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Treuhand: Produktive Firmen oft in den Westen verkauft

Forscher haben Vorwürfe überprüft, die Treuhand habe nach der Wende produktive DDR-Unternehmen abgewickelt.

Der Schriftzug "Die Treuhand informiert" steht auf einem alten Pavillon in Leipzig.
Der Schriftzug "Die Treuhand informiert" steht auf einem alten Pavillon in Leipzig. © Jan Woitas/dpa

München. Bei der Privatisierung der ostdeutschen Unternehmen nach 1990 verkaufte die Treuhand produktivere Firmen häufiger und rascher und bekam dafür mehr Geld. Gleichzeitig übergab sie diese Unternehmen mit höherer Wahrscheinlichkeit an westdeutsche Investoren.

„Gerade produktive DDR-Firmen blieben seltener in ostdeutschem Eigentum“, schreiben Ifo-Forscher Lukas Mergele, Moritz Hennicke von der Freien Universität Brüssel und Moritz Lubczyk vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in einer Studie. „Nach Abschluss der Haupttätigkeit der Treuhand 1995 fanden sich rund 51 Prozent der Firmen in mehrheitlich westdeutscher Hand“, fassen Mergele und Lubczyk zusammen. Je produktiver die Unternehmen, desto höher der Anteil von Westdeutschen unter den Eignern.

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Die Forscher erklären dieses Ergebnis so: „Westdeutsche Investoren verfügten zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung über einen besseren Zugang zu Finanzkapital. Sie waren erfahrener in der Führung marktwirtschaftlich orientierter Unternehmen. Darüber hinaus waren sie im Verhältnis zu Investoren aus dem Osten Deutschlands wahrscheinlich auch wirtschaftlich und politisch besser vernetzt. Bei den von der Treuhand gesetzten Kriterien waren westdeutsche Investoren also als zukünftige Unternehmenseigentümer möglicherweise besser geeignet. Aber es bleibt die Umverteilung von Firmenbesitz von Ost nach West festzuhalten.“

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Zu den Vorwürfen, die Treuhand habe produktive Unternehmen abgewickelt, schreiben die Forscher: „Es gab durchaus Schließungen von produktiven Firmen. Jedoch zeigen unsere Ergebnisse, dass produktivere Unternehmen seltener geschlossen wurden.“ Unter den am wenigsten produktiven Firmen hat die Treuhand weniger als 40 Prozent privatisiert. Unter den produktivsten stieg dieser Anteil auf über 70 Prozent, so die Studie. Die Aussagen beruhen auf statistischen Auswertungen. Sie beschreiben Tendenzen im Durchschnitt über alle Firmen. „Eine Aussage über Privatisierungsentscheidungen von Einzelfirmen ist damit nicht möglich“, heißt es. Die „kleinen Privatisierungen“ von Geschäften, Restaurants und Hotels, die größtenteils von Ostdeutschen erworben wurden, sind nicht in den Daten enthalten. (SZ)

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