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Pirna: Dem DDR-Museum laufen Mitarbeiter weg

Inhaber Conny Kaden ist tags und nachts allein im Museum. Aufgeben kommt für ihn aber nicht infrage. Er arbeitet bereits an der nächsten Ausstellung.

Conny Kaden, Inhaber des DDR-Museums in Pirna, steht an einem Trabi mit Werbung des Museums. Er sucht für die nächste Saison neue Mitarbeiter.
Conny Kaden, Inhaber des DDR-Museums in Pirna, steht an einem Trabi mit Werbung des Museums. Er sucht für die nächste Saison neue Mitarbeiter. © Daniel Schäfer

Conny Kaden ist derzeit Mädchen für alles im DDR-Museum. Er verkauft Karten, gibt Auskunft und macht die Aufsicht. Das hat einen Grund. Seine bisherigen zwei Mitarbeiterinnen sind nicht mehr im Museum tätig, sondern haben in die Pflege gewechselt. Eine war zehn Jahre im Museum, die andere arbeitete seit elf Jahren mit.

"Ich musste im Frühjahr einer Kollegin kündigen, da der Lockdown bis Ende Juni von der Regierung angesagt wurde. Die andere Kollegin ging dann von sich aus, da auch sie nie auf ihre Zeit für den Winter gekommen wäre, wo das Museum schließt. Sie konnte also das Geld im Sommer für den Winter nicht reinholen. Sie bekam übrigens Kurzarbeitergeld", sagt Museumsbesitzer Kaden.

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Doppelschichten für Museumsgründer Kaden

Das bedeute aber nicht das Aus für das DDR-Museum in Pirna, betont Kaden. "Ich muss derzeit das Doppelte arbeiten." Eine kurze Durststrecke, denn in rund drei Wochen schließt das Museum ohnehin und geht in die Winterpause.

Auf die Frage, wie weiter, hat Conny Kaden auch schon eine Antwort. Im Winter finden Umbauarbeiten im Haus statt. Die Hauptstadt-Ausstellung mit den Themen Berlin, und Palast der Republik sowie Interflug soll aufgeteilt werden. Kaden plant, Interflug als Einzelausstellung im ersten Stock aufzubauen. Das schafft mehr Platz für die Exponate. "Ich suche immer noch weitere Ausstellungsstücke zum Thema Berlin und insbesondere Palast der Republik. Das können Eintrittskarten, Fotos oder aus Geschirr beziehungsweise Besteck sein", sagt Kaden. Natürlich sucht er auch neue Mitarbeiter für die nächste Saison. Im März 2022 findet das Großreinemachen statt. Ab 1. April ist wieder geöffnet.

Derzeit lädt das DDR-Museum noch bis Ende Oktober zum Eintauchen in die Vergangenheit ein. Es gilt die 3G-Regel, Maskenpflicht und Kontaktnachverfolgung. Mit den Besucherzahlen seit der Wiedereröffnung im Juli ist Kaden zufrieden.

Das war im Frühjahr anders, als der Museumsbetreiber wegen des Lockdowns über einen eklatanten Besuchereinbruch und damit einhergehe finanzielle Schwierigkeiten klagte.

Deshalb musste er schweren Herzens zu drastischen Mitteln greifen und einige Exponate aus seinem Lager verkaufen, darunter auch einen alten Wartburg. Die meisten der veräußerten Gegenstände hatte Kaden allerdings doppelt. "Das verschaffte mir finanziell etwas Luft". Außerdem lebte er von Rücklagen und hatte seine privaten Sparverträge aufgelöst. Und es kommt immer wieder Unterstützung von der Fangemeinschaft, die dem Museum treu ergeben ist. "Zahlreiche Nutzer auf unserer Facebook-Seite haben mir geraten, zu Spenden aufzurufen", berichtet Kaden. Er empfand das nicht als Bettelei, sondern vielmehr als eine gute Idee. "Denn schließlich bin ich nicht schuld an der Lage." Welche Summe bisher eingegangen sei, wollte er jedoch nicht verraten.

Honecker und Pionierfahnen an den Wänden

Das DDR-Museum ist für Conny Kaden Herzenssache. "Das Museum ist einzigartig und zieht normalerweise viele Touristen nach Pirna."

Bereits 1993 begann Conny Kaden mit dem Sammeln von DDR-Sondermünzen und Geldscheinen. Wenige Jahre später ähnelte seine damals 50 Quadratmeter große Wohnung einem kleinen Museum. Überall standen Rundfunkgeräte, Spielzeug, Orden und Auszeichnungen in und auf den Schränken. Die Bücherregale waren mit DDR-Bildbänden, Kinderliteratur sowie Büchern über die Volkspolizei, der NVA und anderer Literatur der DDR gestapelt. "An den Wänden in Flur und Küche hingen DDR- und Pionierfahnen und unsere ehemaligen Politiker lächelten mich jeden Morgen an", erinnert sich der Pirnaer. Verwandte und Freunde drängten ihn schließlich dazu, diese Sammlung für alle öffentlich zugänglich zu machen. Zunächst war Kaden skeptisch, dann bemerkte er aber das steigende Interesse der DDR-Vergangenheit aus Ost und West.

Unterstützung für das Projekt kam von der Bevölkerung

2005 konnte Conny Kaden das DDR-Museum Pirna in einer kleinen Halle gegenüber des jetzigen Standorts eröffnen. Schon im ersten Jahr besuchten insgesamt fast 10.000 Besucher das Museum. "Viele brachten auch ,neue, alte' Ausstellungsstücke mit und andere gaben finanzielle Spenden", erinnert sich Conny Kaden. Auch öffentliche Schulen und Kitas brachten Gegenstände aus DDR-Zeiten vorbei. Außerdem konnte Kaden im Internet weitere Exponate dazukaufen.

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Schnell wurde klar, dass die Ausstellungsfläche in der kleinen Halle nicht mehr ausreichte. 2007 zog Kaden mit seinem Museum in die ehemalige NVA-Kaserne an der Rottwerndorfer Straße 45. Heute zeigt das Museum auf über 2.000 Quadratmeter zahlreiche Exponate aus der DDR. "Die Besucher kommen aus ganz Deutschland und Europa", meint Conny Kaden.

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