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Denkmal beschädigt

An den Stelen, die an die Opfer des Zweiten Weltkrieges erinnern, wurden 20 Buchstaben entfernt. Nicht zum ersten Mal.

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© Sebastian Schultz

Von Jürgen Müller

Stauchitz. Als Helmut Richter mit seinem Urenkel spazieren ging, traute er seinen Augen nicht. An den drei Stelen eines Denkmals, das an die Opfer des Zweiten Weltkrieges erinnert, wurden etwa 20 Buchstaben abgeschlagen. Nicht zum ersten Mal wurde dieses Denkmal geschändet. Schon vor Jahren wurden aus den Stelen Buchstaben herausgebrochen.

Helmut Richter, der früher auch mal Gemeinderat war, ärgert das vor allem deshalb, weil er einer der Initiatoren war, die dieses Denkmal vor genau 20 Jahren aufstellen ließen, anlässlich des 50. Jahrestages des Kriegsendes. „Es hatten sich damals Menschen unterschiedlicher Weltanschauungen wie Karl Hölzl, Rudolf Schneider, Eberhard Mühle, Matthias Fiebiger und ich zusammengefunden, um einen solchen Ort des Gedenkens einzurichten. Diese Buchstaben fallen nicht einfach so ab“, sagt der Stauchitzer. Das Denkmal wurde damals aus Spendengeldern errichtet, eine Firma machte kostenlos die Pflasterarbeiten als Sachleistungen. Im Ort gibt es bereits ein Denkmal, das an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 erinnert und eines an die Opfer des Ersten Weltkrieges. Beide befinden sich mitten im Ort, wurden bisher noch nicht geschändet, während die Stelen etwas abseitsstehen.

Purer Vandalismus

Der damalige Mitorganisator Matthias Fiebiger vermutet keinen politischen Hintergrund, sondern puren Vandalismus und Zerstörungswut. Das Denkmal liegt am Weg zwischen Stauchitz und Hof. Leicht möglich, dass Schüler auf dem Nachhauseweg nach Hof hier ihr Unwesen treiben.

Das Denkmal steht auf Grund und Boden der Gemeinde, die ist auch dafür verantwortlich. Die Buchstaben seien nach und nach verschwunden, sagt Bürgermeister Frank Seifert (parteilos). Die Gemeinde hat inzwischen die Firma Naturstein Dräger aus Salbitz damit beauftragt, die fehlenden Buchstaben zu ersetzen. Bereits vor acht Wochen sei der Auftrag für rund 1 500 Euro ausgeschrieben, die Buchstaben bestellt worden, so der Bürgermeister. Möglichst noch in diesem Jahr solle das Denkmal wieder in Ordnung gebracht werden, verspricht er. Das will auch Jürgen Dräger, Chef der beauftragten Firma, schaffen. Die Buchstaben seien am Freitag vergangener Woche eingetroffen. „Wir wollen versuchen, dass in dieser oder spätestens in der nächsten Woche hinzukriegen, obwohl wir da schon Betriebsruhe haben“, sagt der Firmeninhaber.

Wetter muss mitspielen

Erneuert werden übrigens nicht nur die fehlenden Buchstaben, sondern alle der Inschrift „Den Opfern zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung“. Grund ist, dass die vorhandene Schrift, die einst ein Riesaer Steinmetz verwendete, nicht mehr lieferbar ist. Um die Buchstaben anzubringen, muss allerdings auch das Wetter mitspielen. Bei Regen oder Frost wird es schwierig. Die neue Schrift soll übrigens vandalenfester angebracht werden, damit sie nicht wieder so leicht abgerissen werden kann.

Stauchitz ist kein Einzelfall im Landkreis. Vor einem Monat gab es Schüsse auf Gedenktafeln der Kriegsgräberstätte Ehrenhain Zeithain. Auch die Inschrift eines Gedenksteins im Waldstück zwischen Lampertswalde und Weißig am Raschütz wurde entstellt. Ursprünglich stand darauf: „Den Befreiern unserer Heimat von Faschismus und Krieg im ehrenden Gedenken“. Ein unbekannter Täter hat aber drei der sechs Zeilen von dem Granitstein abgemeißelt.