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Debatte um Wohnmobil-Stellplatz an der Elbe

Die Fläche wird im Sommer von vielen Campern genutzt. Sie gehört aufgewertet, so ein Stadtrat – und erntet Skepsis.

Im Sommerhalbjahr nutzen immer mehr Wohnmobilisten die ausgewiesene Fläche als Stellplatz. Ein Stadtrat will die Bedingungen für Camper verbessern.
Im Sommerhalbjahr nutzen immer mehr Wohnmobilisten die ausgewiesene Fläche als Stellplatz. Ein Stadtrat will die Bedingungen für Camper verbessern. © Eric Weser

Strehla. Die Elbe ist nur einen Steinwurf entfernt. Der Blick über den Fluss hinüber fällt auf Lorenzkirch, das sich selbst zu Sachsens schönsten Dörfern zählt. Der Elbparkplatz in Strehla ist nicht das schlechteste Fleckchen. 

Das finden neben Lkw-Fahrern auch viele Camper, die besonders im Sommer dort haltmachen. Eine Internetsuche liefert bei der Suchmaschine Google etliche positive Bewertungen. Nutzer Thomas Bartilla war demnach vor vier Monaten auf dem Platz und vergibt die höchstmögliche Bewertung und kommentiert: „Kein Strom. Keine sanitären Anlagen, aber trotzdem 5 Sterne, denn man steht direkt an der Elbe.“ 

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Ein weiterer Nutzer schwärmt davon, wie traumhaft der Platz bei Sonnenaufgang ist. Fünfzehn Rezensenten haben den kostenlosen Caravan-Platz im Schnitt mit vier Sternen bewertet.

Auch Strehlas Vize-Bürgermeister Reimar Kalkhof ist aufgefallen, dass die Stellfläche bei Campern gut ankommt. Schon seit mehreren Jahren spricht sich der CDU-Stadtrat in Ratssitzungen immer wieder dafür aus, die Infrastruktur auf der Pflasterfläche zu verbessern. Kalkhof ist selbst leidenschaftlicher Wohnmobilist und meint, dass Strom- und Wasseranschlüsse die Attraktivität der Fläche steigern würden.

Doch die Reaktionen bisher waren sowohl bei anderen Stadträten als auch in der Verwaltung eher zurückhaltend. Kalkhof will aber nicht lockerlassen, unterstrich er diese Woche erneut und forderte Ladesäulen für Elektro-Fahrräder, da Strehla Start-/Endpunkt des Mulde-Elbe-Radwegs sei. 

Aus seiner Sicht vertut die Stadt eine Chance, sich touristisch zu vermarkten, wenn sie den Stellplatz nicht ausbaut. Und sie vertut auch eine Chance, Geld zu verdienen, meint Kalkhof. Denn mit Aufschlägen auf Strom- und Wasserpreise ließe sich etwas einnehmen. 

Und auch Händler in der Stadt könnten davon profitieren, wenn Camper an der Elbe parken und ein paar Tage dort verbringen, argumentiert der Christdemokrat. Ohnehin müsse Strehla überlegen, wie nicht nur Geld ausgegeben, sondern auch wieder eingespielt werde.

Zurzeit stehen auf dem Strehlaer Elbeparkplatz meist nur Lkw. 
Zurzeit stehen auf dem Strehlaer Elbeparkplatz meist nur Lkw.  © Sebastian Schultz

Andere Stadträte beurteilen Kalkhofs Vorstoß allerdings kritisch. FWG-Fraktionschef Heiko Zscheile hält den Elbparkplatz für einen guten Geheimtipp, der als Kurzzeitstellfläche zu einem guten touristischen Image Strehlas beitragen kann. Mit dem Zeltplatz im Freibad an der Torgauer Straße habe die Stadt aber schon eine Infrastruktur für Camper, gibt Zscheile zu bedenken. „Die müssen wir ertüchtigen.“ 

Den von Reimar Kalkhof geforderten Ausbau am Elbparkplatz beurteilt Zscheile als kompliziert. Ladesäulen könne man nicht einfach ins Überschwemmungsgebiet des Flusses stellen, sagt der Stadtrat, der in seinem Beruf als Bauingenieur öfters mit Projekten in der Nähe von Gewässern zu tun hat.

 Die Stadt solle auf den Campingplatz im Bad konzentrieren, wo es in einem eingezäunten Bereich ebenso eine „wunderschöne Aussicht ins Elbtal“ gebe, findet Zscheile. Wenn Camper vom Elbparkplatz länger in der Stadt bleiben wollten, sollten sie seiner Meinung nach ins Nixenbad fahren.

Das geht nach Ansicht von Reimar Kalkhof an Bedürfnissen und Mentalität von Wohnmobilisten und Caravanisten vorbei. Kalkhof glaubt nicht, das seine Vorschläge schwierig umzusetzen sind. „Den Aufwand halte ich für überschaubar.“ Bei Mutmaßungen will es Reimar Kalkhof nicht belassen.

Deswegen beharrt er darauf, dass die Stadtverwaltung einen Ausbau des Elbparkplatzes zumindest planerisch untersuchen lässt, um Aufwand und Kosten besser abzuschätzen zu können. Mit den Genehmigungsbehörden müsse man über das Projekt sprechen, so der CDU-Stadtrat. Was die Finanzierung angeht, solle die Stadt Fördermöglichkeiten abklopfen.

Ginge es nach Reimar Kalkhof, würden seine Vorschläge noch diesen Sommer umgesetzt – damit Besucher, die im September zum Tag der Sachsen fahren, auf dem ausgebauten Stellplatz unter verbesserten Bedingungen campen können.