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Debatte um käuflichen Sex hält an

Prostitution ist wieder ein Thema. Alice Schwarzer will sie ganz verbieten. Die große Koalition will Freier von Zwangsprostituierten bestrafen. Die Prostituierte Felicitas Schirow will erstmal nur eines: aufklären.

© dpa

Berlin. Die von der großen Koalition geplante Bestrafung von Freiern lehnt die Berliner Prostituierte Felicitas Schirow ab. Auch wenn in Deutschland anders als in Frankreich nur den Freiern von Zwangsprostituierten Strafe droht, halte sie das für überflüssig und schädlich, sagte Schirow am Donnerstag in Berlin. Sie wurde vor Jahren bekannt, als sie sich öffentlich für die Anerkennung der Prostitution als legales Gewerbe einsetzte.

„Sex gegen den Willen der Frau ist auch heute schon strafbar.“ Die Besitzerin des bekannten Berliner „Cafe Pssst!“, in dem Sexarbeiterinnen und Freier sich verabreden können, will über das Prostitutionsgewerbe aufklären. Dabei sagt die 56-Jährige auch der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer den Kampf an, die die Prostitution verbieten will.

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Die seit fast 40 Jahren tätige Prostituierte erreichte durch ein Gerichtsurteil im Jahr 2000, dass die Richter die Prostitution vom Stigma der Sittenwidrigkeit befreiten. Das zuständige Bezirksamt wollte ihr Cafe damals wegen Förderung der Prostitution schließen. Die Richter betonten in ihrem Urteil, Prostitution sei heute weitgehend als Teil des Zusammenlebens in der Gesellschaft akzeptiert. Dieser Wandel müsse sich auch in der Rechtsprechung niederschlagen. Das Urteil war auch Wegbereiter für das Prostitutionsgesetz der damaligen rot-grünen Koalition.

„Schwarzer diskriminiert und arbeitet mit falschen Zahlen“

„Die Veranstaltung von Schwarzer hat mich so geärgert“, sagte Schirow. „Schwarzer hat Prostituierte und Freier pauschal diskriminiert und arbeitet mit falschen Zahlen.“ Für die 56-Jährige ist die Nutzung von Prostitutionsdiensten „ein Menschenrecht“. Drei Wochen nach Schwarzer lädt Schirow deshalb am 9. Dezember zur eigenen Veranstaltung in die Berliner Urania ein. Sieben von Schirow eingeladene Experten aus Justiz, Polizei und Soziales sollen die aus langjähriger Erfahrung und Forschung gewonnenen Fakten liefern.

Damit möchte Schirow auch bewusst Politiker ansprechen. „Mit den Plänen in der großen Koalition habe ich Angst, dass in der Politik falsche Wege eingeschlagen werden.“ Oft wüssten die Politiker selbst wenig über Zahlen und Fakten in dem Gewerbe. Und wie solle nachgewiesen werden, dass Freier wüssten, dass sie zu einer Zwangsprostituierten gingen. „Man kann einen Mann nicht für etwas bestrafen, was er nicht weiß“, sagte Schirow. Durch die Androhung von Strafe werde die Prostitution wieder kriminalisiert, stigmatisiert und in abgeschirmte Bereiche verdrängt. „Dort droht viel mehr Kriminalität wie Mietwucher, Zuhälterei und Gewalt.“ (dpa)