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„Demokratie muss gelebt werden“

Ministerpräsident Michael Kretschmer gab in Kamenz auf der CDU-Regionalkonferenz zum Thema Bildung selbst ein Beispiel.

© dpa

Von Frank Oehl

Kamenz. Voller Saal am Dienstagabend im Hotel Stadt Dresden. Zum Thema „Bildung macht Sachsen stark“ hatte die CDU zur Regionalkonferenz geladen. Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte seinen Fachminister Christian Piwarz sowie den Präsidenten der Berufsakademie Sachsen, Professor Dr. Andreas Hänsel, dabei. Chemnitz wurde nur am Rande erwähnt – und war dennoch präsent. Zum Beispiel in der Antwort Kretschmers auf die angefragte Finanzlücke in der politischen Familien- und Erwachsenenbildung, wo Sachsen – im Gegensatz zur Pisa-Studie – nur den vorletzten Platz im Länderranking einnimmt. „Wir werden in diesem Bildungssegment ab 2019 von sieben auf 9,5 Millionen Euro im Jahr zulegen“, sagte Kretschmer. Wobei er betonte, dass für ihn Demokratie „keine Volkserziehung“ sei. „Sie muss gelebt werden, zum Beispiel, wenn eine Schülerratswahl auch wirklich eine Wahl ist.“

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Immerhin gibt die neue Staatsregierung selbst ein Beispiel, wie Demokratie leben kann. Indem man auf die Leute zugeht, sie Fragen stellen lässt und ihnen zuhört. Auf Augenhöhe, was auch im Stadt Dresden gelang. Die Protagonisten nahmen die Mitte des Saales ein, und die Fragenden traten zu ihnen ans Mikrofon. Mathelehrer Lothar Tischer aus Kamenz zum Beispiel wollte wissen, was vom 1,7 Milliarden Euro schweren „Maßnahmepaket“ in Sachen Bildung bei jenen Lehrern ankommt, die aus Altersgründen nicht mehr für die Verbeamtung infrage kommen.

Eduard Luhmann aus Ralbitz-Rosenthal regte eine höhere Förderquote für den Bau der neuen sorbischen Kita an, damit das Vorhaben nicht zu einem fünfjährigen Stillstand im Ort an anderer Stelle führe. Thilo Sauer, der als Seiteneinsteiger eine Ausbildung zum Erzieher absolviert, brachte die Abschaffung der Kita-Gebühren als weiteren Kinderwunsch-Antreiber ins Spiel.

Wolfgang Heichel aus Kamenz kritisierte, dass fast 50 Prozent der Schüler auf’s Gymnasium gehen, wo doch die Oberschule die „zentrale Säule“ des sächsischen Bildungssystems sein soll, wie Piwarz in seinem Eingangstatement bekräftigt hatte. „Heute können allein die Eltern entschieden – wo gibt‘s denn so was?“ Und Henry Nitzsche aus Oßling erinnerte an den Oberschul-Exodus in Sachsen, der ja erst zur Gründung der Evangelischen Mittelschule Oßling geführt hatte, deren Altbau nun dringend für 3,2 Mio Euro saniert werden müsste. Allerdings bei unzureichender staatlicher Förderung, die in vielen Einzeltöpfen zerfasere.

Die Freistaatenlenker, die erst seit neun Monaten im Amt sind, schafften den Spagat von fachspezifischer Selbstkritik (Lehrermangel!) und Tatkraftvermittlung, was die Zukunft des Gesamtthemas Bildung betrifft. Piwarz gab den „überzeugten Förderralisten“, wie er sagte. „Wenn ich Bildungsqualität im Blick habe, kann ich kein Anhänger eines bundesweit einheitlichen Bildungssystems sein.“ Gleichwohl brauche es das Einheitsabitur, um Leistungen wirklich vergleichbar zu machen. Eine einseitige Fokussierung auf die Lehrerverbeamtung lehnte er ab, aber es bleibe bei dem Ziel, dass, wer in Sachsen Lehramt studiert, auch in Sachsen lehren soll, wie es auch Kretschmer formuliert hatte. Piwarz: „Dazu müssen wir freundlicher und irgendwie auch cooler werden bei der Lehreranwerbung.“ Das beginne schon in der Schule und setzte sich in einer vernünftigen Studienlenkung fort – was die wirklich gebrauchten Fächerkombinationen betrifft.

Die ausgesprochen friedlich-konstruktive Debatte in Kamenz ging fast eine Stunde länger als geplant. Daran hatte auch die Übergabe der „Herzblut-Pakete“ an Ehrenamtliche der Region eine Aktie. Geehrt wurden: Stadtwerkstatt Kamenz, IG Kirchenlehn Ohorn, die Pferdesportvereine am Klosterwasser und Haselbachtal, CV Oberlichtenau, SV Lok Kamenz, Heimat- und Geschichtsverein Ohorn, Landeskirchliche Gemeinschaft Friedersdorf, FFw Ralbitz, Jugendfeuerwehr Ralbitz-Rosenthal, Dorf- und Heimatverein Kleinwolmsdorf