danzig ist.

Für die Veranstaltungen in der Kirche gilt wie für das folgende Lichtfest auf dem Nikolaikirchhof die Begrenzung auf 250 geladene Gäste. Laut Nikolaikirchenpfarrer Bernhard Stief wurden bereits 80 Plätze an Zeitzeugen und Ehrengäste vergeben, darunter auch der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz, und Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (beide CDU). 20 Plätze gehen an Medienvertreter, weitere 15 an Mitglieder der Gehörlosengemeinde. Um die verbleibenden 135 Plätze können sich Interessierte laut Stief im Pfarramt bewerben.

Um trotz der Beschränkungen beim Lichtfest mit seinen üblicherweise mehr als 20.000 Besuchern möglichst viele Menschen teilhaben zu lassen, werden alle Veranstaltungen live im Internet gestreamt und im Leipzig Fernsehen gezeigt. Dafür stehe auch das diesjährige Motto, hieß es: "Zu Hause bleiben und doch dabei sein".

Zudem statten die Veranstalter bis zum Lichtfest mit Akteuren der freien Kunstszene insgesamt vier Institutionen Besuche ab und feiern etwa mit Altenheim-Bewohnern oder einem Kinderkrankenhaus jeweils kleine, individuelle Lichtfeste. Die gesammelten Eindrücke sollen in die Feiern am 9. Oktober einfließen.

Am Gedenktag selbst seien alle Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, zu Hause Kerzen aufs Fensterbrett zu stellen. Die sonst auf dem Augustusplatz gebildete, große "89" aus Kerzen wird in diesem Jahr auf dem Nikolaikirchhof stehen. Wer möchte, kann für einen Euro pro Stück eine Kerzen-Patenschaft erwerben und in seinem Namen eine Kerze dazustellen lassen. Oberbürgermeister Jung erklärte, er glaube, dass es trotz der Corona-Einschränkungen ein "stimmungsvolles und würdiges Erinnern" werde.

Leipzig war am 9. Oktober 1989 Schauplatz der bis dato größten Montagsdemonstration gegen das SED-Regime. Von der Nikolaikirche und weiteren Kirchen aus zogen rund 70.000 Menschen um den Leipziger Ring und läuteten damit das Ende der DDR ein. Wenige Wochen später fiel die Berliner Mauer. Seit 2009 erinnert die Stadt am 9. Oktober jeweils mit einem Friedensgebet, einer Rede zur Demokratie und einem Lichtfest an die Ereignisse.  (epd)

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