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Der Anti-Hamilton

Im Schatten des Formel-1-Weltmeisters wächst mit Lando Norris ein neuer Star heran. Der junge Brite gilt als Gegenentwurf zu seinem Landsmann.

Lando Norris gilt als künftiger Formel-1-Star.
Lando Norris gilt als künftiger Formel-1-Star. © dpa/David Davies

Von Kristof Stühm

Silverstone. Auf Tipps von Lewis Hamilton konnte Lando Norris vor dieser Saison nicht bauen. "Ich habe ihn nicht angerufen", sagte der McLaren-Jungspund. "Ich habe ja nicht mal seine Nummer." Doch auch ohne die Hilfe des Superstars der Branche ist aus dem Teenager eine der großen Sensationen der bisherigen Formel-1-Saison geworden.

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Die Formkurve bei ihm steigt. Zuletzt legte der 19-jährige Debütant zwei aufregende Rennen hin und geht jetzt mit jeder Menge Selbstbewusstsein in sein Heimspiel in Silverstone. "Ich kann es kaum erwarten", sagte der Brite voller Vorfreude auf den Klassiker am Sonntag. Er freue sich, die "Atmosphäre zu erleben", wolle "das Wochenende genießen" und versprach seiner immer größer werdenden Fan-Gemeinde: "Wir arbeiten so hart wie möglich daran, wieder Punkte zu holen."

Dass es Norris als derzeit WM-Achter in den bisherigen neun Rennen viermal in die Punkte geschafft hat, ist alles andere als selbstverständlich. Schließlich wurde McLaren trotz eines Fernando Alonso in der jüngsten Vergangenheit abgehängt. Nun macht Norris sich daran, den ehemaligen Weltmeister aus Spanien bei dem britischen Traditionsrennstall vergessen zu machen. Das Königreich beginnt zu träumen, dass der Neuling irgendwann seinen Landsmann als Weltmeister beerben könnte.

Auf seinem Weg an die Spitze gilt Norris, der in den Nachwuchsserien dominierte und 2017 in der Formel 3 auch Mick Schumacher hinter sich ließ, als Gegenentwurf zum fünffachen Champion Hamilton. Außer der Liebe zum schnellen Autofahren haben sie nicht viel gemeinsam. Norris kommt aus einem reichen Elternhaus. Das Vermögen seines Vaters wird auf gut 200 Millionen Euro geschätzt. Dennoch verzichtet er auf ein Jetset-Leben. Außerdem ist Norris der Prototyp der Generation Playstation: Er fing nicht im Kart an, sondern auf der Konsole.

McLaren verlängert Vertrag bis 2020

Erst kurz vor seinem siebenten Geburtstag sah Norris sein erstes Kartrennen. "Es sah cool aus. Also wollte ich auch mal fahren", sagte Norris. "Damit ging es los, und ich machte meinen Weg nach oben." Vergleiche mit Racing-Point-Fahrer Lance Stroll, dem der Vorwurf anhaftet, dass sein Vater die Karriere des Sohnes erkauft hat, lässt Norris nicht gelten. "Ich mag es nicht, permanent darüber zu reden, aber verglichen mit Stroll ist er nicht mal annähernd so wohlhabend", sagte er über seinen Papa.

Tatsächlich fährt Norris in einer anderen Liga. Sein mit mehr als 400 000 Euro dotierter auslaufender Vertrag bei McLaren wurde am Dienstag ebenso bis 2020 verlängert wie der seines 24-jährigen spanischen Teamkollegen Carlos Sainz junior. Es wird erwartet, dass Norris sein Einkommen in etwa versechsfacht. Doch er will auf dem Weg nach oben noch viel mehr. Alkohol und Partys stehen bei ihm daher erst mal auf dem Index. "Davon will ich mich dieses Jahr fernhalten. Das ist meine Chance in der Formel 1", sagte er. "Die muss ich nutzen. Ich werde nichts Dummes machen und meine Karriere aufs Spiel setzen."

"Die heutige Ankündigung bietet dem Team die nötige Kontinuität, um weiter voranzukommen", sagte der deutsche McLaren-Teamchef Andreas Seidl. "Die Leistung von Carlos und Lando war ein wichtiger Teil des Fortschritts des Teams. Carlos hat mit seiner Erfahrung eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung des Autos gespielt, während Lando unglaublich schnell mit den Anforderungen der Formel 1 vertraut ist und jedes Wochenende an Selbstvertrauen gewinnt."

McLaren gehört zu den positiven Überraschungen dieser Saison. Nach neun von 21 Rennen belegt der einstige Weltmeisterrennstall den vierten Platz in der Konstrukteurswertung. 2018 erreichte das Team mit Alonso und dem Belgier Stoffel Vandoorne den sechsten Rang in der Team-WM. (sid)