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Der Amokfahrer von Münster – die Spur in Sachsen

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung in Heidenau fand die Polizei ein Schreiben des 48-Jährigen. Was hatte ihn hierher verschlagen?

Heidenau/Münster. Die sächsische Polizei hat nach SZ-Informationen bereits Ende März versucht, den Amokfahrer von Münster in einer Wohnung in Heidenau aufzufinden. Der Mann hatte zuvor in einem Schreiben Selbstmordabsichten geäußert. Die Polizisten wollten daraufhin nach dem Rechten sehen, trafen Jens R. jedoch nicht an.

Nach der Amokfahrt mit drei Toten und 20 Verletzten in Münster verschaffte sich die Polizei am Wochenende Zugang zu der Wohnung in der Dresdner Straße und fand dort ein Schreiben, in dem R. seine Situation und seine psychische Lage schildert. Dieses Schreiben soll er zuvor an Freunde und Bekannte gemailt haben. Ob Jens R. in Heidenau gemeldet war, ist unklar. Die Stadtverwaltung äußert sich mit Verweis auf Datenschutz nicht. Das Landeskriminalamt Sachsen hat den Einsatz der Polizei in Dresden und Pirna im Auftrag für die Ermittler in Münster koordiniert. Maßgeblich lief er über das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum.

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Auch eine Wohnung in Pirna-Sonnenstein ist nach dem Anschlag von Spezialkräften durchsucht worden. Es handelt sich um eine Mietwohnung in einem DDR-Plattenbau mit 17 Stockwerken, den die Städtische Wohnungsgesellschaft Pirna Haus „Königstein“ taufte. Nach SZ-Informationen haben die Beamten in der Wohnung lediglich den Nachmieter angetroffen. Jens R. wohnte schon seit ungefähr einem Jahr nicht mehr dort. Nach Auskunft des Pirnaer Rathauses hat er für mehrere Monate in Pirna gewohnt, zuletzt aber nicht mehr in Sonnenstein. Allerdings sei er weiter hier gemeldet.

Völlig unklar ist allerdings weiterhin, was den gebürtigen Sauerländer, der seit vielen Jahren in Münster wohnte, nach Pirna und Heidenau verschlagen hatte. Was er in Sachsen getan hat und welchen Zweck die Wohnungen hatten, sei Gegenstand der Ermittlungen, so die Polizei.

Inzwischen werden jedoch immer mehr Details über den 48-jährigen Täter bekannt, der sich nach Tat selbst erschoss. „Es sieht ganz so aus, dass es sich um einen psychisch labilen und gestörten Täter handelt, der offensichtlich schon länger darüber nachgedacht hat, sich das Leben zu nehmen“, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) am Montag. Die Ermittler wollen eine Art Bewegungsprofil des Todesfahrers erstellen, um einem Motiv näherzukommen.

Der Vater von Jens R. sagte gegenüber Spiegel-Online, seine Frau und er hätten „niemals für möglich gehalten“, dass ihr Sohn zu so einer Tat fähig sei. Allerdings habe er sich zunehmend seltsam verhalten. „Er litt unter Bewusstseinsveränderung und Verfolgungswahn. Er hat sich Dinge eingebildet, die nicht stimmen, die keinen Sinn ergaben“, so der Vater. Nach wie vor schwebten am Montag fünf der Verletzten in Lebensgefahr. (SZ)