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„Den Roma sind die Türen oft versperrt“

Pirnaer beschäftigen sich mit dem Schicksal der Sinti und Roma in Tschechien. Jetzt zeigen sie eine Ausstellung in Prag.

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Initiator Klaus Fiedler vor den Ausstellungs-Tafeln. Die Schau war vor reichlich zwei Jahren im Pirnaer Landratsamt zu sehen.
Initiator Klaus Fiedler vor den Ausstellungs-Tafeln. Die Schau war vor reichlich zwei Jahren im Pirnaer Landratsamt zu sehen. © Marko Förster

Die Pirnaer SPD-Arbeitsgemeinschaft Euroregion Elbe-Labe zeigt ab Anfang April eine gemeinsam mit dem Roma-Verein „Indigo“ Decin entwickelte Ausstellung in Prag. Die Schau setzt sich mit der Vergangenheit und Gegenwart der Roma und Sinti in Tschechien auseinander. Der Organisator der Ausstellung, SPD-AG-Koordinator Klaus Fiedler aus Pirna, erläutert, warum das Thema gerade jetzt so wichtig ist.

Herr Fiedler, warum erarbeiten Pirnaer eine Ausstellung über Roma und Sinti in Tschechien?

Weil niemand sonst bisher öffentlich diesen Überblick gibt. Die Ausstellung erinnert an die Geschichte der Roma und Sinti in Böhmen und Mähren mit besonderem Schwerpunkt auf der NS-Zeit. Der Rassenwahn der Nazis hat viele Menschen dieser Volksgruppe das Leben gekostet. Das Besondere an der Schau ist aber, dass sie bei der Historie nicht stehen bleibt. Viel Raum ist den Biografien von Roma im heutigen Tschechien gewidmet und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung in unserem Nachbarland. Die Roma sind im modernen Leben angekommen und möchten es gestalten. Leider sind ihnen die Türen oftmals versperrt, nicht nur in Tschechien.

Die Ausstellung ist bereits durch mehrere Städte in Deutschland und Tschechien gewandert. Einmal wurde sie abgesagt – 2014 in der Sebnitzer Nachbarstadt Dolni Poustevna, weil die Stimmung gegenüber den Roma zu dieser Zeit in Tschechien sehr angespannt war. Wie ist die Situation heute?

Die Roma müssen sich nach wie vor mit große Ressentiments in Teilen der Bevölkerung auseinandersetzen. Genau deshalb ist die Ausstellung so wichtig. In einer Zeit, in der Feindseligkeiten gegen die Roma wieder zunehmen, wollen wir mit der Ausstellung dagegenhalten. Sie dient einer besseren Völkerverständigung in unserer grenzüberschreitenden Region. Unter anderem zeigt sie am Beispiel der Arbeit des Roma-Zentrums in Decin-Boletice, wie die Integration der Roma in die tschechische Gesellschaft unter Wahrung ihrer Kultur gelingen kann. Ich bin dem Haus der nationalen Minderheiten in Prag sehr dankbar, dass wir die Schau dort zeigen dürfen. Ich war überrascht von der Herzlichkeit und Unterstützung, die mir Jakub Stedron, der junge, engagierte Direktor, entgegengebracht hat.

Woher rührt Ihr Interesse am Schicksal und am Leben der Roma?

Gemeinsam mit der Pirnaer SPD-Arbeitsgemeinschaft Elbe-Labe arbeite ich schon viele Jahre mit dem Roma-Zentrum in Decin zusammen. Ich weiß aus den Erfahrungen dort, wie schwer es die Roma haben, Anerkennung zu finden und Bildungschancen für ihre Kinder zu wahren. Als SPD-AG sammeln wir jedes Jahr Spenden für Projekte im Roma-Zentrum, wir haben zum Beispiel 2018 ein integratives Ferienlager mit Kindern aus Roma-, tschechischen und deutschen Familien unterstützt. Viele Spender aus Deutschland helfen uns. Für die Ausstellung zum Beispiel hat die Ostsächsische Sparkasse Dresden einen hohen dreistelligen Betrag gegeben, damit wir ansprechende Rahmen für die Tafeln kaufen können. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wird die Ausstellungseröffnung in Prag auf politischer Ebene wahrgenommen?

Oh ja. Eröffnet wird die Ausstellung am 5. April von Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD). Außerdem haben Botschaftsrat Markus Klinger von der Deutschen Botschaft Prag, der Pirnaer Vize-Landrat Heiko Weigel, der Bürgermeister von Hohnstein, Daniel Brade, vom Verein Sandstein und Musik der Vorsitzende Klaus Brähmig und andere Personen des öffentlichen Lebens zugesagt. Von tschechischer Seite werden unter anderem der ehemalige Ministerpräsident Vladimir Spidla, die Leiterin des Amtes für nationale Minderheiten in Prag, Jana Hajná, sowie Lukas Pokorny aus dem tschechischen Ministerium für Internationale Beziehungen dabei sein. Enttäuscht bin ich, dass mich weder von der Stadt Pirna noch vom Deciner Magistrat eine Zusage erreichte bei diesem wichtigen Thema.

Interview: Christian Eißner

Ausstellung vom 6. bis 30. April 2019 im Haus der nationalen Minderheiten in Prag, Straße Vocelova 3, Prag 1. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr.