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Dem Lärm-Geheimnis auf der Spur

Mysteriöser Krach nervt Einwohner von Leppersdorf. Jetzt wurde eine Messanlage aufgestellt.

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© Müllermilch

Von Thomas Drendel

Es ist wieder passiert. Mehrmals. In der Nacht zum 16. Mai hat es das letzte Mal gekracht. Falk Hanitzsch hat auch diesmal den genauen Zeitpunkt aufgezeichnet und eine E-Mail an die Sachsenmilch geschickt. Von dort kommen die unerklärlichen Geräusche. „Jedes Mal schrecke ich nachts hoch und kann nicht mehr einschlafen“, sagt der Leppersdorfer. Er sitzt für die Offene Bürgerliste (OBL) im Wachauer Gemeinderat und ist eine Art Sprecher der Waldstraßenbewohner. In dem kleinen Wohngebiet ist der Lärm besonders laut zu hören. Hier nennen die Bewohner das Getöse, das zu den unterschiedlichsten Tages- und Nachtzeiten zu hören ist, mittlerweile „Saurierbrüllen“.

Mit dieser Messanlage will man die Ursache des Lärms herausbekommen.
Mit dieser Messanlage will man die Ursache des Lärms herausbekommen. © Thorsten Eckert

Vor dem Haus von Falk Hanitzsch hatten sich vor wenigen Tagen ein gutes Dutzend Nachbarn versammelt. Sie protestieren gegen den Krach. „Das geht nun schon mehrere Jahre so. Trotz unserer Hinweise und Beschwerden hat sich nichts geändert!, sagt Frank Gierth. Auch Kathrin Karsch will den Lärm nicht länger hinnehmen. „Gerade während der warmen Jahreszeit lassen wir gerne Fenster nachts offen stehen. Das ist aber nicht möglich, weil es immer wieder knallt.“ Peter Hamann sieht das ähnlich. „Das ist kein Zustand. Das muss sich ändern.“

Gutachten in Auftrag gegeben

Dabei haben die Waldstraßenbewohner schon einiges versucht, um auf das Problem aufmerksam zu machen. „Abgesehen von den Anrufen und E-Mails an die Firma Sachsenmilch wurde von uns bereits ein Gutachten in Auftrag gegeben“, sagt Falk Hanitzsch. Das hat das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Lfulg) angefertigt. Knapp einen Monat lang prüfte ein Experte des Amtes den Lärm. In dieser Zeit stand ein Messgerät auf der Terrasse des Hauses von Falk Hanitzsch. Das Ergebnis: Der höchste gemessene Wert lag bei mehr als 71 Dezibel. Zulässig ist ein Spitzenwert von 60 Dezibel. Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie werden Geräusche ab 55 Dezibel am Tag als Lärm eingestuft. Lärm über 65 Dezibel ist gesundheitsschädlich. Werden die Werte dauerhaft überschritten, dann kann es zu Stresssymptomen kommen wie Schlafstörungen und Bluthochdruck. Zum Vergleich: 40  bis 60 Dezibel ist normale Gesprächslautstärke. 60 bis 80 Dezibel erreicht ein lautes Gespräch, eine Schreibmaschine oder ein vorbeifahrendes Auto.

Grenzwerte deutlich überschritten

Nach Angaben des Gutachters wurden an der Waldstraße in Leppersdorf die Grenzwerte an mehreren Tagen deutlich überschritten. Als Ursache vermutet Lärmexperte Uwe Wollmann vom Landesamt ein Ausblasventil einer Dampfleitung. „Die einzelnen und unregelmäßigen Geräusche von Anlagenteilen der Sachsenmilch AG führen auf dem Grundstück an der Waldstraße zu einer sehr starken Beeinträchtigung der Wohnqualität“, heißt es in dem Gutachten. Uwe Wollmann empfiehlt, genaue schalltechnische Untersuchungen, um die Lärmquelle zu ermitteln oder Lärmschutzmaßnahmen zu ergreifen.

Inzwischen hat das Molkerei-Unternehmen reagiert. Auf dem Dach des Werksverkaufes ist ein Messgerät installiert. „Wie angekündigt arbeiten wir an der Lösung des Themas“, teilt Alexander Truhlar, Sprecher der Müller Gruppe, mit. Doch noch immer ist unklar, woher der Lärm eigentlich kommt. „Wir haben keine Ahnung, was ihn auslöst“, sagte vor wenigen Tagen der Technische Leiter von Sachsenmilch, Dr. Frank Weile. Er vermutet, dass sich ein Ventil bei einem bestimmten Druck mit einem Knall oder mit dem länger andauernden Röhren bemerkbar macht. Bei der großen Anzahl solcher Bauteile sei es für das Unternehmen aber schwierig, das Richtige herauszufinden.

Bis die Ursache gefunden ist

Nach seinen Angaben hat sich das Unternehmen dazu entschlossen, die Messanlage dauerhaft zu installieren. Sie soll so lange in Betrieb bleiben, bis die Ursache gefunden ist. „Wir bitten um Verständnis, dass wir bis zum Vorliegen eines Ergebnisses keine weitere Auskunft geben können“, sagt Alexander Truhlar. Nach Angaben von Falk Hanitzsch gab es zumindest am zurückliegenden Wochenende kein neues Getöse. „Vielleicht ist das ja der Anfang von einer Wende zum Guten“, sagt er. Endgültig Entwarnung will er noch nicht geben. Dazu mussten er sich und die anderen Bewohner der Waldstraße in Leppersdorf zu oft eines Besseren belehren lassen.