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Denkmal gerettet?

Die Stadt verkauft die alte Schule im Kurort Hartha unter Wert an einen Privaten. Das sorgt für Diskussionen.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Verena Schulenburg

Kurort Hartha. Es ist bereits kurz nach zwölf. Das zeigt zumindest die Turmuhr an, hoch über dem Dach der alten Schule. Seit Jahren schon mag sie nicht von diesem Standpunkt abrücken. Im Tharandter Rathaus hat man dagegen noch Hoffnung. Bevor für das Denkmal auf der Talmühlenstraße im Kurort Hartha jede Hilfe zu spät kommt, haben die Stadtvertreter nun entschieden, das Haus zu verkaufen.

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Es ist ein Schritt, mit dem sich die Stadt lange schwertat. Seit etlichen Jahren will die Rathausspitze die 1863 erbaute Schule loswerden. Die Gebäudesubstanz ist zwar massiv. Eine Modernisierung ist aber erforderlich. Das Haus ist teilweise noch mit einer Ofenheizung ausgestattet. Investieren kann die Stadt nach eigenen Angaben nicht. Die Kosten seien zu groß. Ziel der Verwaltung war es stets aber auch, das Haus nicht unter Wert zu verkaufen. Man habe schließlich nichts zu verschenken. Doch der erhoffte Investor blieb fern. Auch eine Auktion im August 2015 führte keinen geeigneten Interessenten in den Kurort. Die Suche nach dem Retter der alten Schule setzte sich fort.

Nun glauben die Stadtvertreter, diesen gefunden zu haben. Oder mangelt es mittlerweile eher an der Überzeugung, mit dem Verkauf des einstigen Schulhauses ein stolzes Sümmchen in die Stadtkasse zu spülen? Für gerade einmal 115 000 Euro soll das Denkmal den Besitzer wechseln, eine Summe unter Verkehrswert. Im Jahr 2009 bot die Stadt das bis 1945 als Schule und später als Wohnraum genutzte Gebäude noch für 143 000 Euro zum Verkauf an.

Angesichts der derzeit eher steigenden Boden- und Immobilienpreise in der Region, geht die Stadt mit dem Verkauf des Denkmals wohl eher einen Kompromiss ein. „Das Haus weist zahlreiche altersbedingte Mängel auf. Der Sanierungsaufwand ist mittlerweile erheblich“, versuchte Tharandts Bürgermeister Silvio Ziesemer (parteilos) jüngst vor der Verkaufsentscheidung Bedenken einiger Stadträte zu zerstreuen.

Diese Bedenken galten allerdings nicht nur dem Preis, sondern auch dem künftigen Eigentümer. Es ist ein Mann aus Kurort Hartha. Der Ortschaftsrat lehnte einen Verkauf an ihn ab. Zu den Gründen will sich Ortsvorsteher André Kaiser (Freie Wählergemeinschaft) nicht öffentlich äußern. Nur so viel: Im Ortschaftsrat selbst habe es deswegen heftige Diskussionen gegeben. Daher enthielt er sich auch seines Stimmrechtes, als die Entscheidung im Stadtrat fiel, genauso der stellvertretende Bürgermeister Ulrich Pietzarka, der sich ebenfalls für die Freie Wählergemeinschaft im Stadtrat engagiert.

Unsicherheit bleibt aber nicht nur bei Stadträten zurück, sondern auch bei den vier Mietparteien im besagten Haus. Einige von ihnen wohnen bereits seit Jahrzehnten in dem Gebäude und teilen sich den Garten auf dem knapp 1 200 Quadratmeter großen Grundstück. Dem Sanierungsrückstau trotzten sie zum Teil mit handwerklichem Geschick. „Als ich vor 20 Jahren eingezogen bin, habe ich das Bad selbst gefliest“, erzählt einer der Mieter. Reparaturen an seiner Wohnung habe er seitdem in der Regel selbst vorgenommen. Sogar die Stufen im Treppenhaus hübschte er zwischenzeitlich auf. Und nun? „Ich habe keine Ahnung, was der neue Eigentümer vorhat, ob wir hier drin bleiben dürfen oder ob uns erst einmal eine Mieterhöhung ins Haus flattert“, sagt der gebürtige Tharandter besorgt. Er findet es schade, dass die Stadt zunehmend das Schicksal prägnanter kommunaler Häuser, wie der alten Schule, Privaten überlässt.

Der künftige Hausbesitzer sieht der Aufregung gelassen entgegen. Vor etwa einem halben Jahr habe er sein Interesse an dem Gebäude bekundet, erzählt der Harthaer, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Stück für Stück wolle er das Haus künftig sanieren. Er sei zwar selbst nicht vom Fach, kenne aber entsprechende Handwerker für anfallende Arbeiten. Für die Mieter in der alten Schule hat er eine gute Nachricht: „Sie können gern alle wohnen bleiben.“