Merken

Der Ausnahme-Friedhof

Der Johannesfriedhof in Radebeul wird für Sargbestattungen geschlossen. Wegen des Grundwassers ist das normale Auflösen der Toten gefährdet. Trotzdem wird es ein neues Gräberfeld geben.

Teilen
Folgen
© Dr. Jan-Michael Lange

Von Ines Scholze-Luft

Radebeul. Er liegt idyllisch am Fuß der Weinberge, der Johannesfriedhof im Radebeuler Ortsteil Naundorf. Mit einer Kapelle, einem kleinen Gemeindehaus und insgesamt 500 Sarg- und Urnengräbern. Alles dörflich beschaulich. Für viele Generationen vor allem von Zitzschewigern und Naundorfern die letzte Ruhestätte.

Doch seit Monaten gibt es Diskussionen um diesen Ort. Dabei stand ein Thema im Mittelpunkt: Wegen der geologischen Verhältnisse fließt das Grundwasser nicht richtig ab, sagt Birgit Andert vom Kirchenvorstand. Das heißt, die für das Verwesen der Toten nötigen Eigenschaften des Bodens sind nicht mehr gegeben. Das Ergebnis: Erdbestattete lösen sich an manchen Stellen nicht so auf wie im Normalfall.

Viele Kirchenvorstände haben sich schon damit beschäftigt. Doch in der jüngsten Zeit sei das gehäuft bemerkt worden, so Birgit Andert. Nämlich dann, wenn die Ruhezeit für ein Grab abgelaufen war und es neu belegt werden sollte. Wofür entsprechende Schachtungen liefen, bei denen die Friedhofsmitarbeiter auf sterbliche Überreste stießen.

Schon vor anderthalb Jahren hatte der Vorstand der Friedenskirchgemeinde beschlossen, dass es keine Erdbestattungen mehr geben soll auf dem Johannesfriedhof. Die Grundlage war ein im Jahr 2013 von der Gemeinde in Auftrag gegebenes Bodengutachten. „Damit war klar, dass wir Sargbestattungen guten Gewissens nicht mehr zulassen können“, sagt die Frau vom Kirchenvorstand.

Urnenbeisetzungen weiterhin möglich

Allerdings sind da die Ehe- und Lebenspartner der Verstorbenen, die Rechte an der Grabhälfte ihrer Angehörigen haben. Und die genau dort bestattet werden möchten. Ihnen zu sagen, der Friedhof ist zu, sie müssen auf den Hauptfriedhof an der Kötzschenbrodaer Straße oder in die Urne, das wollte der Vorstand nicht. Denn Urnenbeisetzungen wird es in Naundorf weiter geben. Das war von Anfang an unbestritten.

Seit April 2014 arbeitet der Kirchenvorstand nun daran, für diese Wünsche eine Lösung zu finden. Eine rechtssichere Version, die den Anforderungen der Aufsichtsbehörden genügt. Also den Vorgaben von Regional- und Landeskirchenamt.

Nur keiner weiß, wo genau auf dem Friedhof das Grundwasser schon seine Folgen hinterlassen hat. Birgit Andert spricht von einer inhomogenen wandernden Feuchtigkeit, die überall auf dem gesamten Gelände auftreten kann. Um das flächendeckend konkret zu ermitteln, hätte der gesamte Friedhof aufgegraben werden müssen. Zu horrenden Kosten, von der gestörten Totenruhe mal abgesehen. Deshalb sei eine klare Regelung erforderlich gewesen, die trotzdem den menschlichen Faktor berücksichtigt.

Also entschied sich der Vorstand dafür, auf einem bisher noch nie für Bestattungen genutzten Friedhofsteil ein ganz spezielles Gräberfeld anzulegen. Dort wird der Boden so vorbereitet, dass die für die Zersetzung wichtigen Vorgänge stattfinden können, sagt Steffen Kutter, Vorsitzender der Friedhofskommission. Das heißt, unter den neuen Gräbern wird eine Drainage angelegt, die die wasserundurchlässigen Schichten durchtrennt und dafür sorgt, dass das Grundwasser abfließt, damit keine Feuchtigkeit bis zu den Särgen gelangt.

Entscheidung bis Ende 2016

Dafür müssen die Mitarbeiter die Erde besonders tief ausheben. 2,50 Meter geht es schon bei einem regulären Grab hinab. Die aus einer Kiesschicht bestehende Drainage fürs Grundwasser muss noch darunter, erklärt Steffen Kutter.

Pfarrer und Pfarramtsleiter Björn Fischer: Diese Regelung hat uns viel Mühe gekostet. Eine Komplett-Schließung wäre die Alternative gewesen. Als schnellere Variante, die aber die Bedürfnisse der Nutzer und Anwohner nicht berücksichtigt.

Dass nun noch einmal 30 neue Grabstellen entstehen sollen, ergibt sich aus der Zahl der dafür infrage kommenden Personen – eben durch die Anzahl der Ehe- und Lebenspartner, die entsprechende Grabrechte haben. Sie müssen sich bis 31. Dezember 2016 entscheiden, ob sie auf das Extra-Grabfeld möchten oder in einer Urne im Doppelgrab beigesetzt werden wollen. Betroffene wurden durch ein Schreiben der Kirchgemeinde informiert.

Auf einer Info-Veranstaltung am 16. Januar, 10 Uhr, im Paul-Gerhardt-Haus in Naundorf will der Vorstand noch einmal mit allen Interessenten über den Friedhof ins Gespräch kommen. Gemeinsam mit Friedhofsverwalterin Petra Börner und Pfarrerin Antje Pech.