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Der Apfelberg wächst

Trotz schwieriger Lage schreibt die Firma Obstland schwarze Zahlen. Die Entlassung des alten Vorstandes bleibt aber mysteriös.

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© Archiv/A. Braun

Von Tina Soltysiak

Dürrweitzschen. Zum neunten Mal in Folge hat die Obstland Dürrweitzschen AG ein positives Konzernergebnis erreicht. Das sagte der Vorstand Gerd Kalbitz am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Gemeinsam mit Heiner Hellfritzsch, der seit 2002 Mitglied des Wirtschaftsbeirates ist, führt er jetzt wieder die Geschicke des Unternehmens. Der ehemalige Vorstandschef Michael Erlecke war vor zwei Wochen entlassen worden. Zur Frage nach dem Warum äußerte sich der Vorsitzende des Aufsichtsrates Michael Heckel nicht: „Der Widerruf erfolgte aus wichtigen Gründen. Der Dienstvertrag wurde gekündigt.“ Um welche „wichtigen Gründe“ es sich handelt, ließ er weiter offen. „Das kann momentan nicht mitgeteilt werden“, ergänzte er. Dass der Grund irgendwann offengelegt wird, schließt er damit nicht aus. Heckel sagte nur so viel: „Der Aufsichtsrat hat den Beschluss am 2. Mai gefasst. Am Morgen des 3. Mai wurde Herr Erlecke informiert.“

Auch die amtierenden Vorstände Gerd Kalbitz und Heiner Hellfritzsch äußerten sich zu dem Vorgang nicht. Kalbitz war von 1991 bis 2011 an der Spitze des Unternehmens. Dass er und Hellfritzsch nun die Geschicke leiten, sei keine Dauerlösung. „Wir sind beide nicht mehr die Jüngsten und haben mittlerweile auch andere Aufgaben im Unternehmen übernommen“, so Kalbitz. Gemeinsam mit dem Aufsichtsrat wollen sie einen neuen Vorstand finden. Wie lange das dauert, ließ er offen. „Es wird aber keine fünf Jahre dauern“, so Kalbitz.

Gerd Kalbitz betonte, dass es keinen generellen Kurswechsel geben soll. Denn die Obstland Dürrweitzschen AG stehe gut da und habe sich in den vergangenen 25 Jahren gut und kontinuierlich weiterentwickelt.

Automatisierung statt Handarbeit

Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen eine Rekord-Ernte einfahren. Erstmals wurde die 47 000-Tonnen-Marke geknackt. „Insgesamt wurden 47 193 Tonnen Obst geerntet. Der Großteil davon sind Äpfel mit rund 41 000 Tonnen, gefolgt von Birnen, Sauerkirschen und Erdbeeren“, sagte Gerd Kalbitz. Andere Obstsorten wie Pflaumen, Johannisbeeren, Süßkirschen sowie die Haselnüsse und die Goji-Beeren würden für das wirtschaftliche Ergebnis eher eine untergeordnete Rolle spielen.

Die Obstland Dürrweitzschen AG beschäftigt 371 Mitarbeiter. Davon sind 140 weiblich. Zudem seien im vergangenen Jahr 1 630 Saisonarbeitskräfte eingesetzt worden. „Der Mindestlohn ist dabei ein großes Problem“, so Gerd Kalbitz. Zum einen, weil es „eine totale Verschiebung des Gleichgewichts zwischen der Stammbelegschaft und den Saisonarbeitskräften gibt“. Denn die Erntehelfer könnten bis zu 70 Tage für einen Brutto- gleich Nettolohn arbeiten. Zum anderen würde die Zahlung des Mindestlohns „zulasten der arbeitsintensiven Kulturen“, wie beispielsweise der Erdbeere, gehen, so Kalbitz. Deshalb setze die Obstland Dürrweitzschen AG auf eine zunehmende Automatisierung. „Um die Ernte zu beschleunigen, müssen wir die Handarbeit reduzieren und stattdessen autonome Fahrsysteme einsetzen“, so Kalbitz. Das könne vor allem bei der Apfelernte passieren. Geld gespart werden solle dabei bei der Beschäftigung der Saisonarbeitskräfte. Die zunehmende Maschinierung solle nicht zulasten der Stammbelegschaft gehen.

Als weiteres Problem nennt der Vorstand das immer noch andauernde Russland-Embargo. „In Sachsen sind fünf bis sieben Prozent der Ernte nach Russland geliefert worden. Der Apfelberg wächst, gleichzeitig geht der Verbrauch jedes Jahr stetig zurück“, erklärte Kalbitz.