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Der Anfang vom Ende des Tagebaus Cottbus-Nord

In den nächsten Wochen geht die Abraumförderbrücke außer Betrieb. Aber nicht deshalb campen Kohlegegner in der Nähe.

© Rainer Weisflog

Von Tilo Berger

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Cottbus. Ein Riese auf Abschiedstour: Nach 32 Jahren geht die Abraumförderbrücke F 34 im Braunkohletagebau Cottbus-Nord demnächst außer Betrieb. Sie wird nicht länger gebraucht, um das Kohleflöz freizulegen und den darüber liegenden Abraum hinter die Rücklichter der Bagger zu transportieren. Das hat Tagebau-Betreiber Vattenfall seit Längerem so geplant. Ende dieses Jahres liegt keine Kohle mehr in dem Tagebau, der 1981 den ersten Brennstoff für das benachbarte Kraftwerk Jänschwalde lieferte. Bis Anfang der 90er-Jahre legten in Cottbus-Nord zwei Förderbrücken die Kohle frei. Die kleinere von beiden, die F 22, stellte 1991 die Arbeit ein und wurde vier Jahre später gesprengt. Ob die F 34 ebenfalls dieses Schicksal ereilt, steht noch nicht fest. Ein Förderverein bemüht sich, den stählernen Riesen als technisches Denkmal zu erhalten.

Der jetzige Tagebau soll nach dem Ende der Kohleförderung saniert und geflutet werden. Mit dem künftigen Cottbuser Ostsee entsteht hier das größte Gewässer im Land Brandenburg.

Abraumförderbrücken gelten als die größte bewegliche Technik der Welt, seit 1924 die erste Anlage dieser Art in der Grube „Agnes“ in Plessa bei Lauchhammer in Betrieb gegangen war. In den folgenden Jahrzehnten wurden 31 Lausitzer Tagebaue mit diesen Großgeräten ausgerüstet. Die Bezeichnung – zum Beispiel F 34 – benennt die Höhe des Abraumes, den die Förderbrücke aufschütten kann. Vattenfall betreibt in seinen vier verbleibenden Tagebauen in Nochten, Reichwalde, Welzow-Süd und Jänschwalde noch die größeren Abraumförderbrücken F 60. Eine weitere F 60 bewegt keinen Abraum mehr, sondern steht in Lichterfeld bei Finsterwalde als begehbares Besucherbergwerk.

Die Brücke in Jänschwalde soll nach bisherigen Planungen des Konzerns in einigen Jahren in einen neuen Tagebau Jänschwalde-Nord umziehen, der sich unmittelbar an die jetzige Förderstätte anschließen und das Kraftwerk versorgen würde. Dafür läuft derzeit das Planverfahren.

Ob es allerdings überhaupt dazu kommt, lässt sich derzeit nur schwer abschätzen. Vattenfall sucht für seine Tagebaue und Kraftwerke in der Lausitz einen Käufer. Umsetzen müsste die Pläne also dann der neue Besitzer – wenn überhaupt. Denn die Zukunft der Braunkohle ist umstritten, erst unlängst stoppte Vattenfall die Vorbereitungen zur Umsiedlung mehrerer Tausend Einwohner aus den bereits genehmigten Abbaufeldern von Nochten und Welzow-Süd.

Für Kohlegegner steht bereits fest, dass es keine neuen Tagebaue mehr geben wird. Sie wollen sich in einem Klimacamp Gedanken über den Strukturwandel in der Lausitz machen.

Das fünfte Lausitzer Klima- und Energiecamp startet am 5. August in Groß Gastrose an der Grenze zu Polen, wie die Organisatoren gestern ankündigten. Geplant sind Workshops, Exkursionen und Podiumsdiskussionen. Auch Proteste vor dem Braunkohle-Kraftwerk Jänschwalde, vor der Cottbuser Vattenfall-Zentrale und bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) seien geplant. Ausdrücklich laden die Organisatoren auch Kohle-Befürworter zum Mitdiskutieren ein. Das Camp dauert bis zum 9. August. Der Veranstaltungsort Groß Gastrose müsste später einem möglichen Tagebau Jänschwalde-Nord weichen. (mit dpa)