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Dem Wolf auf der Spur

Ein Forschungsteam will herausfinden, wie die Raubtiere von Straßen und Schienen ferngehalten werden können.

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Von Sven Görner

Aufmerksam läuft Moritz auf seinem gewohnten Weg durch das Gehege in Moritzburg. Wie sein Bruder August wurde er 2008 im Wildgehege des Staatsbetriebes Sachsenforst geboren. Als der Rüde gerade durch einen der Durchlässe in einen anderen Teil der Anlage wechseln will, ertönt plötzlich ein leises Zischen.

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Moritz spitzt die Ohren und stutzt. Doch schließlich will er weiterlaufen – und bleibt wie angewurzelt stehen. Ein unbekannter, ihn irritierender Duft umspielt seine feine Nase. Der Wolf scheint nicht so recht zu wissen, was er davon halten soll. Bedeutet der Geruch Gefahr oder kann er ihn ignorieren? Letztlich siegt die Vorsicht, denn Wölfe sind intelligent. Und so lässt Moritz den Durchschlupf links liegen und macht sich erneut auf den Weg durch das Gehege.

Das Zischen und der Duft gehören zu einem Forschungsprojekt, das derzeit in Moritzburg läuft. Zwei Studenten der Fakultät Umweltwissenschaften der TU Dresden wollen im Rahmen ihrer Masterarbeiten herausfinden, wie sich freilebende Wölfe von Verkehrswegen fernhalten lassen. Ihre Forschungsergebnisse sollen helfen, Verluste unter den geschützten Tieren zu verringern. Denn Straßen und Schienen sind die größte Gefahr. Von 33 seit 2006 in Sachsen und Brandenburg tot aufgefunden Wölfen wurden 25 überfahren.

Der Aufbau weiterer Zäune entlang neuer oder vorhandener Trassen ist keine Lösung. Durch sie würden weitere künstliche Biotopinseln entstehen, zwischen denen die verschieden Tierarten nicht oder nur noch schwer hin und her wechseln könnten. „Die Deutsche Bahn ist daher für den Ausbau der Strecke Knappenrode-Horka an die TU herangetreten, damit wir Möglichkeiten finden, den Wolf zeitlich begrenzt von den Schienen fernzuhalten“, sagt Astrid Maack, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Dozentur für Wildökologie und Jagdkunde. Die grauen Räuber sollen auf diese Weise nur dann von den Gleisen vertrieben werden, wenn ein Zug naht.

Inzwischen hat auch Lilly, die ein Jahr jüngere Schwester von Moritz und August, den Durchschlupf in der Palisade erreicht. Sie ist im Gegensatz zu ihren Brüdern eine Draufgängerin, die nicht so schnell kleinbei gibt. Doch auch Lilly bleibt wie vor einer Wand stehen, nachdem die von ihr passierte Lichtschranke den Sprühstoß aktiviert hat. „Wölfe reagieren natürlich auch auf Töne und optische Reize“, erklärt Astrid Maack. Darum führen die Masterstudenten auch in dieser Richtung Versuche durch. „Interessant ist dabei nicht nur, durch welche Düfte, Töne oder sichtbare Effekte sich Wölfe davon abhalten lassen, ein bestimmtes Gebiet zu betreten“, sagt die Uni-Mitarbeiterin, die Studenten bei ihren Arbeiten betreut.

Nicht weniger wichtig sei, herauszufinden, ob die Wölfe dadurch das Terrain möglicherweise sogar dauerhaft meiden, was nicht erwünscht ist. Oder ob sie sich relativ schnell an die Fernhaltungsmaßnahme gewöhnen. „Was am Ende erfolgversprechend sein wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen“, so Astrid Maack. Denn die Studenten sind noch mitten in ihren Forschungen. Fest stehe indes schon jetzt, dass der Test der schließlich ausgewählten Technik und Maßnahmen an der Strecke Knappenrode-Horka ebenfalls wissenschaftlich begleitet werden soll.