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Denkmalbehörde will Windmühle fördern

Familie Jacob und der Denkmalschutz haben sich geeinigt: Es soll Geld für eine Notsanierung geben.

© Kristin Richter

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Über die Kritik von Familie Jacob, die die Weßnitzer Windmühle besitzt und nach dem ersten Mühlenfest nun erneut eine Notsicherung fordert (SZ berichtete), war der Untere Denkmalschutz im Landratsamt nicht begeistert. „Uns würde brennend interessieren, woher die Aussage ‚Uns wurden nur 20 Prozent Förderung der Denkmalpflege in Aussicht gestellt’ stammt“, so Dr. Andreas Christl an die SZ. Laut Edeltraud Jacob wurde ihr diese Zahl Anfang der 90er Jahre genannt, als sie schon einmal einen Antrag auf Zuwendung stellte. Eine weitere Anfrage gab es 2017. „Ohne Antrag und Kostenaufstellung ist keine verlässliche Aussage zum prozentualen Fördersatz zu treffen“, so die Behörde.

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Dach ist nicht mehr zu reparieren

Deshalb hatten Edeltraut und Matthias Jacob nun einen Termin im Denkmalamt, ein Antrag auf Notsicherung des Daches wurde gemeinsam ausgefüllt. „Jetzt bemüht man sich, uns unkompliziert zu helfen“, sagen die Weßnitzer. Vorher herrschte bei ihnen augenscheinlich Mutlosigkeit.

Am Dach der privaten Mühle hat der Zahn der Zeit genagt. Von außen ist zu sehen, dass die 40 Jahre alten Schindeln nicht mehr überall gut abdecken. Auch von innen sind Löcher zu erkennen. „Nach dem Tornado wurde das Dach repariert, aber im Januar gab es ja wieder einen Sturm, nun ist daran nichts mehr zu machen“, erklärt Matthias Jacob. Der Denkmalschutz habe bereits viele, viele Fotos geschossen. Wenn nicht bald was geschehe, könne man zugucken, wie alles in dem Denkmal zerfällt.

Die Weßnitzer Holländerturmwindmühle ist innen allerdings noch komplett bestückt. Die beiden Mahlgänge sind vollständig erhalten, auch der Fahrstuhl für die Getreidesäcke mit Riemenantrieb und die Mehlkammern. Man sieht die Mühlsteine, mit denen das Getreide gemahlen wurde. Die rotierende Bewegung kam vom großen Antriebsrat unterhalb der drehbaren Haube. Es hat fast vier Meter Durchmesser. Angehalten wurde es durch eine hölzerne Bremse. Wo die Mühlenflügel verankert waren, ist ebenfalls noch zu sehen. Außerdem allerhand Gerätschaften.

Die Jacobs haben den Schutzstatus der Mühle nicht aufgegeben, obwohl sie es gekonnt hätten. Doch beiden liegt etwas an dem Familienerbe. Edeltraut Jacob hat als Müllerstochter ihrem Vater Gerhard Lohde noch beim Schroten zugeschaut. „Als ich noch ganz klein war, verschwanden die Flügel, die fast bis zur Erde reichten“, erzählt die Weßnitzerin. Mit Handwagen und Ochsenkarren kamen die Bauern bis Ende der 70er Jahre, um Getreide für die Tiere schroten zu lassen. Heute sieht es hier aus, als sei die Zeit stehengeblieben.

Gerüst ist nicht mehr zu bezahlen

Auf Rollenbahnen ist die drehbare Mühlenhaube gelagert. In den allermeisten Mühlen ist das nicht mehr funktionstüchtig – in Weßnitz schon. 1978 habe die ganze Familie mit angepackt und Geld zusammengelegt, damit damals das Dach neu gedeckt werden konnte. Doch mittlerweile sei das Gebälk morsch. Heute könnten die Jacobs schon das Gerüst nicht mehr bezahlen. Mit dem Mühlenfest am Pfingstmontag, dem deutschen Mühlentag, bekräftigten sie ihren Wunsch, den eindrucksvollen Zeugen einer alten Technologie zu erhalten und öffentlich zu machen. „Dafür brauchen wir Hilfe und Interesse, auch von der Stadtverwaltung“, wünschen sich die Jacobs.

Keine Denkmalgelder für Poliklinik

Dass sie in einer früheren Veröffentlichung den Vergleich zur kreiseigenen, ebenfalls denkmalgeschützten Poliklinik in Großenhain gezogen haben, tut den Jacobs leid. Denn für dieses Vorhaben sind nachweisbar keine Fördermittel aus dem Landesprogramm für Denkmalschutz in Anspruch genommen worden, wie Dr. Christl vom Amt versichert. „Gerade, um das ohnehin zu geringe Budget für private Denkmaleigentümer nicht weiter zu schmälern.“

www.wikiwand.com/de/Liste_der_Windmühlen_in_Sachsen