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Denkmal zum Wohnen

Für sechs Millionen Euro ist aus der Ruine von Schloss Weistropp ein Wohnschloss entstanden – nur noch die Mieter müssen jetzt einziehen.

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© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

Weistropp. Zu den glänzendsten Punkten der Elbe in Dresdner Nähe gehört das auf hohem Berge gelegene Gut Weistropp.“ So stand es im Juni 1838 im „Morgenblatt für gebildete Leser“. Nun ist Schloss Weistropp wieder ein glänzender Punkt, denn die Firma Ventar Immobilien AG hat aus der Ruine für sechs Millionen Euro wieder eine Perle gemacht. Andreas Christl, der Kreisdenkmalpfleger ist voll des Lobes: „Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“ Und: „Hätte Ventar das Schloss nicht angefasst, es hätte keine drei Jahre mehr überlebt.“

Christl erklärt, dass selbst der Dachstuhl Richtung Friedhof, der „immense Schäden aufwies, durchrepariert worden ist und so erhalten werden kann“. Überhaupt seien alle wichtigen Bauteile des Schlosses erhalten worden, auch wenn man nicht alle sehen könne. In der heutigen Anlage steckt nach seiner Aussage Bausubstanz aus dem 14. Jahrhundert, ein Palas – also ein mittelalterlicher Saalbau – aus dem 15. Jahrhundert und ein komplettes Schloss aus dem 16. Jahrhundert. Zusammen mit der Friedhofsmauer, die mit Mitteln des Bundes – „dafür hat sich de Maizière starkgemacht“ – und den laufenden Reparaturen an der Kirche, ist „der Ortskern von Weistropp auf einem guten Weg“.

Dazu gehört auch, das Ventar noch weiter auf dem Areal baut. Denn an der offenen Seite des dreiflügeligen Schlosses steht der langgestreckte Bau des ehemaligen Rittergutes. „Das gesamte Objekt ist historisch sehr wertvoll und steht deshalb als Einzeldenkmal und Kulturdenkmal unter Denkmalschutz“, schreibt Ventar auf seiner Internetpräsenz. Hier will das Unternehmen, das auf die Sanierung und Vermarktung von denkmalgeschützten bzw. historisch hochwertigen Gebäuden spezialisiert ist, Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen einbauen .

„Das Rittergutsgebäude ist im Erdgeschoss in massiver Bauweise als traditioneller Natursteinbau errichtet. Unter dem Erdgeschoss befindet sich ein in traditioneller Bauweise errichteter Keller, der in Ausmaß und Größe einen Vorgängerbau erkennen lässt. Im Bereich des Kellergeschosses bestehen die Gewölbedecken aus Sandstein und handgeformten Ziegeln. Die Ziegelgewölbe im Erdgeschoss sind als Kreuzgewölbe errichtet und zeigen die Nutzung als ehemaliges Stallgebäude.“

Das Gebäude sei als typisches Bauernhaus errichtet, die Außenwände teilweise aus Naturstein erstellt. „Fachwerkwände im Gebäudeinneren und auch teilweise auf der Gebäudeaußenseite runden die bauhistorische Mehrfachüberformung ab.“

Und dann weist das Gutshaus eine Besonderheit auf: „Die Decken aller Erdgeschoss- und Obergeschossräume bestehen aus Holzbalkendecken mit teilweise überdimensionierten Holzbalken mit einer Höhe von 35 bis 40 cm.“ Sieht man das Gutshaus heute, kann man nicht glauben, dass seine Sanierung im November abgeschlossen sein soll. Und selbst, wenn es Anfang kommenden Jahres würde, wäre das sehr schnell.

Vorgemacht hat es Ventar beim Schloss selbst, „die Bauzeit betrug 14 Monate“, erklärt Samer Mohamad, der Geschäftsführer der SMC Deutsche Generalbau GmbH. Er führt gemeinsam mit Uwe Herrmann, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Ventar AG durch das Wohnschloss. „Hier gibt es keine Wohnung, die den gleichen Schnitt hat.“ Und: „Was für andere Luxus ist, ist für uns Standard.“

Und in der Tat, von Treppenhäusern in Granit und gemalten Marmorimitationen bis hin zu den Holzfenstern, den Terrassen und Balkonen wirkt alles sehr qualitätsvoll. Jede Wohnung verfügt über eine schicke Einbauküche, und das Schmuckstück ist eine historisch belassene Wohnung mit alter Holztäfelung und einem riesigen Sandsteinkamin. Achtzehn der neunzehn Wohnungen seien bereits vermietet, nun müssen nur noch die Mieter einziehen, damit das Schloss wieder zu leben anfängt.

Auch der Klipphausener Bürgermeister Gerold Mann (parteilos) ist froh, dass das Schloss Weistropp wieder glänzt. Nicht nur, dass durch das neue Angebot zusätzlicher Wohnraum auf den Markt kommt, freut ihn, sondern auch, dass Ventar im Bestand gebaut hat. Der Bürgermeister möchte, dass mehr vorhandene Gebäude umgenutzt und damit saniert werden, als ständig neue Wohngebiete auf der grünen Wiese auszuweisen.

Was mit Rothschönberg sei, da gäbe es noch ein Schloss umzubauen, lautet die Frage an Uwe Herrmann: „Nein, wir haben jetzt erst einmal genug mit Schlössern zu tun gehabt“, erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende.