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Politik

Demo gegen Corona-Politik größer als erwartet

Nach einem Urteil dürfen die Demonstranten durch Berlin ziehen - und es sind sehr viele. Die Polizei ist stark gefordert - nicht alle gehen auf Abstand.

Mehrere zehntausend Menschen waren zur Demo mit Abschluss an der Straße des 17. Juni nach Berlin gekommen.
Mehrere zehntausend Menschen waren zur Demo mit Abschluss an der Straße des 17. Juni nach Berlin gekommen. © Michael Kappeler/dpa

Von Andreas Rabenstein und Lukas Dubro

Berlin. Auf etwa drei Kilometern Länge reihen sich die Demonstranten in Berlins Hauptstadt aneinander. Es sind mehrere Zehntausend, die sich gegen die staatlichen Corona-Auflagen auflehnen. Für die Veranstalter der umstrittenen Protestdemo scheint ihr Konzept aufzugehen: Aus vielen Teilen Deutschlands kommt eine bunte Mischung an Demonstranten - und sie sind deutlich mehr als von Polizei und Organisatoren erwartet. Sie versammeln sich an den zentralen Plätzen Berlins - am Brandenburger Tor, dem Großen Stern und an der Straße des 17. Juni. Auch einen Kennedy holen die Veranstalter der Initiative Querdenken auf die Bühne.

Die Polizei wollte die Versammlungen eigentlich unterbinden mit Verweis auf den Gesundheitsschutz in Corona-Zeiten - doch Gerichte kippten das Verbot der Behörden. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) geriet in die Kritik. Die Stimmung war schon Tage vor den großen Demos aufgeheizt. Geisel hatte sich vor allem angesichts "einer Mobilisierung unter Rechtsextremisten" besorgt gezeigt. Und er sieht sich auch bestätigt: Es sei zu gewalttätigen Auseinandersetzungen vor der Russischen Botschaft gekommen, sagte er am Abend. Allein dort, wo sich sogenannte Reichbürger und Rechtsextremisten sammelten, wurden 200 Menschen festgenommen - den ganzen Tag über waren es rund 300.

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Die Polizei nimmt Vegan-Koch Attila Hildmann in Gewahrsam bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen.
Die Polizei nimmt Vegan-Koch Attila Hildmann in Gewahrsam bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen. © Kay Nietfeld/dpa

Der Demo-Tag begann am Samstagvormittag friedlich. "Widerstand!" rufen die Protestler lautstark. Viele haben Transparente dabei und Fahnen. Während die Bundesregierung über Maskenpflicht, Bußgeld und Reiserückkehrer in der Corona-Krise ddebattiert, treibt sie der Protest gegen staatliche Corona-Auflagen auf die Straße. Sie wollen Schluss machen mit den lästigen Alltagsbeschränkungen - und kreiden der Regierung offenen Rechtsbruch an. "Schuldig" ist auf Schildern mit Konterfeis von Regierungspolitikern und Wissenschaftlern zu lesen - sie alle, darunter die Kanzlerin, sind in gestreifter Häftlingskleidung abgebildet.

Die Polizei ist mit rund 3.000 Kräften im Einsatz. Sie sperrt Zugänge und Straßen, auch Wasserwerfer stehen bereit. Die Zahl der Demonstranten wächst schon am Samstagvormittag schnell: Zunächst spricht die Polizei von rund 18 000 Teilnehmern auf der Friedrichstraße und Unter den Linden, später am Nachmittag von "mehreren Zehntausend", am Abend nennt der Innensenator die Zahl von 38 000 Teilnehmern.

Ein Mann hält eine Reichsflagge bei einem Protest gegen die Corona-Maßnahmen vor der russischen Botschaft.
Ein Mann hält eine Reichsflagge bei einem Protest gegen die Corona-Maßnahmen vor der russischen Botschaft. © Christoph Soeder/dpa

Zeitweise kommt meditative Musik aus Lautsprechern vor der Bühne am Großen Stern. Initiator Michael Ballweg von Querdenken aus Stuttgart legt eine Hand auf sein Herz - es soll auch Zeit sein, zu schweigen und sich zu besinnen, ist wohl die Botschaft. Vor allem aber fordert Ballweg, dass Schluss sein müsse mit den Gesetzen zum Schutz vor dem Coronavirus. Auch der Fußballweltmeister von 1990, Thomas Berthold, tritt auf. Riesen-Applaus bekommt US-Rechtsanwalt, Umweltaktivist und Impfgegner Robert Francis Kennedy junior. Der Neffe des US-Präsidenten John F. Kennedy wendet sich in seiner Ansprache gegen den Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes und warnt vor einem Überwachungsstaat.

"Masken Weg!" steht auf dem "Mundschutz" eines Teilnehmers einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen.
"Masken Weg!" steht auf dem "Mundschutz" eines Teilnehmers einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen. © Michael Kappeler/dpa

Die Polizei hat derweil die Abstandsregeln wegen der Infektionsgefahr bei der großen Kundgebung an der Straße des 17. Juni im Auge, der Zustrom an Menschen ist groß. Aufgelöst wird die Versammlung - anders als am Vormittag - aber nicht. Die Mischung der Demonstranten in der Hauptstadt ist vielfältig: Männer und Frauen, Junge und Alte, auch Familien mit Kindern sind dabei. Viele Dialekte sind zu hören. Zwischen den bürgerlich aussehenden Demonstranten sind auch Menschen mit Reichsadler-Flaggen auf, T-Shirts mit Frakturschrift sind zu sehen. Als rechtsextrem erkennbare Demonstranten machen nach Einschätzung von Demo-Beobachtern aber einen kleinen Teil aus.

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In den sozialen Medien tauchen auch erste Falschmeldungen über die Zahl der Teilnehmer: 8,5 Millionen Protestierende sind demnach vermeintlich in der Hauptstadt unterwegs. Auch der Thüringer AfD-Rechtsaußen Björn Höcke spricht von Hunderttausenden, "wenn nicht Millionen". Schon bei der Demo am 1. August gegen die Corona-Politik wurde die Teilnehmerzahl massiv auf über eine Million aufgeblasen, obwohl nur wenige Zehntausend dabei waren. (dpa)

Teilnehmer der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen halten Schilder mit Fotomontagen von Politikern, Journalisten und Wissenschaftlern jeweils mit Namen, in Sträflingskleidung und dem Wort "Schuldig".
Teilnehmer der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen halten Schilder mit Fotomontagen von Politikern, Journalisten und Wissenschaftlern jeweils mit Namen, in Sträflingskleidung und dem Wort "Schuldig". © Michael Kappeler/dpa

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