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Dem Schatten so fern

Kaum ein Job ist in diesen Tagen schweißtreibender als der des Dachdeckers. Robert Nimtschke nimmt es cool.

© Christian Juppe

Von Henry Berndt

Hitze hin oder hier, dieses Dach ist was für Liebhaber. Seit drei Jahren ist Dachdeckermeister Robert Nimtschke damit beschäftigt, das frühere 40. Hebewerk an der Pfotenhauerstraße neu einzudecken. Auf Schatten braucht er hier oben über den Dächern der Johannstadt nicht zu warten. Unerbittlich brennt die Sonne auf die roten Biberschwanzziegel und jeden, der sich ihnen nähert.

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Einst wurde in diesem historischen Gebäude anno 1901 der Zoll von fahrenden Händlern erworben, die in die Stadt wollten. Zuletzt verfiel das schmucke Häuschen aber über viele Jahre, bis ein Privatmann es 2015 von der Stadt erwarb und sich an die Sanierung machte. Das Dach hatte oberste Priorität. Robert Nimtschke war gefragt. „Der Zustand war wirklich erbärmlich“, erinnert sich der 38-Jährige. Es regnete rein, Stürme taten das Übrige. „Wir mussten alles neu machen, jetzt sind nur noch kleine Restarbeiten dran.“

Vertrauen und Grundbräune

Die meisten Büromenschen, die schon im Frühling über die ausgefallene Klimaanlage stöhnen, würden in diesen Tagen hier oben keine fünf Minuten aushalten – mal ganz abgesehen von der schwindelerregenden Höhe. Robert Nimtschke und sein Team sind dagegen längst hart im Nehmen, zumal der Meister auch privat oft und gern draußen klettert. Mit Vorliebe in den Bergen der Alpen. „Das hilft natürlich sehr“, sagt er. „Vertrauen in das Gleichgewicht ist das A und O.“

Auch bei weit über 30 Grad im Schatten gehen die Dachdecker gerade stundenlang am Stück ihrer Arbeit nach. „Man glaubt gar nicht, wie warm es im April schon da oben werden kann“, sagt Nimtschke. „Ich creme mich im Frühling zweimal ein, dann habe ich genug Grundbräune.“ Nur den Kopf und die Schultern schützt er jetzt noch morgens. Im Hochsommer steht er dann meist ohne Shirt auf dem Dach. Dafür trägt er eine Kappe auf seiner Glatze und stets seine dicken langen Cordhosen. „Das mag erstmal verrückt erscheinen, aber das hat etwas mit der Sicherheit zu tun“, sagt er. Außerdem kann er in den Taschen sein Werkzeug verstauen. An den Füßen trägt er feste Dachdeckerschuhe mit Autoreifen-Profil. Damit hat er auch ohne Sicherung auf der Schräge Halt.

In den Mittagsstunden setzt die Sonne so langsam auch ihm zu. Zeit für eine Pause. „Mit 20 wäre das alles kein Problem gewesen“, sagt er. „Inzwischen merkt man das schon mehr.“ Etwa fünf Liter trinkt er jeden Tag und schwitzt sie direkt wieder aus. In seltenen Fällen beantragt er auch Ausnahmegenehmigungen, damit er schon morgens 5 Uhr anfangen kann.

Man kann nur erahnen, wie es sich im Sommer da oben bei schwarzen Ziegeln oder Dachpappe anfühlen würde. „Dann geht mittags wirklich nichts mehr“, sagt Nimtschke. Kollegen von ihm hätten im Sommer auch schon Eier auf Schieferdächern gebraten. „Innerhalb von zwei Minuten waren die durch.“

Naja, er hat es ja nicht anders gewollt. 1996 habe er vor der Entscheidung gestanden: Bankkaufmann oder Dachdecker? Nach drei Monaten Lehre bereute er zunächst seine Entscheidung für das Dach. „Heute bin ich überglücklich damit. Ich liebe dieses Handwerk.“ 2002 machte Nimtschke seinen Meister und sich sofort selbstständig. Heute beschäftigt er in seinem Betrieb fünf Leute und ist spezialisiert auf denkmalgeschützte Gebäude wie dieses 40. Hebewerk hier. „Solche Herausforderungen machen einfach Spaß“, sagt er. Was sind da schon 40 Grad?

Wenn Ihnen also das nächste Mal am Arbeitsplatz die Hitze zu schaffen macht. Denken Sie einfach an Robert Nimtschke. Das kühlt ungemein!