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„Wir wollen, dass Schwache geschützt werden“

Für eine Übergangszeit führt Heiko Franke die Evangelische Akademie – die will ein Ort sein, der die Gesellschaft stärkt.

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Eigentlich ist Heiko Franke Rektor des Pastoralkollegs, an dem Pfarrer und Pfarrerinnen ausgebildet werden. Nun betreut er auch die Arbeit der Evangelischen Akademie.
Eigentlich ist Heiko Franke Rektor des Pastoralkollegs, an dem Pfarrer und Pfarrerinnen ausgebildet werden. Nun betreut er auch die Arbeit der Evangelischen Akademie. © Claudia Hübschmann

Meißen. Nachdem Johannes Bilz im vergangenen Jahr die Evangelische Akademie verlassen hat, wird nach einem Nachfolger gesucht. Erster Ansprechpartner ist bis auf weiteres Heiko Franke. Die SZ sprach mit ihm.

Herr Franke, Sie leiten die Akademie übergangsweise. Eigentlich leiten Sie das Pastoralkolleg. Was muss man sich darunter vorstellen?

Ich bin seit 2017 der Rektor des Pastoralkollegs. Es dient der Fortbildung für Pfarrer und Pfarrerinnen, aber auch für Gemeindemitglieder, die Gottesdienste ehrenamtlich leiten und für andere kirchliche Mitarbeiter.

Sie sind „nur“ vertretungsweise Akademiechef, wollen Sie trotzdem eigene Akzente setzen?

Zunächst war wichtig, dass nach dem Ende der Dienstzeit von Johannes Bilz die Akademie einen Leiter hat. Ich sehe meine Aufgabe nicht zuerst darin, eigene Akzente zu setzen, sondern der Akademie zu dienen, indem ich helfe, die Übergangszeit gut zu gestalten.

Gibt es Überlegungen, wann der neue Akademiedirektor kommen soll?

Ja, die gibt es. Die Akademie wird umstrukturiert, und in diesem Prozess wird auch die Stelle des Direktors wieder besetzt. Wir haben aber weder einen Termin noch eine Person, und es gibt auch noch keine Ausschreibung.

Die Akademie will kein Ort sein, wo sich wohlbetuchte Ruheständler mal ein schönes Wochenende machen. Sie will ein Ort der Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftliche Themen sein – kann man das so formulieren?

Ja, das kann man so sagen. Die Akademien verstehen sich überall in Deutschland als Orte, wo Kirche mit Menschen aus der Gesellschaft aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen kontrovers diskutiert. Es geht ihnen darum, christliche Positionen ins Gespräch einzubringen. Dass sich unsere Gäste trotzdem dabei ein schönes Wochenende machen, muss sich nicht ausschließen.

Ihre erste Tagung in diesem Jahr sollte sich mit dem Thema 1989 und die Ökonomisierung der Welt befassen. Sie musste wegen mangelnder Nachfrage ausfallen. Ist das Ausdruck einer Abwendung vom Politischen?

Das will ich nicht hoffen. Einrichtungen, die Bildung anbieten, haben manchmal auch Ausfälle. Das tut mir leid und das um so mehr, als es uns nicht darum ging, einfach auf die Ereignisse zurückzuschauen, sondern zu fragen, wie sie sich im Zeitalter der Globalisierung ausgewirkt haben. Wir wollten Veränderung und Verwerfungen, mit denen wir heute noch zu tun haben, bedenken.

Schaut man weiter ins Programm, so findet sich im März eine Tagung, bei der es um demokratieskeptische oder gar demokratiefeindliche Jugendliche geht. Was soll da erreicht werden?

An solchen Themen kann man erkennen, dass die Akademie die innere Verfasstheit der Gesellschaft nicht rein akademisch betrachtet, sondern wirklich konkret. Es geht darum, mit Menschen zu reden, die mit solchen Jugendlichen zu tun haben, mit Multiplikatoren und Vertretern von Vereinen und Verbänden.

Versteht sich also die Akademie als Ort für Angebote, die der Demokratie dienen sollen, weniger als Staatsform, sondern als Art und Weise des Zusammenlebens in einem Gemeinwesen?

Unbedingt! Wir bieten ein Forum des Austauschs über Konflikte, denn Demokratie ist weder reine Theorie noch ein bloßes System – sie muss mit Leben erfüllt werden. Demokratie ist ein großes Geschenk, das wir an die nächste Generation weiter geben wollen.

Werden christliche Werte wie Nächstenliebe, in der Gesellschaft sprechen wir von Solidarität, nicht immer mehr in Zweifel gezogen?

Ja, deshalb machen wir uns für diese Werte stark. Denn wir wollen eine Gesellschaft, die Schwache schützt, wo Menschen füreinander einstehen. Die Aufkündigung von Solidarität bedeutet die Beschädigung des Fundamentes unserer Gesellschaft.

Sie beschäftigen sich auch mit Themen wie Heimat und Patriotismus, die von den Neuen Rechten vereinnahmt werden. Warum?

Es geht um die Auseinandersetzung mit solchen Phänomenen, um die Entwicklung von Gegenstrategien und schlicht um die Vergewisserung des eigenen Auftrages: Es geht darum, auf Menschen zuzugehen, nicht darum, sie zu vereinnahmen.

Die Landeskirche steht unter massivem Druck: weniger Mitglieder, weniger Geld. Müsste man nicht neue Formen finden, um kirchliches Leben zu erhalten, auch für die Menschen, die Atheisten sind?

Ich glaube, wir müssen uns auf das besinnen, was wir haben. Etwa, dass Hauptberufliche und Ehrenamtliche gemeinsam Kirche gestalten.

Gespräch: Udo Lemke