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De Maizière liest Christoph Hein

Flucht und Vertreibung sind zwei der Themen des Literaturfestes. Das Programm steht nun fest und wird in Kürze veröffentlicht.

© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Meißen. Das gibt es deutschlandweit so nur in Meißen. Literatur an mehreren Tagen und in all ihren Facetten an der freien Luft konsumieren – und das kostenfrei und über einen Zeitraum von vier Tagen. Zum neunten Mal laden die Organisatoren um den Meißner Kulturverein und den Künstler Daniel Bahrmann vom 7. bis 10. Juni zum Literaturfest nach Meißen. „Weil der Andrang in diesem Jahr besonders groß war, können wir über 200 Mitwirkende begrüßen. Das Fest widmet sich den Schwerpunkten berühmte Weltverbesserer, der 68er-Bewegung, dem Dreißigjährigen Krieg sowie literarischen Vorlagen für aktuelle Fernsehserien“, blickte Daniel Bahrmann vom Meißner Kunstverein bei der offiziellen Vorstellung im Innenhof der Webergasse 2 voraus.

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An insgesamt 40 besonderen Orten der Altstadt und in Cölln werde es 180 Lesungen geben, die die romantischen Gassen, Höfe und Weinberge mit Erzählungen aus aller Welt bereichern sollen. Zum neunten Mal als Schirmherr mit dabei ist der ehemalige Bundesinnenminister und Meißner Bundestagsabgeordnete Thomas de Maizière (CDU). Er wird am Freitagnachmittag, 8. Juni, mit einer eigenen Lesung auf dem Marktplatz den Startschuss für weitere geben. „Ich werde mit einem Mitarbeiter der Migrationsberatung über Flucht und Vertreibung lesen, will aber nicht die damit einhergehenden, typischen Debatten heraufbeschwören“, sagte de Maizière bei der Programmvorstellung. Deshalb scheine ihm das Buch „Landnahme“ des von ihm viel und gern gelesenen, gebürtigen Schlesiers Christoph Hein ideal, um daraus vorzutragen. Der Inhalt des 2004 erschienenen Werkes des 74-jährigen Schriftstellers rege zum Nachdenken an, ohne zu belehren, sagte der Abgeordnete. Wie die anderen Leser auch, wird er circa 40 Minuten aus einem Buch vorlesen. Mit Einleitung und kurzer Nachbesprechung ist pro Vorleser etwa eine Stunde geplant.

Vorfreude äußerte auch Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos), speziell im Hinblick auf ausgefallene Leseorte. Er nannte etwa den Jahnaischen Hof an der Freiheit 1, das Torhaus oder den Garten der Superintentur auf dem Afraberg.

Auch der frisch sanierte Theaterplatz wird zu den Leseorten gehören, ganz zu schweigen von den gewohnten Bühnen am Marktplatz, Heinrichsplatz und am Tuchmachertor. Letztere gehört laut Daniel Bahrmann zu den schönsten – vor allem für märchenbegeisterte Kinder – und wird von den Oppacher Mineralquellen unterstützt und organisiert.

Raschke selbst liest traditionell in einer Kindertagsstätte. Den achten Schreibwettbewerb für Nachwuchsautoren stellt auch 2018 die Sparkasse Meißen auf die Beine. „Das Motto lautet ‚Fantasievolles Meißen‘. Schüler und Schülerinnen konnten Geschichten aus der Vergangenheit und zur Zukunft der Stadt und der Region einreichen“, sagt Vertriebsleiterin Iris Dietze. Aktuell sei die Jury dabei, die Beiträge auszuwerten. „Die Gewinner und ihre Werke werden am 10. Juni, ab 12 Uhr, auf dem Markt vorgestellt.“ Erfreut zeigen sich die Macher des Literaturfestes über das große Interesse aus den alten Bundesländern. Das betreffe sowohl Zusagen und Übernachtungsanfragen als auch Einreichungen für den Schreibwettbewerb. „Viele kommen jedes Jahr nur wegen des Literaturfestes nach Meißen“, sagte Thomas de Maizière. Das komplette Programm wird nächste Woche in Druck gehen und ist jetzt bereits im Internet veröffentlicht.

www.literaturfest-meissen.de