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Dem Krebs davonlaufen

Beim Mannschaftscross im Prießnitzgrund werden viele Läufer ein rosa Schleifchen tragen – und eine Walking-Gruppe besonders anfeuern.

© Robert Michael

Von Birgit Grimm

Wenn die anderen zwei Schritte machen, macht Ramona drei. Die Gruppe läuft ihr immerzu davon. Andere würde das vielleicht frustrieren, Ramona Jacobi lacht und macht Witze über ihre „kleinen“ Beine. Dreht kürzere Runden und lässt sich von der Trainerin dafür loben, dass sie die anderen überholt, ohne sie einzuholen.

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Seit Anfang des Jahres walken zehn bis zwölf Frauen an jedem zweiten Dienstag im Großen Garten. Sie trainieren für den traditionellen Mannschaftscross im Prießnitzgrund. Am 5. April wollen sie die 6,3 Kilometer lange Strecke schaffen. Ihr Ziel: Ankommen, und zwar mit einem Lächeln im Gesicht. Sie schaffen das.

Die Frauen sind hochmotiviert, denn sie wollen gesund werden. Ihre Diagnose: Brustkrebs. Sie wurden im St. Joseph Stift operiert und behandelt. Bei der einen ist die Operation Jahre her, bei der anderen nur Monate. Aber sie alle wissen, dass moderater Sport das Rückfallrisiko deutlich verringern kann. Marina Qualo ist 64. Vor ihrer Erkrankung wanderte sie gern, oft und extrem weit. „Das schaffe ich leider nicht mehr, jetzt müssen 25 Kilometer genügen.“ Es gibt gesunde Menschen, die dann fragen: „25 km? Verteilt auf wie viele Tage?“ Dann muss Marina schmunzeln und fühlt sich vermutlich gleich viel stärker, als sie momentan ist. Hier geht es nicht um Bestzeiten und Rekorde. Es geht um Bewegung, frische Luft, Gemeinschaft.

Manche der Dienstags-Walkerinnen haben vor der Krankheit gar keinen Sport getrieben und brauchen die feste Verabredung, um sich aufzuraffen. Dankbar haben sie die Chance ergriffen, die ihnen das Brustkrebszentrum am St. Joseph Stift bietet. Schwester Uta Hoffmann, die dort arbeitet, marschiert regelmäßig mit. Sie sagt: „In mehreren Städten Deutschlands gibt es Charity-Laufveranstaltungen für den Deutschen Brustkrebs e.V., in Dresden noch nicht. Das wollen wir ändern.“

Unterstützung bekam sie vom Trainer und Ultraläufer Tell Wollert. Seine Firma „laufend aktiv“ kann zwar keinen Charity-Lauf organisieren, aber sie sponsert den Frauen sechs Trainingseinheiten. „Uns liegt am Herzen, dass die Frauen auch nach dem Mannschaftscross aktiv bleiben. Kostenfrei können wir den Kurs dann leider nicht mehr anbieten. Deshalb suchen wir mit dem Brustkrebszentrum eine günstige finanzielle Lösung für die Frauen“, sagt er. Alle, die am 5. April im Prießnitzgrund starten, können dazu beitragen, indem sie im Dresdner Laufsportladen ein rosa Schleifchen des Deutschen Brustkrebs e. V. erwerben. Die Einnahmen werden direkt dem Brustkrebszentrum im St. Joseph Stift gespendet.

Dort hielt Wollert am Patiententag einen Vortrag über die Vorteile regelmäßiger Bewegung. Auch Elke Lange hörte ihm zu. Nun marschiert sie vorneweg. Trainerin und Triathletin Romy Stotz hat die Frauen im Blick, ob beim Intervalltraining, oder wenn sie mit ihnen blaue und grüne Latexbänder dehnt. Wichtiger als Tempo oder eine hohe Frequenz bei den Übungen ist die korrekte Ausführung. „Wo sind deine Arme? Nicht hängenlassen, sondern anwinkeln und mitnehmen!“ Die Trainerin wird nicht müde, Haltungen zu korrigieren und die Frauen zu loben. „Tolle Leistung, heute haben wir 4,1 km geschafft“, sagt sie. Manche lassen die Trainingsstunde mit einem Schwatz ausklingen. Doch Elke Lange hat es eilig. Sie will noch zum Tanzen.